BERLIN (epd) – Der Antisemitismus-Experte Jonas Hessenauer beobachtet eine teils einseitige Berichterstattung über Israel in deutschen Medien. „In den deutschen Medien finden sich immer wieder antisemitische Stereotype“, kritisierte Hessenauer vom Berliner Tikvah Institut im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Hessenauer ist Mit-Autor der Studie „Israel in deutschen Medien“. Das Forschungsprojekt läuft seit 2023 und arbeitet mit Fördermitteln des Bundesforschungsministeriums.
Eine positive Ausnahme seien die Wochen nach dem 7. Oktober 2023 gewesen. In dieser Zeit hätten Berichte und Kommentare überwogen, in denen ein tiefer Schock über die Gewalt der Hamas und Solidarität mit der israelischen Zivilgesellschaft zum Ausdruck gebracht worden sei. Berichte und Interviews mit israelischen Opfern oder ehemaligen Geiseln der Hamas seien Gegenstand vieler Artikel gewesen.
„Im Vergleich zur internationalen Berichterstattung konnte man in deutschen Medien eine größere Sensibilität für Antisemitismus erkennen“, konstatierte Hessenauer. Für das noch laufende Forschungsprojekt zogen Wissenschaftler aus knapp 40.000 Artikeln in deutschen Medien eine Stichprobe, die quantitativ und qualitativ ausgewertet wird. Die endgültigen Ergebnisse stehen noch aus.
Verkehrung von Ursache und Reaktion in Überschriften
Am 7. Oktober 2023 hat die Terror-Organisation Hamas Israel überfallen, etwa 1.200 Menschen wurden getötet und 251 Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. In der Folge startete Israel eine Militäroffensive gegen die Hamas im Gazastreifen, zehntausende Menschen wurden dabei getötet. Im Oktober wurden die restlichen 20 noch lebenden Geiseln der Hamas freigelassen und der Gazakrieg beendet. Auch die Leichname der getöteten Geiseln erhielt Israel. Ende Januar entdeckte das israelische Militär den letzten Entführten auf einem muslimischen Friedhof.
Im Laufe des Konflikts seien die Solidaritätsbekundungen Israelis gegenüber wieder abgeflaut. Einseitige Darstellungen, wonach Israel alleinig Schuld trage an der gewaltsamen Auseinandersetzung, hätten wieder zugenommen, sagte Hessenauer.
Als Beispiel nannte er eine häufige Verkehrung von Ursache und Reaktion in Überschriften: Israel werde oft als Aggressor in Schlagzeilen genannt, aus dem Artikeltext gehe dann allerdings hervor, dass es lediglich auf Angriffe durch die Hamas reagierte. „In einem Kommentar fand sich zudem die Behauptung, wonach bestimmte israelische Akteure den deutschen Mediendiskurs lenken würden. Dahinter steht die antisemitische Vorstellung einer jüdischen Weltverschwörung.“
Expliziter Rassismus gegenüber Palästinensern sei weniger zu beobachten gewesen. Allerdings würden Palästinenser in der deutschen Nahost-Berichterstattung oft ausschließlich als Opfer dargestellt und nicht als handelnde Subjekte, sagte der Experte des Instituts, zu dessen Gesellschaftern der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, gehört.
17 Kommentare
Das ist ja unser (fast) aller Rede hier im Forum, die Täter-Opfer-Umkehr, flankiert von ARD und ZDF, allen voraus Sophie v.d.Tann. Wenige Tage nach Kriegsbeginn prophezeite die „geschätzte Miss Baerbock“ allerdings Arye Shalicar gegenüber schon, dass die Solidarität mit Israel abnehmen würde. Dieses Abnehmen wurde zum regelrechten Judenhass. Die dt. Berichterstattung, die mit viel Bildmaterial immer wieder Gaza zeigte und rassant verbreitete, schaffte Misstrauen und schürte den Hass. Unabhängigkeit der Medien hat in vielen Teilen gefehlt.
Allerdings würde ich „die Palästinenser“ nicht alle als handelnde Objekte darstellen. Viele haben den Terroristen geholfen, viele die Geiseln verhöhnt und verlacht, und ja, anfangs habe ich die Aussage von Mia Shem übernommen: es gibt keine unschuldigen Palästinenser! Ich frage mich heute, ob man wirklich alle in einen Topf werfen kann. Selbst „Opfer des indoktrinierten Hasses auf Israel“ hätten viele von ihnen aber absolut den Israelis helfen müssen, von denen sie bis zum Massaker mit Freundlichkeit, Arbeit und Versorgung profitiert haben. Diese Volk ist leider durch die Indoktrinierung total versaut worden.
Durch WELT, Israelnetz, Fokus Jerusalem, Israel Heute, dem ICEJ u.a. kann man durchaus vertrauenswürdige Berichte über Israel bekommen.
Hallo Ella, falls du auch Hebräisch oder Englisch sprichst, kann ich dir
The Times of Israel empfehlen. Im Gegensatz zu anderen israelischen Medien wie Haaretz, Arutz Sheva und Israel HaYom versteht sich die TOI als unabhängig, nicht an eine bestimmte Partei gebunden, und berichtet fair ohne parteipolitische Zugehörigkeit über Israel.
Die von dir genannten Namen, wie Welt, Fokus Israel usw… sind mir politisch zu spezifisch.
Gideon Lahav : stimme Dir zu, was ToI angeht, ich lese aus Bequemlichkeit die französische Ausgabe. Es ist hochinteressant, die israelische (komplizierte) Innenpoltik zu verfolgen , auch am Rande der Ereignisse, über die alle Medien berichten. Auch der Blick auf das Ausland, namentlich die USA, aber auch Europa und speziell Deutschland würde so manchen Foristen überraschen. Haaretz (englisch) habe ich früher gelesen, aber es geht mir jetzt damit wie mit Le Monde ; mir kommt der Kaffee hcoh.
Hallo Antonia, auch ich war früher ein großer Fan von Haaretz, vor allem, weil die Zeitung zu vielen Themen meine Ansichten teilt.
– Eine kritische Perspektive auf die israelische Regierung unter Netanjahu.
– Unterstützung von Friedensinitiativen im Nahen Osten.
– Ablehnung von autoritärem Nationalismus.
– Der Schutz von Minderheitenrechten und die Trennung von Staat und Religion.
Doch heutzutage beobachte ich, wie sich Haaretz für politisierte Kampagnen instrumentalisieren lässt, hier nenne ich dir zwei Beispiele dafür.
Im Mai 2021 verbreitete Haaretz die Behauptung, die israelische Luftwaffe habe »ohne jeglichen militärischen Grund« ein Wohnhaus zerstört. Interne Protokolle, die später publik wurden, belegten, dass das Gebäude ein zentrales Waffenlager und ein Kommandoposten der Hamas war. Doch da war die Meldung längst um die halbe Welt gegangen.
Im Oktober 2023 berichtete Haaretz, Israel habe bei Luftangriffen »Hunderte Babys« absichtlich ins Visier genommen. Tatsächlich stammte die Zahl aus einer unseriösen Schätzung der Hamas, die nicht unabhängig überprüft wurde. Später stellte sich heraus, dass viele der Getöteten Hamas-Kämpfer waren, deren Alter nicht belegt war.
Es ist daher schwierig, Haaretz als pro-israelisches Medium wahrzunehmen, insbesondere angesichts der folgenden Fragen:
Warum war der Haaretz-Journalist Gideon Levy mehrfach bei Al Jazeera zugeschaltet?
Warum nutzen viele Israel-Hasser Haaretz als Quelle?
Warum ist Haaretz bei Israel-Hassern so beliebt?
Dies sind kritische Fragen, die der Haaretz-Redaktion gestellt werden müssen.
Schocken, der Herausgeber der Haaretz hat schon vor vielen Jahren gesagt, dass nicht das Mediengeschäft für ihn wichtig ist, sondern die politische Agenda. Und die ist schon seit vielen Jahren anti-israelisch.
Schocken ist nicht israelfeindlich, der trägt mittels Ha’aretz eine persönliche Fehde mit Bibi aus, geradezu eine Art von Vendetta. Denn Ha’aretz kenne ich noch aus einer Zeit, als das Blatt noch nicht so linkslastig gegen die Regierung gewettert hat, ist erst seit Schocken so.
SHALOM
Ha’aretz, Antonia ? Die sind so linksgrünwoke, daß man daran fühlen kann.
SHALOM
Nur liegt der unterschied dass viele progressive Zeitungen Kritik mit Kontext verbinden, während Haaretz routinemäßig Narrative in den Vordergrund stellt, die Israel nicht nur als fehlerhaft, sondern in nahezu jeder Dimension seiner nationalen Politik als Aggressor darstellen.
@Gideon Lahav
Vielen Dank für die Ergänzung. Ja, die Times of Israel habe ich vergessen zu erwähnen. 👍🏻Ich lese sie täglich auf Deutsch. Ist richtig gut und informativ. Englisch bin ich nicht so sattelfest und hebräisch leider gar nicht.
Liebe Grüße Ella
Ja, die Informationen in der Zeitung „Times of Israel“ sind sehr vielseitig und unparteiisch. Ich lese die „Times of Israel“ von Zeit zu Zeit im Internet.
Die Times of Israel ist sehr informativ und berichtet neutral. Sie hat auch immer Filme dabei. Ich bekomme oft eine Gänsehaut, wenn ich diese ansehe.
Ella, ich halte von den zuletzt von dir genannten Medien einschließlich der JA eine ganze Menge, weil bei aller berechtigten kritischen Fragestellung die Ansichten besagter Medien per Überprüfung der Quellen sehr wohl verifizierbar sind.
Und wer nicht dem allgemeinen Mainstream verfallen ist oder verfallen möchte, der macht sich halt die Mühe und überprüft halt drei oder viermal,was er/sie/es konsumiert.
SHALOM
Palästinenser oder besser gesagt palästinensische Terroristen werden in der deutschen Nahost-Berichterstattung als Opfer dargestellt. Hat Volker Beck Recht? Ja.
Die gleichen Beobachtungen kann man in der französischen Presse, Funk und Fernsehen machen. Wobei häufig der interne Antisemitismus bewusst übersehen oder glatt geleugnet wird. Mit Ausnahme von Cnews, Europe 1 und der jüdischen Presse kann man die Nahost Berichterstattung vergessen Am schlimmsten sind Le Monde und Libération sowie die staatlichen Rundfunk und Fernsesender.
Die konsequent pro-israelische Haltung von Herrn Volker Beck nötigt mir höchsten Respekt ab. Offensichtlich hat er eine Ahnung davon, was es heißt, wenn der Gott Israels sagt: „Wer mein Volk antastet, der tastet meinen Augapfel an.“ Der Hüter Israels segne alle, die (wie er) Jerusalem Glück wünschen und Widerständen eine feste Stirn bieten. Möge unter den Feinden Israels noch mancher rechtzeitig zur Besinnung kommen. Und damit meine ich auch die Feinde unter der hiesigen Bevölkerung, für die es immer schwieriger wird, zu einem klaren Blick zurückzufinden.
Es ist nach wie vor traurig zu erleben, dass der Mainstream in Deutschland äußerst Israel-kritisch ist und sich auch nicht verbessert. Dank Israel Netzwerk, Fokus Jerusalem (Bibel-TV) u.a. gibt es sehr viele gute Informationen über Israel, aber wann merkt Deutschland endlich, dass wir ALLE ein PRO-ISRAEL-Mainstream benötigen ? Ich habe Erinnerungen an die Zeit vor Oslo, in West-Berlin in den 80er Jahren gab es so wie KEIN „Palästina“-Geschrei, es gab Ephraim Kishon, auch im Fernsehen („Der Blaumilchkanal“), es war alles idyllisch, die Welt wurde immer besser, und mein Gymnasium war klasse.
Aber was heute ? Es muss eine UMKEHR der MACHT geben, doch die Bundesregierung heute ist auch nur etwas besser für Israel als die Ampel. Es muss alles ISRAEL-Freundlich werden in Deutschland. Nur so kann sich unser Land erholen. Es geschieht das Gegenteil, der ISLAM baut Deutschland in eine Israel-feindliche Ecke auf, und alle müssen zu Ramadan fasten…!
Im übrigen hat Peyman Engel von der JA ein Rüge erhalten vom deutschen Presserat bezüglich der Enttarnung eines als U-boot tätigen Hamasterroristen beim ZDF Mitarbeiterstab, der Mann sei fälschlicherweise von Israel der subversiven Tätigkeit beschuldigt worden, obwohl eindeutige Beweise dafür vorgelegt worden seien, die besagter Presserat aber schlicht ignoriert und als nicht relevant betrachtet hat. Was sagt das aus?
SHALOM