Erste Prognosen: Knappe Mehrheit für Netanjahu-Lager

Die Nachwahlbefragungen deuten eine unklare Verteilung der Machtverhältnisse an. Die Wahlbeteiligung liegt so hoch wie 1999 nicht mehr.
Von Israelnetz
Ein Israeli gibt bei den Knessetwahlen 2022 seine Stimme ab

Foto: Israelnetz/mh

Rund 6,78 Millionen Staatsbürger waren am Dienstag aufgerufen, ihre Stimme abzugeben

Der Artikel ist auf dem Stand von 22:40 Uhr.

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JERUSALEM (inn) – Bei den Knessetwahlen zeichnet sich laut den ersten Prognosen eine knappe Mehrheit für das Netanjahu-Lager ab. Der Likud, das Bündnis Religiöser Zionismus/Jüdische Stärke und die beiden ultra-orthodoxen Listen kommen im Durchschnitt der Prognosen auf 62 der 120 Sitze. Das Bündnis Jüdisches Haus, bei dem Ajelet Schaked mit Jamina mitmacht, verpasst nach aktuellem Stand den Einzug in die Knesset. Schaked hatte sich im Wahlkampf dem Netanjahu-Lager für eine Regierungsbildung angeboten; Netanjahu hatte sich allerdings darum bemüht, rechte Wähler von einer Stimmabgabe für sie abzuhalten.

» Likud: 30 (0)

» Religiöser Zionismus/Jüdische Stärke: 14 (+8)

» Schass: 10 (+1)

» Vereinigtes Tora-Judentum: 7 (0)

» Jüdisches Haus (inklusive Jamina): 0 (-7)

Das Gegenlager erreicht insgesamt 54 Sitze. Die Partei Jesch Atid von Premier Jair Lapid verzeichnet den ersten Zahlen zufolge mit sechs hinzugewonnenen Sitzen zwar einen großen Zuwachs und erreicht das beste Ergebnis in ihrer Geschichte. Sie kann damit die Verluste der Bündnispartner aber nicht wettmachen, zumal Jamina nicht mehr zu diesem Lager gehört. Die linken Parteien Avoda und Meretz schaffen es trotz Verlusten voraussichtlich ins Parlament; im Vorfeld hatte vor allem Meretz einen zu geringen Zulauf befürchtet.

» Jesch Atid: 23 (+6)

» Staatslager:  12 (-2)

» Israel Beiteinu: 4 (-3)

» Avoda: 5 (-2)

» Meretz: 4 (-2)

» Ra’am: 5 (+1)

Die arabischen Parteien haben insgesamt einen Sitz verloren. Lediglich die islamistische Ra’am, die zuletzt an der Regierung beteiligt war, konnte ihr Ergebnis von 2021 um einen Sitz auf 5 ausbauen. Die anderen waren dieses Mal nicht mehr als „Vereinigte Liste“ angetreten; lediglich die marxistische Hadasch und die linksgerichtete Ta’al taten sich zusammen. Die linksnationale Balad-Partei trat einzeln an und lag eine Stunde nach Schließung der Wahllokale knapp unter der Hürde von 3,25 Prozent. Gut möglich, dass sie die Hürde noch nimmt; die Ra’am-Partei lag im vergangenen Jahr auch lange unter der Hürde und schaffte letztlich den Einzug.

» Hadasch-Ta’al: 4 (-1)

» Balad: 0 (-1)

Die Wahlbeteiligung lag zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale bei 66,3 Prozent. Die Beteiligung war demnach so hoch wie seit 1999 nicht mehr. Bei den vorausgegangenen Knessetwahlen im März 2021 hatten 67,4 der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Das endgültige Ergebnis der Knessetwahlen will der zuständige Ausschuss am 9. November bekanntgeben. (df)

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7 Antworten

  1. Wahl 2022: Wenn der Religiöse Zionismus in die Regierung kommt, muss dies nicht direkt negativ sein. Hoffe, dass die Menschenrechte und die neuen Beziehungen, z. B. Emirate, sich nicht verschlechtern. Netanjahu: In anderen Ländern sind auch solche an der Macht, denen Korruption vorgeworfen wird. Es gilt die Unschuldsvermutung. Hier gibt es auch solche, und die Stadt mit dem mutmasslich höchsten Kokainkonsum. Würde sogar lieber in Israel leben. Wenn die Bündnisse zu Stande kommen, ist es sicher die letzte Legislatur von Netanjahu. Er erreichte einiges, dumm, dass das 8er Bündnis auseinander fiel. Man darf gespannt sein … bis zum amtlichen Schlussergebnis.

    2
  2. Es sind oftmals ältere Politiker, die nicht loslassen können. Ohne Bibi, trotz früherer Verdienste, könnten Likud und Jesch Atid gut regieren. Könnten! Dem wird nicht sein und schadet Israel.

    OT
    Shalom aus Israel.

    2
  3. Netanjahu wird dem Land wie immer gut tun.
    Mögen seine Neider verstummen. Sie können es nicht besser.
    Im Gegenteil.

    2
    1. Wieso soll jeder, der -bspw.- eine Koalition mit einer eindeutig rechtsextremen Partei wie dem “Religiösen Zionismus” ablehnt oder der die immer noch virulenten strafrechtlichen Vorwürfe gegen N. für ernstzunehmend hält, “es nicht besser können”? Bei Letztgenanntem steht zudem der Verdacht im Raume, dass es der bald Mittsiebziger speziell auf eine strafrechtliche Immunität abgesehen hat, als zukünftiger Ministerpräsident.

      Beva, Sie haben merkwürdige Vorstellungen.

      5

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