Eindrücke aus dem Internierungslager

In Internierungslagern hielten die Briten während des Zweiten Weltkrieges Menschen fest, die sie des Terrors oder der Rebellion verdächtigten. Dazu gehörten auch Juden aus dem Mandatsgebiet Palästina.
Von Israelnetz

Foto: Israelische Nationalbibliothek

Jüdische Häftlinge im Lager Karthago – Mosche David Eichenbaum steht links

TEL AVIV (inn) – Während des Zweiten Weltkrieges internierten die Briten terrorverdächtige Juden aus dem Mandatsgebiet Palästina in Afrika. Eines der Lager befand sich im sudanesischen Karthago – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Ort im heutigen Tunesien. Der Nachlass eines ehemaligen Gefangenen gibt Einblicke in das Leben der Häftlinge.

Mosche David Eichenbaum war Mitglied der vorstaatlichen militärischen Untergrundorganisation Lechi. Deshalb wurde er nach Kathargo deportiert. Dort gab er Lagerzeitungen heraus und organisierte kulturelle Veranstaltungen. Zudem schrieb er ein Theaterstück mit dem Titel „Ohne Illusionen“. Es handelt von zwei Häftlingen, die aus dem Lager fliehen und versuchen, nach Palästina zu gelangen. Das Stück wurde zum Ausklang des Festes der Freude über die Tora, Simchat Tora, im Herbst 1946 im Lager aufgeführt.

Den Nachlass des ehemaligen Gefangenen erhielt kürzlich die Israelische Nationalbibliothek. Archivarin Anat Navot sagte der Zeitung „Yediot Aharonot“: „Eichenbaum war einer der aktivsten und herausragenden Leute in den Lagern der Exilanten in Afrika in Bezug auf alles, was mit dem kulturellen Leben zu tun hat. In unserem Archiv sind Lernhefte in seiner Handschrift aufbewahrt zu Themen wie Geschichte, Jura und Physik. Eichenbaum war auch an zwei Fluchtversuchen aus dem Lager beteiligt, die scheiterten.“

Brief an die israelische Regierung: Glückwunsch zur Staatsgründung

Auch Mitglieder der einstigen militärischen Untergrundbewegung Etzel waren in Kathargo interniert. Am Donnerstag wurden im Etzel-Museum in Tel Aviv bislang unbekannte Dokumente aus dem Lager vorgestellt. Dazu gehören auch Briefe. Einen schrieb Arje Mehullal am 17. Mai 1948, drei Tage nach der Staatsgründung, an die „Regierung des Staates Israel“.

In dem Brief heißt es: „Aus der Ferne des Exils schickt ihnen das Lager der Golei Zion (Zionsexilanten) seinen kämpferischen Glückwunsch zur Errichtung der hebräischen Unabhängigkeit.“ Der Häftling schrieb weiter: „Am Tag der Unabhängigkeit wurde in unserem Lager die nationale Flagge gehisst, zum ersten Mal als Flagge eines freien und befreiten Staates.“

Mehullal bat die Regierung darum, von Großbritannien die Befreiung der Lagerinsassen zu fordern. Denn sie seien jetzt israelische Staatsbürger, die in britischer Gefangenschaft gegen internationales Recht festgehalten würden. Auch zum Unabhängigkeitskrieg äußerte sich der Häftling: „Wir verfolgen aus der Ferne mit Spannung, Furcht, Stolz und Sicherheit den heldenhaften Krieg der unbesiegbaren hebräischen Jugend und beten für den Augenblick, in dem wir wieder eingreifen können.“

Direktor Schlomo Dror sagte, das Museum wolle das vollständige Bild vom Leben in den Internierungslagern zeigen: „Es handelt sich um eine Gruppe Gefangene, die für viele Jahre unter harten Bedingungen nach Afrika geschickt wurde und dennoch ein reiches kulturelles Leben führte, neben gewagten Fluchtversuchen.“

Odyssee durch Eritrea, den Sudan und Kenia

Am 19. Oktober 1944 wurden zunächst 251 terrorverdächtige Juden aus dem Internierungslager Latrun ausgesondert und mit zwölf Insassen des Gefängnisses von Akko in die heutige eritreische Hauptstadt Asmara geflogen. Zwei Kilometer nördlich befand sich das Internierungslager Sambel. Dorthin wurden die Juden deportiert. Da es vorher als Erholungsort für die italienische faschistische Jugend gedient hatte, waren die Bedingungen gut und das Klima angenehm. Insassen beklagten nur einen Mangel an Kleidung, Büchern und religiösen Gegenständen.

Drei Monate später brachte ein Schiff die Häftlinge in den Sudan. Das dortige Lager Karthago befand sich 600 Kilometer von der Hauptstadt Khartum entfernt in der Wüste. Hier war das Klima widrig und das Wasser knapp. Ein Streit über koscheres Essen führte immerhin dazu, dass im März 1945 ein Rabbiner und ein jüdischer Schlachter (Schochet) ins Lager kommen durften. Sie konnten sich frei bewegen.

Nach neun Monaten wurden die Juden von Karthago nach Sambel zurückgebracht. Doch dort mehrten sich die Ausbruchsversuche. Unter anderem gruben Häftlinge auf dem von außen zugänglichen und nachts unbewachten Sportgelände unterirdische Gänge und versteckten sich dort, bis die abendliche Kontrolle des Areals vorüber war. Dann versuchten sie, in bewohnte Gegenden zu gelangen und erst einmal bei Juden Unterschlupf zu finden.

Die meisten Fluchtversuche misslangen. Die Briten verlegten die Gefangenen im März 1947 in ein Lager nahe der kenianischen Hauptstadt Nairobi, Gilgil. Es hatte zuvor als Gefängnis für Soldaten mit lebenslanger Haftstrafe gedient. Lebensbedingungen und Klima waren ebenso wie die aufdringlichen Moskitos schwer zu ertragen. Nach einem Aufstand verbesserten die Briten die Haftbedingungen.

Heimkehr im Juli 1948

Wie der Museumsdirektor betont die Online-Enzyklopädie „Jewish Virtual Library“ die sozialen, sportlichen und kulturellen Aktivitäten, die jüdische Häftlinge ab dem ersten Tag ihrer Gefangenschaft organisiert hätten. Dazu zählte eine Bücherei, die in Gilgil etwa 3.000 Bände umfasste. Neben einer Tageszeitung gab es ein philosophisches und ein literarisches Journal. Vorlesungen wurden zu Literatur oder Naturwissenschaften angeboten. Einige Häftlinge nutzten die Chance eines Fernstudiums, meist an britischen Einrichtungen. Sie studierten Wirtschaft, Jura, Buchführung, Architektur oder auch Maschinenbau.

Insgesamt wurden bis zum Ende der Mandatszeit 439 Terrorverdächtige nach Afrika deportiert. Im Juli 1948 erreichten 262 ehemalige Gefangene auf dem britishen Schiff „Ocean Vigour“ israelische Hoheitsgewässer und wurden Bürger des neugegründeten jüdischen Staates.

Hintergrund Etzel und Lechi

Etzel ist auch unter der Bezeichnung „Irgun“ bekannt. Die militante zionistische Gruppe spaltete sich 1931 von der britisch tolerierten Hagana ab. Seit 1943 führte der spätere Premierminister Menachem Begin die Organisation. Im Juli 1946 verübte sie einen Anschlag auf das King David Hotel in Jerusalem, das trotz vorheriger Warnung nicht geräumt wurde. Dabei wurden 91 Menschen getötet.

Lechi spaltete sich unter Abraham Stern von der Irgun ab – sie wird deshalb auch „Stern-Truppe“ genannt. Ein Mitglied war der spätere israelische Außenminister und Premierminister Jitzchak Schamir. (eh)

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14 Antworten

  1. Es ist eine Schande das diese Terroristen in Israel für ihre Verbrechen nicht bestraft wurden. Terror ist durch nichts zu rechtfertigen.

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    1. Sagen sie das mal den Pals.
      Die ermordeten bereits Juden vor Staatsgründung. Der Muftie, ein Freund von Adolf.
      Tragen manche Deutsche immer noch den Geist
      der Nazis in sich? Sie nennen es Gerechtigkeit.
      – Lach-

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    2. Mit großer Freude sehe ich die Zunahme von kritischen Kommentaren, die langsam aber sicher ein Gegengewicht zu der allzu einseitigen Berichterstattung über Israel, seinen „Gründungsmythos“ und seine gegenwärtige Politik schaffen. Es werden immer mehr, die hier „gegen den Stachel löcken“, wie es so schön heißt. Vielleicht gibt das einigen der sich hier permanent mit den sich wiederholenden Scheinargumenten auslassenden Hardlinern zu denken. Obwohl: die Chancen sind wohl eher gering…

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  2. Es ist interessant, dass hier immer nur der Begriff der „militärischen Untergrundbewegung“ benutzt wird. Daran zeigt sich die „Ausgewogenheit“ der Berichterstattung, denn die „militärische Untergrundbewegung“ der vertriebenen und seit über 50 Jahren unter israelischer Besatzung lebenden Palästinenser sind natürlich „Terroristen“.

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    1. Außerdem wird hier auch wieder Terror entschuldigt und den Opfern einen Mitschuld zugesprochen nach dem Motto: Selbst schuld, wenn sie sich von Terroristen nicht erpressen und vertreiben lassen.

      Zitat: „Anschlag auf das King David Hotel in Jerusalem, das trotz vorheriger Warnung nicht geräumt wurde“

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  3. Sehr oberflächlich beurteilt Peter und Bjoern. Das jüdische Volk wurde immer verfolgt, da ging es um Leben und Tod. Dieses Volk hatte die Zusage des Allerhöchsten, dass es in sein Land zurückkehren wird. So bahnte sich das auch an. England spielte eine zwielichtige Rolle, nach dem Versprechen den Juden die Rückkehr ihn ihre Heimat zu ermöglichen. England hinderte wo es konnte, sehr sichtbar am zurückschicken von Juden nach Europa. Ich weiss nicht, ob ihr dies nachvollziehen könnt.
    Dies löste die jüdisch englischen Probleme aus. Ein Volk das ums Überleben kämpfte, nach 2000 Jahren wieder in der alten Heimat zu sein und sicher ohne Angst zu leben. Die Juden bauten dieses Land vom Anfang der Rückkehr auf und machten es zudem, was es heute ist. Von bitterer Armut in ein hochmodernes Land mit demokratischen Strukturen und Glaubensfreiheit.
    In ganz einer andere Situation ist das arabische Volk in Israel. Viele oder die meisten sind auch zugezogene, seit das jüdische Volk begann das Land aufzubauen. Ein palästinensisches Volk gab es vor den 60er Jahren nicht. Das arabische Volk wird auch nicht verfolgt, es darf in Israel leben und geniesst auch die Vorzüge in jeder Hinsicht. Nur der Hass der in Sie eingepflanzt wird von Jugend auf, auch von er Religion her, treibt sie dazu, Terroristen zu werden. Da ist nie ein Überlebenskampf ausfindig zu machen, nur ein eingepflanzter Hass. Sie müssen ihre jüdischen Terroristen und die arabischen Terroristen schon genau betrachten um den Unterschied zu erkennen.
    Ganz wichtig zu wissen: Der Allmächtige Gott Israels hat andere Pläne als Ihr.

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    1. @ samuel

      Gewiß, Sie würden als guter Christ diejenigen, die Sie aus ihrem Haus und Land vertreiben, nicht hassen, sondern lieben und den Eindringlingen auch noch den Hausschlüssel und die Besitzurkunde Ihres Hauses und Landes freiwillig und mit größter Freude aushändigen. Nicht vergessen: Sie würden den Dieben noch herzlichst danken für Ihre Vertreibung und gegebenenfalls noch darum bitten, erschossen zu werden. Stimmts?

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        1. Danke für deine Kommentare.
          OT:Erinnere dich an meine Grossmutter, die überlebt hatte und in ihr Haus zurückkam. Deutsche bewohnten es. Was sie hier wollte? Juden gäbe es nicht mehr. Richter, Nazis, sagten das gleiche. Oma hat sich ihr Haus zurückgeholt.🤩🇮🇱
          Pals und User, na ja, so 3-4, behaupten, den Arabern gehörte das Land.
          Hört sich an wie diese Deutschen damals.
          Ebenso ist es mit Tempelberg.
          Man kann deren Kappes nicht mehr lesen.
          Sei gesegnet. LG
          OT: Hast du das gelesen von dem amerik. Fake- Juden? Rep. – und die Geheimakten/ Biden? Chaotische Zustände überall.

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          1. In meiner Heimatstadt wurde eine junge Frau in ein Konzentrationslager gebracht, weil sie eine Beziehung zu einem Polen hatte. Als sie nach dem Krieg auf Wiedergutmachung klagte, bekam sie zu hören: es kann heute nicht falsch sein, was vorher richtig war.
            Und diese Haltung zieht sich bis heute durch. Sehen wir doch an den teils widerlichen Kommentare. Aber du hast recht, es sind nur drei, vier, die ihre Propagandamist hier absondern, haben allerdings so ein paar Mitläufer, die den Daumen heben und sich immer mal einer am selber schreiben versucht. Scheitert mit der schönsten Regelmäßigkeit, weil man sich Diskussionen halt nicht stellen kann, wenn man nur abschreibt und selber kein Wissen hat. Siehe Australien.

            Das mit Biden belustigt mich ja. Gab es hier nicht welche, die sich über Trump aufgeregt haben, als der welche mitnahm. Das Schweigen derer ist jetzt ganz laut. Bin gespannt wie viel sich noch findet.

            Apropos Trump. Da hat sich doch kürzlich tatsächlich einer auf Trump bezogen, als es in seine Ideologie passte. Trump hat Marokko erlaubt, die Westsahara zu besetzen. Aber den Trump, der Jerusalem anerkennt, den hat man Monate vorher verteufelt. Tja, die Doppelzüngigkeit mancher User ist schon phänomenal.

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  4. Eine Vertreibung wie ein User dies ständig wiederholt, fand nicht durch Juden damals statt.
    Araber waren es, die zu ihrem Volk sagten, es kurzweilig zu verlassen, bis der letzte Jude tot oder vertrieben ist.
    Pech gehabt. Seither gelten Araber aus dem Heiligen Land als Flüchtlinge. Zocken alle Länder ab. Erst 1962 benannte sie Terrorfphrer Arafat zu Pals um.
    In arab. Schulbüchern wird nicht die Wahrheit gelehrt. Das Gegenteil. Auch deshalb in der BRD Migrationshass auf Juden. Zum Glück gibt es auch denkende Flüchtlinge.

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    1. Doch Maria, eine Vertreibung durch Juden fand damals durchaus statt. Sie vergessen immer wieder dass es auch unter den Palästinensern noch Zeitzeugen gibt. Offensichtlich können SIE Maria mit der Leugnung einer Tatsache und einer Lüge sehr gut leben, aber es wird dadurch nicht zur Wahrheit.

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  5. Schon interessant, dass es Zeitgenossen gibt, die sich bestätigt fühlen durch Kommentare, die weder Hand noch Fuß haben. Ein krasses Beispiel von vor ein paar Tagen: ESC Teilnehmer Australien oder Austria?

    ich meine, wenn man schon zwei Antworten hat, die eindeutig Australien nennen, dann sollte man vielleicht vor einem weiten Kommentar, der sagt, Austria liegt in Europa mal googlen, ob vielleicht nicht doch Australien und nicht Austria gemeint war. Aber dies ist wohl zuviel verlangt für Zeitgenossen, die nur in ihrer Anti-Israel Haltung verharren und Fakten weder kennen noch kennen wollen. Vielleicht wäre es besser, dass diese Menschen doch bei ihren Daumen nach oben bleiben, anstatt Unsinn zu schreiben.

    Was nun die Freude über solche Kommentatoren angeht, die hier kundgetan wurde, es ist schon erstaunlich, dass manche dies als Sieg ansehen, wo es eindeutig nur Mitläufer sind, die auch mal etwas sagen wollen, aber spätestens nach drei Artikeln scheitern, weil sie über kein Wissen verfügen. Aber auch nicht bereit sind sich ein solches anzueignen. Sie überlassen das Denken anderen und das hat unser Land und auch andere Länder immer wieder in das Verderben geführt. Ich empfehle dringend den Film „die Welle“. Er zeigt, dass man auch heute noch auf Rattenfänger hereinfallen kann. Und manche von diesen sind großartig im manipulieren. Stammtischniveau sollte man eigentlich erkennen.

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