Die einen bezeichnen die UNRWA als Garant für die Stabilität im Nahen Osten, die anderen als das größte Hindernis für Frieden in der Region. Insbesondere seit dem 7. Oktober 2023 reißt die Kritik an dem Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge nicht ab. Zu viele Verstrickungen mit der Terrorgruppe Hamas sind im Zuge des Massakers an die Öffentlichkeit getreten.
So entdeckte die israelische Armee während des Gazakriegs Waffenlager in den Büros der UNRWA. Zudem war das Tunnelsystem der Terrorgruppe mit den Gebäuden des Hilfswerks verbunden. Daneben gerät die Aufdeckung einer Chatgruppe mit 3.000 terrorbegeisterten UNRWA-Lehrern fast schon zur Randnotiz.
Mit der Rolle der UNRWA im Nahost-Konflikt befasst sich nun das faktenreiche Buch „Zwischen Humanität und politischer Agenda“ von Jean Pierre Muller. Der Gesundheitsexperte aus Luxemburg legt den Finger direkt in Wunde und beschreibt nüchtern, wie aus einem Hilfswerk, das ursprünglich gegründet wurde, um arabischen und jüdischen Flüchtlingen zu helfen, eine Waffe gegen Israel wurde.
Mahnung statt Mitgefühl
Die ist denn auch besonders effektiv, wenn es etwa darum geht, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Wie das den Vertretern des Werks durch sprachliche Auslassungen und einseitige Kritik gelingt, gehört zu den spannendsten Stellen des Buches.
Dazu musste Muller nur auf die öffentlichen Stellungnahmen von UN-Vertretern zurückgreifen. Ihre Reaktionen auf den 7. Oktober etwa zeugen von Einseitigkeit und Voreingenommenheit gegenüber Israel. Denn während sie den jüdischen Staat noch am Tag des Massakers „mahnten“, kam die Hamas in ihren Verlautbarungen kaum vor.
Muller fasst zusammen: Die UN-Vertreter „verurteilten die Angriffe auf Israel, meist ohne die Angreifer oder das Ausmaß zu benennen, um dann Israels Gegenwehr mit den terroristischen Angriffen gleichzusetzen und beide Seiten gleichermaßen zur Einstellung der Gewalt aufzufordern.“
Das Recht auf Rückkehr
Erhellend ist auch Mullers Blick auf die „Zwei-Staaten-Lösung“ im Licht des Rückkehrrechts. So arbeitet er heraus, dass die Gründung eines palästinensischen Staates an dem Flüchtlingsstatus der Palästinenser sehr wahrscheinlich nichts ändern würde. Damit bliebe die Lieblingslösung der Europäer jedoch ohne große Durchschlagkraft.
Ein Blick nach Jordanien illustriert es recht eindrücklich: Im Haschemitischen Königreich leben rund 2,4 Millionen Palästinenser. Mehr als 90 Prozent von ihnen besitzen die jordanische Staatsbürgerschaft und haben damit die vollen Bürgerrechte. „Dennoch bleibt ihnen dauerhaft der UNRWA-Flüchtlingsstatus erhalten mit dem verbrieften ‚Recht auf Rückkehr‘“, schreibt Muller.
Auch in Jordanien haben die Nachkommen der Palästina-Flüchtlinge somit Anspruch auf eine medizinische Grundversorgung und eigene Schulen. In diesen wiederum lernen Generationen von Kindern, dass ihre „wahre Heimat“ woanders liegt. Auch den UNRWA-Schulbüchern hat Muller einige Seiten gewidmet. Bezahlt werden die Schulen von unterstützenden Staaten, mit Deutschland als dem größten Geldgeber.
Eine Lösung ohne UNRWA
Muller plädiert für einen Gazastreifen ohne die UNRWA, aber mit westlicher Unterstützung. Dabei geht es ihm nicht nur um die zahlreichen Verwicklungen der Organisation mit der Hamas. Er kritisiert auch die Abhängigkeiten, die durch das Werk über Jahrzehnte geschaffen wurden.
Insbesondere das Festhalten am „illusorischen“ Rückkehrrecht verhindert ihm zufolge jede positive Entwicklung. Die UNRWA aber bezieht genau daraus ihr Selbstverständnis und alimentiert (mit westlichen Geldern) Millionen von Palästinensern.
Das Buch ist wegen seiner Faktenfülle nicht immer leicht zu lesen. Dennoch ist es eine lohnende Lektüre, denn der Autor bringt viele Fakten und Aspekte zur UNRWA zusammen. Ein umfangreiches Quellenverzeichnis lädt den Leser zudem dazu ein, selbst in die Recherchearbeit einzusteigen.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt das Lektorat. Das hätte an manchen Stellen gründlicher sein dürfen. Dem Inhalt indes tut das keinen Abbruch.
Jean Pierre Muller: „Zwischen Humanität und politischer Agenda“, BoD – Books on Demand, 281 Seiten, 17,45 Euro, ISBN: 978-3-8192-2945-9
2 Kommentare
Schrieb es schon einmal, alles was mit UN anfängt überprüfen. UNRWA abschaffen.
Es gibt bei UNO einen weltweiten „Flüchtlingsverein“. Pals brauchen keinen eigenen, wenn Abbas die mittlerweile Milliarden an Hilfsgeldern verteilt hätte, gerecht verteilt. Ebenso zahlten Katar und EU für Gaza. Wie geschrieben UN …geht garnicht mehr.
Ohne Text: Da wir in Israel sind, Frage, was hat sich Hallervorden bei CDU Ost Auftritt gegen Israel geleistet? Danke@ alle. Shalom
Ich setze mich zwar auch für eine friedliche Lösung.
Aber das palästinensische „Rückkehrrecht“ impliziert jedoch, dass diese Flüchtlinge (es handelt sich übrigens um mehr als 5 Millionen Menschen) das Recht hätten, in Gebiete innerhalb der Grenzen vor das Jahr 1967 zurückzukehren; in einem solchen Szenario würde Israel demografisch als jüdischer Nationalstaat aufhören zu existieren – ein Konzept, das absolut nichts mit einer friedlichen Lösung oder einer Zwei-Staaten-Lösung zu tun hat.
Keine israelische Partei – ob links oder rechts – würde dieser Bedingung zustimmen. Und ich auch nicht.