Ein Botschafter, der passt

Der neue israelische Botschafter in Berlin hat preußische Wurzeln, spricht fließend Deutsch und machte in der Bonner Republik einst erste Schritte auf dem diplomatischen Parkett. Er ist ein erfahrener Diplomat, aber keiner, der nur eingefahrene Wege beschreitet.
Von Sandro Serafin

Foto: Israeli Mission to the UN

Einst bei den Vereinten Nationen in New York, jetzt wieder in Deutschland: neuer Botschafter Prosor

Für Diplomaten gehört die Ämterrotation zur Jobbeschreibung: Sie werden von einer Hauptstadt in die nächste geschickt und halten sich dazwischen im heimischen Außenministerium auf. Wenn sie dann mal wieder einem neuen Land zugewiesen werden, bedeutet das nicht automatisch, dass sie sich mit diesem besonders gut auskennen würden. Selbst an sprachlichen Kenntnissen fehlt es bisweilen.

Umso bemerkenswerter ist die Ernennung Ron Prosors zum neuen israelischen Botschafter in Deutschland, denn sie passt gleich in mehrerlei Hinsicht: Prosor ist ein Spitzendiplomat mit viel Erfahrung, er hat aber auch familiäre Wurzeln in Deutschland, hat hier schon früher diplomatisch gewirkt und spricht fließend Deutsch.

Wohl auch deshalb war er bereits vor vielen Jahren als Botschafter für Berlin gehandelt worden. Für ihn schließe sich nun persönlich ein Kreis, sagte Prosor Anfang August sichtlich erfreut, als er in Berlin landete, um seine Arbeit aufzunehmen: „Die deutsch-israelischen Beziehungen liegen mir sehr, sehr nah am Herzen.“

Großvater diente in Reichswehr

Die Familie Prosor hieß einmal Proskauer, stämmig aus dem früher ostdeutschen, heute polnischen Breslau. Der Großvater des heutigen Botschafters war Offizier in der Reichswehr. Dann rollte die braune Flut über Deutschland hinweg, die Familie verließ das Land und ging nach Palästina.

Für den Großvater, ein deutscher Patriot, kein Zionist, soll das ein schwerer Schritt gewesen sein: Den deutschen Pass behielt er und ebenso die deutsche Sprache, wie bereits 1994 im „Spiegel“ in einem Artikel über deutsche Juden in Israel zu lesen war. Selbst von den deutschen Verbrechen wollte der Großvater lange nichts wissen. Sohn Uri, noch in Deutschland zur Welt gekommen und Vater des heutigen Botschafters, ging in die israelische Armee und wurde Diplomat, unter anderem in Bonn.

Karrierestart in Bonn

Ron, 1958 in Kfar Saba bei Tel Aviv geboren, tat es dem Vater in beruflicher Hinsicht gleich. Bei der Armee wurde er Offizier. Ein Studium der Politikwissenschaften schloss er an der Hebräischen Universität Jerusalem mit Auszeichnung ab und bekam 1988 seine erste Aufgabe im diplomatischen Dienst – ausgerechnet in Bonn, wo Prosor einst einen Schulabschluss gemacht hatte, als der Vater dort arbeitete.

In Bonn verfolgte er den Fall des Eisernen Vorhangs, machte danach „die ersten Schritte eines offiziellen israelischen Vertreters über die Berliner Mauer“, wie er selbst sagt. Seitdem sind bei dem Vater dreier Kinder, der den Beruf als sein größtes Hobby bezeichnet, unzählige weitere Erfahrungen zusammengekommen: 1997 erlebte er als Pressesprecher der Londoner Botschaft den nationalen Schock durch den Unfalltod Prinzessin Dianas mit. 2001 war er an der Botschaft in Washington tätig, als Flugzeuge ins World Trade Center krachten.

Zwischen 2004 und 2007 diente er als Generaldirektor des Außenministeriums in Jerusalem. Auch mit den schwierigen Beziehungen zu den Palästinensern hat er sich befasst, war an Ehud Baraks Camp-David-Verhandlungen mit Jasser Arafat beteiligt, kurz bevor dieser die „Zweite Intifada“ lostrat.

„Auf der Stelle zurückschlagen“

Nachdem Prosor zwischen 2007 und 2011 als Chefdiplomat in London gedient hatte, übernahm er bis 2015 den Posten des israelischen Botschafters bei den Vereinten Nationen, angesichts der israelfeindlichen Umgebung dort ein besonders forderndes Amt. Sein Team wies er an, Angriffen stets offensiv zu begegnen: „Ich verlangte, dass jeder auf der Stelle reagiert und zurückschlägt“, erzählte er im vergangenen Jahr dem israelischen Verteilblatt „Israel Hajom“.

Prosor selbst verschaffte seinem Land immer wieder auch „auf undiplomatische Weise“ Aufmerksamkeit. Das ist auch der Titel seines 2021 auf Hebräisch veröffentlichten Buches. So spielte er 2014 vor dem UN-Sicherheitsrat den Ton des israelischen Raketenalarms ab. 2015 stimmte er kurz John Lennons Lied „Imagine“ an.

„Ein guter Botschafter ist ein Botschafter, der die Initiative ergreift und über den Tellerrand hinausdenkt“, sagt Prosor, der zuletzt als Leiter des Abba-Eban-Instituts für Internationale Diplomatie in Herzlia auch ein Seminar zu „innovativer Diplomatie“ anbot. Seine besondere Art der Diplomatie kam offenbar auch in Israel so gut an, dass er 2019 von verschiedenen Parteien vergebens für einen Einstieg in die Politik umworben wurde.

Rege Kommunikation

Prosors Amtsvorgänger Jeremy Issacharoff hatte seinem Nachfolger im Mai im Interview der israelischen Onlinezeitung „Times of Israel“ noch mit auf den Weg gegeben, dass man vieles auch „auf leisem Wege“ hinbekomme – vieles vielleicht, aber eben nicht alles: Prosor bezeichnete Israels Botschaften in der Welt einmal als „Frontposten“ im „politischen Krieg“, der gegen sein Land geführt werde „wie gegen kein anderes Land“.

Und so nimmt er bereits jetzt auf dem Kurznachrichtendienst Twitter kein Blatt vor den Mund: Als die linke „tageszeitung“ (taz) kürzlich mit Blick auf die israelische Militäroperation in Gaza behauptete, diese stehe im Zusammenhang mit dem Wahlkampf in Israel, schlug Prosor umgehend zurück: „Ihr habt keine Ahnung, was es bedeutet, Dschihadisten als Nachbarn zu haben.“

Auf kritische Worte wird sich wohl auch die deutsche Politik einstellen müssen, auch wenn der Botschafter diese dann vermutlich etwas zurückhaltender formulieren wird. Als Prosor im September für „Israel Hajom“ den Abgang von Angela Merkel kommentierte, schwärmte er zwar von deren Israel-Politik, sprach aber auch kritische Aspekte an. So stelle Deutschlands Haltung gegenüber dem Iran „eine direkte Bedrohung für Israels Sicherheit dar“.

Issacharoff hatte zuletzt spekuliert, dass der Ukraine-Krieg hierzulande zu einem tieferen Verständnis für Israels Sicherheitsbedürfnisse führen könne. Dies zu befördern, wird nun zu Prosors zentralen Aufgaben gehören. 

Israelnetz Magazin

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3 Antworten

  1. Ein guter Mann auf diesem Posten in Berlin und vor allen Dingen kein Leisetreter.

    Man kann nicht oft genug wiederholen, das Israel ein Existenzrecht in seinen Land hat sowie das Recht und die Pflicht seine Bewohner gegen Terroristen zu schützen.
    So wie man immer wieder darauf hinweisen muss, dass die intersektionale Ansicht über die moralische Erhöhung der palästinensischen Terrorangriffe gegen Israel nichts anderes sind als Mythen und Lügen , verbreitet von Antisemiten.
    Man muss auch immer wieder daran erinnern, warum es zu dieser Pattsituation gekommen ist.
    Die Arabische Liga hat die Staatsgründung Israels nicht akzeptiert und Israel kurz drauf angegriffen um diesen Staat gleich wieder zu vernichten.
    Und sie haben es wieder versucht und wieder versucht und immer wieder die Kriege verloren. Deshalb gibt es auch bis heute keinen weiteren arab. Staat dort. Er war nie vorgesehen. Der Staat für die Araber war Jordanien oder Großsyrien… es darf nur kein jüdischer Staat sein.

    Ich wünsche Herrn Prosor viel Erfolg in Berlin, Geduld und Freude an seiner Arbeit.

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  2. Shalom Israel! Volk und Land Israel sind zusammen mit Christen als “Licht für die Welt” von dem HEILIGEN ISRAELS – JAHWE – Gott, erwählt und ausgesandt! Dass “wir” uns dabei im Laufe der Geschichte nicht besondere Verdienste erworben haben, sollte uns zu denken geben und zur Umkehr bewegen! Durch SEINEN Messias und Christus Jeschua haben wir die Erlösung von Sünde und Tod und dürfen im Vertrauen zu IHM in die ewige Herrlichkeit Gottes eingehen nach der Zeit hier auf Erden! Halleluja dem EWIGEN dafür!!!

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