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Dreistufiger Plan für Waffenstillstand vorgestellt

US-Präsident Biden drängt die Hamas, einen israelischen Vorschlag für einen Waffenstillstand zuzustimmen. In Israel ist der Plan indes umstritten und sorgt für Ärger in der Koalition. Die Koalitionspartner drohen mit dem Ende der Regierung.
Von Israelnetz
Mein Herz ist gefangen in Gaza Geiseln Flughafen Ben Gurion

WASHINGTON / JERUSALEM (inn) – Erneut sind am Samstagabend und Sonntag zehntausende Israelis in den Städten Israels auf die Straßen gegangen, um Druck auf die Regierung auszuüben. Israelische Medien berichten von den größten Protesten seit dem 7. Oktober.

Am Freitag hatte US-Präsident Joe Biden (Demokraten) einen dreistufigen Plan bekannt gegeben, den Israel der Hamas vorgeschlagen hatte. Demzufolge wird sich Israel in der ersten Phase innerhalb von sechs Wochen aus dicht besiedelten Gebieten im Gazastreifen zurückziehen. Im Gegenzug lässt die Terror-Organisation Hamas Frauen, hochbetagte, kranke und verletzte Geiseln frei, darunter auch amerikanische Staatsbürger.

Israel wiederum entlässt Hunderte von palästinensischen Sicherheitsgefangenen aus der Haft. Weiterhin sollen täglich 600 Lastkraftwagen mit humanitärer Hilfe in den Gazastreifen gelangen.

Vorübergehende Feuerpause führt zu Ende des Krieges

In der zweiten Phase werden alle lebenden Geiseln freigelassen, darunter auch Soldaten. Die israelische Armee zieht sich komplett aus dem Gazastreifen zurück, Israel erhält dann auch die Leichen, die sich noch im Gazastreifen befinden. „Wenn die Hamas ihren Verpflichtungen nachkommt, wird der vorübergehende Waffenstillstand zu einer dauerhaften Einstellung der Feindseligkeiten führen“, sagte Biden.

Die dritte Phase umfasst den Wiederaufbau Gazas, für den mehrere Jahrzehnte veranschlagt sind. Wer die politische Führung im Gazastreifen nach dem Krieg übernimmt, ist in dem Plan nicht festgelegt.

Trotzdem appellierte Biden an die Hamas, dem Plan zuzustimmen: „Die Hamas behauptet, dass sie eine Feuerpause will. Der neue Plan bietet die Möglichkeit zu zeigen, ob sie das tatsächlich ernst meint. Hamas muss diesem Vorschlag zustimmen, um den Krieg zu beenden, den sie begonnen hat.“ Biden gestand jedoch zu, dass viele Einzelheiten des Plans noch ungeklärt seien.

Spielt die Hamas auf Zeit?

Kritiker befürchten, dass die Hamas bei Zustimmung zum Vorschlag nur auf Zeit spielen möchte. Durch die Feuerpause könne sie sich neu aufstellen. Laut einem Bericht der US-Geheimdienste von Ende Mai sind bisher erst 30 bis 35 Prozent der bewaffneten Hamas-Anhänger getötet worden und 65 Prozent aller Hamas-Tunnel nach wie vor intakt.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu (Likud) machte indes deutlich, dass sich die Bedingungen für ein Ende des Krieges nicht geändert hätten: Die Auslöschung der Hamas und die Freilassung aller Geiseln. Außerdem würde Israel die Kämpfe jederzeit wieder aufnehmen, sollte die Hamas gegen die Bedingungen der Vereinbarung verstoßen, etwa, indem sie weniger Geiseln als verabredet freilässt.

Reaktionen in Israel fallen unterschiedlich aus

Mit dem neuerlichen Vorschlag steht die Regierung allerdings erneut vor einer Zerreißprobe: Netanjahus Koalitionspartner Itamar Ben-Gvir (Jüdische Stärke) und Bezalel Smotritsch (Religiöser Zionismus) haben den Ausstieg aus der Koalition angedroht, sollte das Abkommen in Kraft treten.

Hingegen haben sich Oppositionsführer Benny Gantz (Staatslager) und Jair Lapid (Jesch Atid) für den Vorschlag ausgesprochen. Lapid teilte mit: „Ein Vorschlag liegt auf dem Tisch und er muss umgesetzt werden. Ich möchte Netanjahu daran erinnern, dass wir den Geiseldeal unterstützen und einspringen, wenn Ben-Gvir und Smotritsch die Regierung verlassen sollten.“

Auch Israels Präsident Jizchak Herzog unterstützte den Vorschlag: Er dankte Biden für dessen Rede und sagte, dass Netanjahu seine volle Unterstützung für den Deal habe: „Wir dürfen nicht vergessen, dass es in der jüdischen Tradition kein größeres Gebot gibt, als Geiseln zu befreien – vor allem wenn es um israelische Bürger geht, die der Staat Israel nicht verteidigen konnte.“

Familien der Geiseln uneinig

Das Forum für die Familien von Geiseln und Vermissten forderte am Samstag die sofortige Rückführung aller Geiseln, um sie rehabilitieren oder beerdigen zu können. Die Gelegenheit, die sich nun für ihre Rückkehr biete, dürfe nicht verstreichen. „Die Familien der Geiseln bitten das Kriegskabinett, die Regierung und die Knesset inständig, den Deal Netanjahus sofort zu akzeptieren. Bitte verpasst nicht den Moment!“

Trotzdem gibt es auch andere Stimmen. So sprach sich etwa Nadav Miran, Bruder des 46-jährigen Omri, der seit Oktober in Gaza gefangen gehalten wird, gegenüber israelischen Medien explizit gegen den Deal aus. Israel dürfe dem Vorschlag auf keinen Fall zustimmen, denn das käme einer Belohnung für die Hamas gleich. „Dieser Deal ist schlecht für Israel. Und er ist schlecht für die Geiseln. Wir müssen die Hamas weiter angreifen und einen Deal abschließen, demzufolge alle Geiseln sobald wie möglich freigelassen werden.“ (mh)

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19 Antworten

  1. Es ist eine schwere Zeit, und für Israel ist es eine schwere Entscheidung.
    Diese Entscheidung möchte ich nicht fällen. Aber solange die HAMAS diesem Deal nicht zustimmt, ist das sowieso kein Thema.
    Die Lage bleibt schwierig, bitter ist auch die Situation in deutschen Städten, die Israel-feindlichen Demos dürfen nicht akzeptiert werden.

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  2. Ich zweifle, dass Bidens drei Phasen Plan so funktionieren wird. Denn Sinwar, der Anführer der Hamas, hat erst kürzlich gesagt, dass er dem Abkommen nur zustimmen würde, wenn die wirtschaftliche und militärische Macht der Hamas in Gaza erhalten bleibt. Und derweil ruft Komenei aus Teheran dazu auf, dass alle muslimischen Länder gemeinsam gegen Israel kämpfen sollten. Trifft sich mit den Anführern der Hamas und Hisbollah um den Widerstand zu mobilisieren, der letztlich Israel am liebsten von der Landkarte auslöschen will.
    Biden befindet sich zudem im Wahlkampf und hat Sorge die Wähler zu verlieren, die pro palästinensich sind: Linksextreme, Muslime und Afroamerikaner.
    Israel ist auf die amerikanische Unterstützung angewiesen. Aber es gibt keine Sicherheit für Israel, solange der islamistische Terror nicht besiegt ist und alle Geiseln frei gelassen werden, sofern sie noch leben.
    Da bleibt nur die Hoffnung, auf ein Licht in dieser dunklen Zeit.

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    1. „Israel ist auf die amerikanische Unterstützung angewiesen.“ – das ist ein Trugschluss und wird Israel weiter in die Tiefe ziehen – verlasst euch nicht auf Menschen. Das Lied des Mose – ich bin euer Fels – der Fels auf den ihr euch verlasst, kann euch nicht helfen – „Kommts nicht daher, dass ihr Fels sie verkauft hat und der Herr sie dahingegeben hat“ (5.Mose 32,30). – „Wo sind ihre Götter, ihr Fels, auf den sie trauten“ (V 37). Je größer die Not noch werden wird – umso eher werden sie erkennen, dass nur Jahwe ihnen helfen kann.
      Lieber Gruß Martin

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    2. Biden geht es einzig und allein um den Wahlkampf. Er hat nichts vorzuweisen in Nahost. Trump schon.

      Heute kommt in den Medien, dass Biden eine Rückendeckung von der UN für seinen Friedenplan wolle. Ein Plan, von der er sagt, Israel hätte zugestimmt und Israel sagt, er ist unvollständig, denn er beinhaltet nicht unsere Bedingen. Was will Biden? Ohne Rücksicht auf jüdischen Leben seinen Wahlhintern retten? Dass die Resolution durchkäme, da besteht ja kein Zweifel. Denn bislang hat die UN das arme Opfer Hamas im Blick und das ändert sich auch nicht.

      Ich wünsche Netanjahu die Stärke, die er braucht, um dies durchzuhalten. Die Gebetsanliegen aus Israel, die von den geistlichen Führern kommen und in alle Welt gehen, sagen ganz klar: „Stärke Netanjahu, damit er seine mutige und biblische Haltung gegenüber allen innerhalb und außerhalb Israels beibehält, die darauf bestehen, dass Israel sich dem islamischen Terrorismus und der Einschüchterung unterwirft.“
      Und bislang macht Netanjahu es gut. Man mag viel und auch mit Berechtigung gegen ihn vorbringen können, aber das hier, das macht er gut. In dem Zusammenhang ist es gut, mal wieder Nehemia zu lesen. Seine Leiterschaft ist beispiellos. Auch und gerade in der heutigen Zeit.

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  3. Hamas spielt auf Zeit zum Aufrüsten. Der Mullah im Iran prophezeite IL bereits das Ende.
    Also noch mehr Waffen zur Hisbollah und Revolutionsgarden. UNO/ EU schweigen dazu.
    Denen wird Israel lästig.

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  4. Ausgerechnet Lapid will einspringen? Der war noch nicht mal fähig dem Kriegskabinett beizutreten. Der hat nur ein Interesse: Ministerpräsident werden.

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  5. Ehrlich gesagt, es ist doch eine Sache die Geiseln zu befreien und eine andere die Hamas erheblich zu demütigen und damit alle fanatischen Muslime. Ich bin mit gefühlten 50 Jahren PLO groß geworden, die heißt jetzt Hamas. Ich glaube nicht, dass es gelingt sie auszulöschen oder die Idee dahinter. Israel hat in der Vergangenheit aber bessere Zeiten kreiert für sich selbst und auch für gemäßigte Muslime. Was ich nicht verstehe ist, warum die Regierung von Israel meint man darf nicht lügen, um seine Geiseln frei zu bekommen. Ich würde alle aus den Gefängnissen frei lassen und sogar einen Waffenstillstand versprechen, sogar dann wenn ich nicht daran glaube. In dem Moment, wo die Religionsfanatiker wieder Israel angreifen legitimiert es doch ein militärisches Eingreifen der IDF? Dass die Hamas das Versprechen haben will, dass sie weiter regiert zeigt nur, wie schwach sie ist. Das ist das größte Problem. Warum sollte Israel dabei zustimmen? Ich finde aber sogar da ist eine Lüge erlaubt. Es gibt die so genannte Notlüge?! Ich persönlich glaube, dass diese Irren erst Recht zuschlagen, wenn Israel alles verspricht. Ich finde aber der Zweck die Geiseln zu befreien heiligt die Mittel. Wenn danach die Irren wieder zuschlagen, sie haben noch keinen einzigen Krieg gegen Israel gewonnen?! Möge ein gerechter und stabiler Frieden das Heilige Land wieder erblühen lassen! AM ISRAEL CHAI *SHALOM

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  6. @ Albert Nola Israel könnte eine Belohnung zur Ergreifung von Sinwar ausgeben. Für 200.000 Dollar wird sich schon jemand lassen, der verrät wo sich diese Ratte versteckt hält.

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    1. @Monika W.
      400.000 Dollar wäre angemessener. Der Verräter, für uns ein Held, hat möglicherweise eine Großfamilie zu ernähren.

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  7. Dieser Plan ist Unsinn. Es gibt nur 1 gute Lösung. Die Hamas vernichten, damit wirklich Ruhe ist. Ansonsten gehen die Überfälle und Raketenangriffe aus dem Gazastreifen weiter.

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  8. Hamas wird niemals kapitulieren….. Israel muss den Deal akzeptieren und alle Geiseln heimbringen… danach kann man ja weiterhin gegen die Hamas vorgehen ohne die Zivilbevölkerung zu masakrieren…mal ehrlich..was kann die Hamas noch bewirken ?..so einen Angriff wie am 07.10 wird es sowieso nie mehr geben und die paar Raketen ( made in Garage ) haben eh nie schaden angerichtet.. außerdem fängt der Iron Dome alle ab…für die Zukunft : Israel muss natürlich entscheiden ob es langfristig Frieden herscht..das wird nur funktionieren mit abzug aus besetzten Gebieten ( ich weiß das dieser Gedanke für viele israelis furchtbar sein muss ) aber was ist besser ? Kleineres land und Frieden oder mehr land mit ewigen Konflikten…

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    1. Möchten Sie sich zur Hamas-Charta äußern? Es geht nicht um ein kleines Land. Das ist Israel bereits. Es geht darum, dass es nach Meinung von Islamisten gar nicht existieren darf. Judenrein – Endlösungswunsch der Hamas. Wie kommen Sie auf das schmale Brett, das keine weiteren 7.10 mehr geben wird? Und der Iran wird gar nicht begeistert sein, dass sie keine Raketen so abwerten.

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    2. @ A.Budak
      1. Das ist zu kurz gegriffen. Den Deal akzeptieren heißt nicht, alle Geiseln lebend heimzubringen. Ich frage wiederholt, was ist das für ein Deal, für 30 unschuldige Geiseln 1000 Mörder und Terroristen rauszugeben. Wieso wünschen Sie, dass Isreal den Deal eingehen soll. Wird die Hamas ihn eingehen? Ich glaube nicht.
      2. Das Iron Dome alle Geschosse anfängt, stimmt nicht. Gestern gingen 40 Raketen von den Helfern der Hamas, der Hisbollah auf Nordisrael nieder. Sie konnten NICHT alle abgefangen werden. Jede Rakete auf Israel ist eine zu viel.
      3. Wieso gibt es den 7.10.nicht wieder? Hamas hat eine Wiederholung vorausgesagt. Es sind erst 1/3 des 480 km langen Tunnelsystems zerstört. Manche Tunnel sind über mehrere Stockwerke angelegt. Zu glauben, dass Hamas nichts mehr bewirken kann, ist falsch.
      Zuletzt: Israel ist ein kleines Land mit ewigen Konflikten. Frieden sehe ich hier noch lange nicht.

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    3. A Budak sie irren, bei Rückzug entsteht Afghanistan 2. Ausserdem massakriert Israel nicht die Zivielbevölkerung. Wenn die Hammas überlebt, wird sie sehr wohl was machen können, denn der Iran,Katar und auch wir mit humanitärer Hilfe werden die Hammas in kürzester Zeit wieder aufrüsten und das Personal steht ja schon bereit die Reihen der Verluste dank UNRWA Ausbildung mehr als auszugleichen. Das Ziel, Israel auszuradieren wird nie aufgegeben, von Friedenswillen keine Spur.

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    4. Es gibt aber auch Menschen, die glauben dass die Hamas die Geiseln überhaupt nicht zurückgeben will. Die Geiseln sind der größte Psychoterror, die die Feinde Israels sich ausdenken konnten. Ich erinnere an das Münchner Attentat, dort wurden ALLE israelischen Sportler ermordet. Jetzt mit einer Akzeptanz der Hamas zu kommen und der zwei-Staaten-Lösung ist zynisch. Es ignoriert die Geschichte in der Israel zu 90 % angegriffen wurde und es hat stets gesiegt, WEIL es um die Existenz ging und nicht um bla bla bla. Auch wenn ich vieles von der Kriegsführung Israels nicht verstehe und wohl auch nicht weiß (so etwas ist auch geheim) in dem Maß wie die muslimischen Hasser weiter quälen, entzündet sich dieser Krieg. Es soll niemand weinen, die Gaza Araber haben angefangen mit Hilfe der Islamisten aus der ganzen Welt. Wenn ich für Frieden im Heiligen Land bete, so bete ich ganz sicher für ein erlöstes und sicheres Israel, erst dann blüht es wieder auf! *AM ISRAEL CHAI*SHALOM

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  9. Blöd, die Hamas zu etwas zu drängen. Warum kommt er nicht mit seinem Flugzeugträger etwas dichter und macht sie platt. Das wäre ruhm und aller Ehre wert. Das andere kassiert bald der Russe für sich und zeigt, was Terror in der Welt bedeuten.
    Wer nicht hört, muss fühlen. Nicht nur die Hamas gehört besiegt, sondern auch Russland, um der Lage Herr zu werden. Biden gibt diese Verantwortung ab. Leider übernimmt die Achse des Bösen, wenn sie nicht besiegt wird. Ich kann da nur sagen: Ich wünsche euch auch noch viel Glück! Aber die Folgen Eurer schmeichelhaften Leichtsinnigkeit müsst ihr selber tragen!

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  10. Biden sollte Netanjahu zustimmen, die Hamas mit Stumpf und Stil auszurotten. Alles andere nennt man Verrat und Menschenverachtung. Komisch, dass dieser Mensch nicht soweit denken will. Scheint wohl von allen guten Geistern verlassen. Naja, vielleicht kann er ja noch die Mauer nach Mexiko fester hochziehen. Befriedet sicherlich den Kontinent ungemein. Wobei ich mir gar nicht vorstellen will, dass diese Migranten alle Terroristen sind. Die Hamas schon und die Hisbollah auch und das Mullah Regime auch und die Russen führen das ganze an und bekommen Unterstützung aus China und Nordkorea. Wollte hier solange zaudern, bis diese sich alle aufmachen und das Ruder in die Hand nehmen! Dann ist zu spät zu tun, was jetzt nicht getan!

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