Die meisten Israelis sehen Deutschland als größten Freund in Europa

Deutschland genießt einen guten Ruf bei den Israelis. Das Ansehen der Europäischen Union nimmt laut einer Umfrage hingegen Schaden. Die Teilnehmer äußerten sich auch zur AfD.
Von Israelnetz
Menschen auf dem Mahane Jehuda Markt in Jerusalem

JERUSALEM (inn) – Das Verhältnis zwischen Israel und europäischen Staaten sowie der Europäischen Union ist schon länger angespannt. Die politischen Zustände wirken sich auch auf die jeweiligen Wahrnehmungen der Bevölkerung aus, wie eine am Montag veröffentlichte Umfrage der Hebräischen Universität Jerusalem zeigt.

Die meisten Israelis sehen Deutschland als größten Freund in Europa. Rund 43 Prozent machten diese Angabe. In der arabischen Gemeinschaft lag der Wert mit 47 Prozent höher als in der jüdischen Gemeinschaft mit 41 Prozent.

Die Experten der Hebräischen Universität haben für die Umfrage im zurückliegenden Sommer die Meinung von jeweils tausend Menschen in Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Polen und Israel online eingeholt. Bei der Frage nach den größten Israelfreunden standen neun Länder zur Auswahl. Ungarn folgte auf Deutschland mit 37 Prozent, Norwegen und Spanien waren mit 6 und 4 Prozent Schlusslicht.

Spanien und Frankreich gelten bei den – mit Abstand – meisten Israelis als antisemitische Länder. Jeweils 54 Prozent machten diese Angabe. Nur 4 Prozent sagten dies über Ungarn, 10 Prozent über Deutschland.

AfD gilt weiter als gefährlich

In dem Aufstieg der AfD in Deutschland sieht die Mehrheit in Israel (47 Prozent) weiterhin eine gefährliche Entwicklung. Vor zwei Jahren lag der Anteil allerdings noch bei 55 Prozent. 15 Prozent sehen derzeit in der AfD keine Gefahr, vor zwei Jahren waren es 7 Prozent.

Etwa 37 Prozent der Deutschen stimmten der Aussage zu, die sichere Existenz Israels liege im deutschen Interesse; gefragt wurde hierbei nicht nach der Staatsräson, sondern nach nationalem Interesse. Vor zwei Jahren waren dies noch 45 Prozent. Der Aussage widersprachen 22 Prozent, 2024 waren es 18 Prozent. Rund 42 Prozent äußerten sich weder zustimmend noch ablehnend.

Veränderte Sicht auf Landescharakter

Einen großen Unterschied zwischen Israelis und Europäern stellten die Experten bei der Frage fest, wo es für Juden am sichersten ist. 71 Prozent der Israelis sagten, dies sei im jüdischen Staat der Fall. Doch nur zwischen 24 (Großbritannien) und 35 (Polen) Prozent der Europäer sehen Israel als sichersten Ort für Juden.

Immer mehr Israelis sehen ihr Land zudem als eher nahöstliches. Das gilt für 42 Prozent der Befragten, 2022 waren es noch 31. In Europa liegt dieser Wert deutlich höher, von 48 Prozent (Deutschland) bis 70 Prozent (Polen).

Zugleich nehmen mehr Israelis ihr Land als vergleichbar mit den USA wahr: 2022 waren es noch 21 Prozent, nun sind es 27 Prozent. Als Land von europäischem Gepräge sehen nur noch 18 Prozent den jüdischen Staat, 2022 waren es 26.

Sympathien im Wandel

Mit Blick auf die Europäische Union sagen nur noch 27 Prozent der Israelis, dass es sich hierbei um eine Erfolgsgeschichte handele. Im Jahr 2022 waren dies noch 57 Prozent. Im jüdischen Sektor sank der Prozentwert im selben Zeitraum von 57 auf 21, unter Arabern fiel das Ansehen der EU weniger dramatisch, von 57 auf 45.

Die meisten der Befragten in Europa gaben an, dass der Gazakrieg ihre Sicht auf Israel nicht verändert hat. Doch wenn er sich verändert hat, dann meist im pro-palästinensischen Sinn. Besonders hoch ist hier der Anteil in Polen: 30 Prozent gaben an, nun stärker pro-palästinensisch zu sein.

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Wenig Besuche und Begegnungen

Indes haben zwischen 88 und 92 Prozent der Befragten in Europa Israel noch nie besucht. In Deutschland, Großbritannien und Polen gaben etwa 66 Prozent an, dies auch nicht zu vorzuhaben, in Frankreich sind es 74 Prozent.

Umgekehrt waren 61 Prozent der Israelis noch nie in Deutschland. Ähnliche Werte gab es für Frankreich und Großbritannien. Rund 73 Prozent der Israelis gaben an, noch nie in Polen gewesen zu sein.

Die Besuchsrate korrespondiert mit Angaben zu persönlichen Begegnungen. Rund 58 Prozent der Polen sagten, noch nie einem Israeli oder Juden persönlich begegnet zu sein. In Frankreich liegt der Wert bei 43 Prozent, in Deutschland bei 42 Prozent, in Ostdeutschland allerdings bei 47 Prozent. In Großbritannien gaben 33 Prozent an, noch nie einem Israeli oder Juden begegnet zu sein. (df)

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Ein Kommentar

  1. …Ca. 90 Prozent der Befragten in Europa haben Israel noch nie besucht…
    und kennen keinen einzigen Juden persönlich. Trotzdem schreitet der Judenhass weiter fort.
    …Die meisten Israelis sehen Deutschland als größten Freund in Europa…
    Echt jetzt? Wo doch die Juden in Deutschland absolut nicht sicher sind.

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