Meinung

Der Hamas auf den Leim gegangen

Ein NDR-Podcast stellt eine „israelische Desinformationskampagne“ vor, die von Kriegsverbrechen ablenken solle. Damit gehen die Journalisten der Hamas auf den Leim. Ein Kommentar
Von Elisabeth Hausen

In einem am Dienstag veröffentlichten Podcast enthüllt der NDR eine Kampagne, bei der eine Kriegspartei im Nahen Osten durch gezielte Desinformation von eigenen Verbrechen ablenken wolle. Wer sich auskennt, dürfte bei dieser Einleitung als Erstes an die Hamas denken: Während ihres Massakers am 7. Oktober 2023 veröffentlichte sie in Echtzeit Live-Aufnahmen von den Gräueltaten. Später konnte sie Menschen davon überzeugen, dass sich diese nicht so ereignet hätten, wie allgemein berichtet wurde.

Doch um die Eröffnung des Medienkrieges durch die Terrorgruppe geht es den deutschen Journalisten nicht. Sie befassen sich vielmehr mit Israel und dessen angeblichem Bestreben, die internationale Öffentlichkeit über Kriegsverbrechen und gar einen möglichen Völkermord im Gazastreifen hinwegzutäuschen.

Hinweise entdeckt ARD-Korrespondent Jan-Christoph Kitzler unter anderem in Aussagen des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu. Dieser hatte bei einem Treffen mit Influencern in New York die Sozialen Medien als „achte Front“ bezeichnet und von einem Schlachtfeld gesprochen. Und Eylon Levi, der bis März 2024 israelischer Regierungssprecher war, zitiert der Journalist mit den Worten, Israel müsse einer koordinierten weltweiten Hassbewegung die Stirn bieten.

Unterschied zwischen israelischen und deutschen Kampagnen

Israel versuche, sein negatives Image durch Konzentration auf positive Bilder und Inhalte aufzupolieren, lautet ein Vorwurf. Um von Nahostkrieg und Besatzung abzulenken, stellten Kampagnen Tel Aviv in den Vordergrund, das von Toleranz und Hightech geprägt und „die beste Stadt für Homosexuelle“ sei. Hier zitiert Kitzler einen israelischen Experten für digitale Beeinflussung, Alex Segal.

Dass auch Deutschland positive Aspekte herausstellt, wenn es beispielsweise um Touristen wirbt, ist demnach etwas anderes. Der Korrespondent sieht einen Unterschied zwischen israelischer „Hasbara“ und anderen öffentlichen PR-Kampagnen. Denn Israel versuche, das Bild zu beeinflussen. Dabei gibt es Kampagnen gegen Isarel in den Sozialen Medien. Dies als Front zu bezeichnen, ist völlig legitim. Denn Hetzkampagnen beeinflussen letztlich auch die Politik, etwa bei der Frage von Waffenlieferungen an ein Land.

Restaurant-Bilder gegen Hungervorwurf

Der Journalist erinnert an den 2. März 2025, als Israel eine „Totalblockade des Gazastreifens angeordnet“ habe. Hilfsgüter, Medizin, Nahrungsmittel seien mehr als elf Wochen lang nicht in das Gebiet gelangt. Menschen hätten gehungert und seien verhungert. Als Quelle nennt Kitzler einen Bericht der „Integrated Food Security Phase Classification“ (IPC) vom 22. August. Demnach waren zu jener Zeit mehr als eine halbe Million Menschen im Norden des Gazastreifens einer Hungersnot der höchsten Stufe ausgesetzt.

Genau in dieser Zeit habe es eine regelrechte Kampagne gegen den Bericht gegeben. Ein Video habe etwa ein Hotdog-Restaurant in Gaza gezeigt, mit gut genährten Leuten, die für Pistazieneis in einer Schlange anstanden. Die Bilder, die Urlaubsstimmung verbreiteten, stammten wirklich aus dem Gazastreifen. Aber sie hätten nicht die Wirklichkeit von Hunderttausenden Menschen abgebildet, die Hunger litten. Falls sich das auf dieses private Video bezieht, wäre die Zuordnung zu einer offiziellen „Regierungskampagne“ irreführend.

Dass diese Bilder quasi von einer Zwei-Klassen-Gesellschaft zeugen, an der nicht Israel schuld war, fiel dem Journalisten nicht auf. Und beim Thema „gut genährt“ hätte er zudem an die widerlichen Propagandashows der Hamas erinnern können: Die Menschenmenge, die Ende Januar 2025 kurz davor war, die Geisel Arbel Jehud auf dem Weg zum Wagen des Roten Kreuzes noch zu lynchen, wirkte nicht dem Hungertod nahe. Das traf vielmehr auf die in jener Zeit freigelassenen Juden zu.

Zahl der Toten reicht nicht für Hungersnot

Hätte wirklich drei Monate lang im Norden des Gazastreifens eine Hungersnot geherrscht, dann wären 500.000 Palästinenser betroffen gewesen – und es hätte etwa 9.000 Tote gegeben. Die Hamas-Gesundheitsbehörde sprach hingegen von knapp 500 Toten. Dass ein Großteil von ihnen an Vorerkrankungen litt, verschwieg die Terrorgruppe.

Interessant ist in diesem Kontext folgende Beobachtung: Nach Beginn des Krieges beschrieben viele Aktivisten die Situation im Gazastreifen vor den Angriffen als „Paradies“. Dabei war bis zum 7. Oktober vielfach von einem „Freiluftgefängnis“ die Rede, zuweilen gar vom „größten Freiluftgefängnis der Welt“.

Die IPC indes hat mittlerweile ebenso wie die UNICEF festgestellt, dass es kaum Unterernährung im Gazastreifen gibt. Diese Entwicklung ist der ARD offenbar entgangen, oder sie galt als nicht relevant. Journalistisch redlich wäre es, eine solche aktuelle Information aufzunehmen und einzuordnen.

Kein Vertrauen gegenüber Israel

In dem etwa 30-minütigen Podcast erweckt weder Kitzler noch Moderatorin Elena Kuch den Eindruck, eine Richtigkeit israelischer Aussagen wenigstens in Betracht zu ziehen. Und wenn es, wie bei den Bildern vom Restaurant in Gaza, doch einmal geschieht, wird auch das gegen Israel verwendet.

Die Journalisten werfen dem jüdischen Staat vor, das Thema Antisemitismus als Instrument zu gebrauchen; als Mittel, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Der Korrespondent sieht einen „Versuch, dieses Antisemitismus-Thema mit Israel ganz eng zu verbinden und hochzuziehen“ und fragt: „Von welchem Israel reden wir?“ Das führt er näher aus: „von dem völkerrechtlich festgelegten Israel in den Grenzen von 1967?“ – oder auch von den Siedlungen in Ostjerusalem und dem Westjordanland? Er fragt weiter: „Ist Kritik daran erlaubt?“

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Erfolg der Hamas

Eins hat die Hamas auch in diesem Fall geschafft: Wenn das Massaker vom 7. Oktober nicht angezweifelt wird, so ist es doch als Auslöser des Krieges in Vergessenheit geraten. Nur einmal gegen Ende merkt Kitzler an: „Wobei man natürlich an der Seite Israels stehen will, vor allem nach dem furchtbaren Terror vom 7. Oktober.“ Dieser einzige Bezug auf den brutalen Angriff klingt aber nicht nach Mitleid, sondern eher nach Bedauern über den Zwang, Israel unterstützen zu müssen.

Zu den Zahlen der Toten im Gazastreifen sagt Kitzler: Die werden veröffentlicht vom „Gesundheitsministerium, was im Gazastreifen von der Hamas kontrolliert wird, im Westjordanland von der Palästinensischen Autonomiebehörde“. Die Zahlen übernähmen auch die Vereinten Nationen, internationale Hilfsorganisationen und die Amerikaner. Israel halte dem entgegen, es handele sich um Hamas-Propaganda. „Das ist eine gute Ablenkung, denn dann gibt es eine Debatte darüber.“

Hamas-Kampagnen sind das Problem

Dass nicht die angebliche israelische Kampagne zur Desinformation das Problem ist, sondern die medienwirksame Arbeit der Terrorgruppe, wird beim Hören dieses Podcast mehr als deutlich. Moderatorin und Korrespondent gehen der Hamas auf den Leim. Der Beitrag diffamiert Israel.

Einmal mehr haben Journalisten des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks eine Gelegenheit versäumt, Klartext über die Lage in Nahost zu sprechen – und herauszustellen, wer der eigentliche Übeltäter ist. Dabei kritisieren die Macher zwar die „unverhältnismäßigen“ israelischen Angriffe in Gaza. Aber eine Antwort auf die entscheidende Frage, was eine angemessene Reaktion wäre auf den Mord an etwa 1.200 Menschen, weil sie jüdisch waren oder sich in der Nähe von Juden aufhielten, bleiben sie schuldig.

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5 Kommentare

  1. Diese deutsche Journalisten (ARD-NDR-ZDF) werfen dem jüdischen Staat vor, das Thema Antisemitismus als Instrument zu gebrauchen. Wir werfen ihnen vor, die öffentliche Meinung gegen Israel zu bedienen.

  2. Dass Israel – endlich – massiv gegen die Hamas/Djihad/PLO-Propaganda angeht, ist völlig berechtigt. Journalisten, die auf diese Terroristen-Lügen hereingefallen sind, wollen das natürlich nicht wahrhaben. Das gilt übrigens auch für die französischen Medien, Ein Land, eine Stadt will sich von seiner besten Seite zeigen, das ist doch völlig normal, wie Frau Hausen zu Recht betont. Die Pariser Tourismusindustrie bringt es zum Beispiel fertig, die nach 12 Jahren Hidalgo-Wirtschaft, verunstaltete, verdreckte und gefährliche Stadt als „Lichterstadt“ zu verkaufen. Tel Aviv kann in der Tat stolz sein auf seine Weltoffenheit und Toleranz. Wo neben streng blickenden Chassidim händchenhaltende homosexuelle Paare spazieren gehen, wo niemand gesteinigt oder von Hochhäusern gestürzt wird…Und ja, liebe NDR-Schreiberlinge (das Wort Journalisten passt hier wirklich nicht), die einseitige Fokalisierung auf Israel hat sehr wohl etwas mit Antisemitismus zu tun. Sonst würdet ihr auch mal über (echte) Hungersnot und Völkermord berichten, zum Beispiel im Sudan, in Mali, in Nigeria, im Yemen, über die katastrophale Lage der Frauen und Kinder in Afghanistan, über den verzweifelten Kampf der mutigen Frauen und Männer im Iran gegen das Regime der Mullahs… Aber dafür kann man natürlich Israel nicht verantwortlich machen, also uninteressant. Nix mit Antisemitismus zu tun ? Verlogenes Pack. Danke Frau Hausen für diesen Artikel.

  3. Danke Frau Hausen für die klaren Worte. Da fahren jetzt wieder alle pro Palis drauf ab. Hätte Herr Kitzler doch bei seinen Ausführungen mal bedacht, dass „wenn überhaupt“ nur Zivilisten unter Hunger litten. Die Hamasleute waren wohlgenährt und hatten jede Menge Vorrat in den Tunneln. Aussage der Geisel Eli Sharabi in seinem Buch: „Hamasterroristen aßen vor unseren Augen wie Könige und ließen uns hungern.“ Dass Hamas mit Medien die ganze Welt an ihren Taten teilnehmen ließ und mit ihren Zahlendrehern über Todesfälle die Welt zu Tränen rührte, auch wenn sie nicht stimmen, lässt er ebenfalls aus. Er spricht vom System Israels, das System der Hamas, das eigene Volk als Schutzschild zu nehmen, benennt er nicht. Die „supervielen Belege für die Hungersnot Gazas, die Frau Kuch anspricht werden nicht vorgelegt. Nethanjahu hat völlig Recht, wenn er von der „8. Front“ als medialem Schlachtfeld redet. Natürlich muss Israel mit Social Media zurückschlagen, einer Waffe, die beide Seiten erreicht, die Befürworter und Kritiker, die Palästinenser tun das auch. Denn nichts zu essen, aber ein Handy hat jeder. Über Genozid und die Todeszahlen sag ich jetzt mal lieber nicht. Ich würde sagen, Israel der Desinformation zu bezichtigen hinkt hier auf einem Bein. Aber hey, es ist sehr schwer bis unmöglich, eingefleischte Israelhasser zu überzeugen, es ist sehr leicht, sich Falschinformation anzueignen und die dann als „Hasbara“ weiterzugeben.

    1. @Ella
      Meine Güte, Sie arbeiten Ihren Frust vieler Monate hier richtig ab:
      „Da fahren jetzt wieder alle pro Palis drauf ab – oder:
      „eingefleischte Israelhasser“
      Echt, ich wiederhole: meine Vorstellung von Christen ist tatsächlich eine völlig andere. Mit Ihnen möchte ich nicht in einen Topf geworfen werden.

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