Besucherzentrum auf Ölberg in Aussicht gestellt

Ein Besucherzentrum soll auf dem Ölberg gebaut werden. Die Initiatoren haben genaue Vorstellungen und Unterstützung aus der Politik. Vorangetrieben wird das Projekt von orthodoxen Juden aus den USA.
Von Israelnetz
Das geplante Besucherzentrum soll auch eine Synagoge, Souvenirläden, einen Aussichtspunkt und eine Polizeiwache umfassen

JERUSALEM (inn) – Auf dem Ölberg (hebräisch: Har HaSeitim) östlich des Tempelbergs in Jerusalem soll ein Besuchs- und Informationszentrum entstehen. Vertreter des sogenannten „Internationalen Komitees für die Verteidigung des Har HaSeitim“, der Bürgermeister der israelischen Hauptstadt, Mosche Leon, sowie Jerusalem-Minister Se’ev Elkin unterzeichneten eine entsprechende Übereinkunft, berichtet unter anderem die ultra-orthodoxe Nachrichtenseite „BeChadrei Charedim“ am Dienstag. Das Komitee hatte im Vorfeld von einem „historischen Abkommen“ gesprochen.

Früheren Berichten zufolge ist die Stadt Jerusalem schon länger mit dem Vorhaben befasst. In dem Zentrum, das nach Vorstellung der Initiatoren drei Stockwerke umfassen wird, sollen demnach Informationen über die zehntausenden Juden bereitgestellt werden, die auf dem Berg begraben sind. Außerdem sollen zu dem Projekt unter anderem eine Synagoge, ein Hörsaal, ein Aussichtspunkt und ein Café gehören. Aktuell existiert am Fuße des Ölbergs, an dem neben dem Friedhof etwa auch der Garten Getsemane und die Kirche der Nationen liegen, eine kleine Auskunft, die Informationen bereitstellt.

Komitee lobbyiert bereits seit Jahren

Jerusalem-Minister Elkin (Neue Hoffnung) erinnerte dem Bericht zufolge daran, dass „die Verbindung zu Jerusalem hier, am Ölberg, beginnt“. Sein Ministerium investiere „signifikante Ressourcen in die Entwicklung des Har HaSeitim“. Jerusalems religiöser Bürgermeister Leon erklärte, die Stadt befinde sich in einer Phase der Entwicklung, „wie es sie nie zuvor gegeben hat“. „Am Ende werden wir die Namen aller Juden kennen, die dort begraben liegen“, sagte er. Außerdem werde das Zentrum zur Sicherheit des Ölbergs beitragen. Hintergrund ist, dass in dem Komplex auch eine neue Polizeistation angesiedelt werden soll.

Das „Internationale Komitee für die Verteidigung des Har HaSeitim“ wirbt bereits seit Jahren für das Informationszentrum. Das Komitee wurde 2010 von Avraham und Menachem Lubinsky ins Leben gerufen, zwei orthodoxen Juden aus den USA. Nach eigenen Angaben war es eine Reaktion auf einen staatlichen israelischen Prüfbericht, der eine Vernachlässigung des Areals beklagt habe, wo es auch immer wieder zu Vandalismus kam. Seitdem lobbyiert das Komitee bei der Politik für eine Verbesserung der Situation. Als Erfolge beansprucht es unter anderem die Einrichtung von Überwachungskameras sowie den Bau von Sicherheitszäunen für sich. In der Knesset gibt es eine eigene Kommission zu dem Thema.

Foto: Sandro Serafin
Der Ölberg befindet sich mit seinen zehntausenden Gräbern im Osten Jerusalems (Archivbild)

Avraham Lubinsky sagte laut den aktuellen Berichten, man werde mit der Regierung zusammenarbeiten, „um die Bauarbeiten so schnell wie möglich fertigzustellen“. Das Komitee hofft, dass das Besucherzentrum in der zweiten Jahreshälfte 2023 eröffnet werden kann und beruft sich mit diesem ambitionierten Plan auf die Entwicklungsbehörde der Stadt Jerusalem. Bruder Menachem erklärte: „Wir waren wie Träumer. Wer hätte gedacht, dass ein solches Zentrum für uns am Ölberg gebaut würde.“ Er wünsche sich, dass tausende Juden kommen werden und die Geschichte dieses historischen Gebiets kennen.

Hoffnung: Mehr als eine Million Besucher im Jahr

Doch auch für nicht-jüdische Touristen dürfte das Zentrum zu einem Anlaufpunkt werden. Im vergangenen Jahr prophezeiten Berichte, der Ort werde „tausende Besucher pro Tag anziehen“. Menachem Lubinsky hofft auf „mehr als eine Million Besucher im Jahr“. Der Leiter des israelischen Komitee-Ablegers, Schalom Lerner, wurde Anfang 2021 mit den Worten zitiert, die Einrichtung werde „Jungen, Erwachsenen, Israelis, Juden und Nicht-Juden aus aller Welt“ dienen.

Der Ölberg befindet sich im Ostteil Jerusalems, der im Sechs-Tage-Krieg von Israel eingenommen wurde und nach israelischem Recht zum israelischen Staatsgebiet gehört. Die Palästinenser beanspruchen Ostjerusalem jedoch für sich, was zahlreiche Staaten unterstützen. Vielen Aktivitäten dort wird daher auch ein politischer Charakter zugeschrieben. Auf dem Ölberg sind auch herausragende Personen der jüdischen Geschichte begraben. Das Ölberg-Komitee verkündet auf seiner Webseite: „Das Besuchszentrum wird ein klares Zeichen für die unbestreitbare Souveränität des jüdischen Volkes über den 3.000 Jahre alten Friedhof an alle senden. Der Ölberg wird letztlich in unseren Händen sein!“ (ser)

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7 Antworten

  1. Es sei nur daran erinnert, dass 1948, das Jordanien den Ostteil Jerusalems besetzte, alle Juden vertrieb oder ermordete, uralte Synagogen und Gräber zerstörte und dort dann Araber ansiedelte,
    Dabei ist aus Aufzeichnungen ersichtlich, das die jüdischen Bewohner dort die Mehrheit hatten.

    Jerusalem mit dem Tempelberg wurde erst durch Arafat wieder interessant, der hier eine Achillesferse der Juden erkannte. Vorher war das Gebiet ein ziemlich herunter gekommener Bereich und die Moschee auch nicht wirklich relevant.
    Das Mohammed angeblich auf einer Nachtreise mal Jerusalem besucht hat ist eine Legende um al Aksa (die entfernte Moschee). Aber zu Mohammeds Zeiten gab es dort noch keine Moschee.

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    1. Die Moschee war nicht nur nicht relevant, der Tempelberg war ein Schutthaufen. Müllhalde.

      Aber ist es heute anders? Früher war der Müll vor der Moschee, heute ist er innen: nämlich das Waffenlager in der Al Aksa.

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  2. Der Ölberg ist eine historische biblische Stätte und wird dies in Zukunft auch wieder sein. Das obige Vorhaben ist begrüßenswert, die Frage bleibt offen , ob es auch so umgesetzt werden kann. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass die “Gegenseite” plötzlich Argumente aus dem Hut zaubert und so die Realisierung verhindert. Hoffen wir, dass die israelischen Vorstellungen und Planungen Wirklichkeit werden. Eine Aufwertung des Ölberges wäre es auf jeden Fall.

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  3. Zu empfehlen: „Pilger, Forscher, Abenteurer“ Dovnald Cover. Fotografien aus dem letzten und vorletztem Jahrhundert.

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  4. Alle Kommentatoren scheinen nicht viel vom internationalen Völkerrecht zu halten, sonst würden sie nicht so einen Unsinn schreiben. Hier sollen wieder einmal “facts on the ground” geschaffen werden auf gestohlenem palästinensischen Land, das gar nicht zu Israel gehört.
    Die israelische Regierung hat offenbar noch nicht realisiert, dass es keinen Herrn Trump mehr im Weißen Haus gibt, der solche Aktionen bedingungslos gutheißt. Mit diesem “Besucherzentrum” ,finanziert von steinreichen evangelikalen und jüdischen US-Radikalen, brockt sich Israel neue Probleme mit den USA ein. Viel Spaß! Irgendwann platzt auch denen der Kragen über so viel Chuzpe und Arroganz gegenüber internationalem Recht!

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