JERUSALEM (inn) – Zehntausende Menschen haben am Donnerstag den Jerusalem-Tag mit einem Flaggenmarsch gefeiert. Sie zogen singend und tanzend durch die Straßen der Hauptstadt und schwenkten dabei die israelischen Flagge. Der Gedenktag erinnert an die Wiedervereinigung der Stadt im Zuge des Sechstagekriegs im Juni 1967.
Nach Angaben der israelischen Nachrichtenseite „Times of Israel“ wird er vor allem von religiösen Zionisten begangen und zieht viele Ultra-Nationalisten an. Insbesondere der Flaggenmarsch, der durch das muslimische Viertel zur Klagemauer führt, steht dabei in der Kritik. So komme es immer wieder zu gewalttätigen Vorfällen, antiarabischen Gesängen und rassistischen Provokationen.
Gewalttätige Auseinandersetzungen
Vor dem offiziellen Beginn, marschierten ultra-nationalistische Jugendliche durch die Altstadt und riefen Parolen wie „Tod den Arabern“. Zudem verteilten sie Sticker mit nationalistischen Botschaften und beklebten damit arabische Geschäfte. Auch kam es zu Übergriffen auf Journalisten, die über die Veranstaltung berichteten, schreibt „Times of Israel“. Teenager hätten sie bespuckt und zudem versucht, ihnen die Handys aus der Hand zu reißen.
Laut israelischer Medien blieben die meisten arabischen Bewohner am Jerusalem-Tag zu Hause und ließen ihre Geschäfte geschlossen. Die wenigen, die ihre Läden offengelassen hätten, seien in Streitereien mit den jugendlichen Marschierenden hineingezogen worden. Nach Angaben der britischen Zeitung „The Guardian“ haben sich beide Gruppen mit Stühlen beworfen und mussten von der Polizei getrennt werden.
Die Polizei verhaftete nach eigenen Angaben dreizehn Verdächtige und bezeichnete die gewalttätigen Auseinandersetzungen als „isolierte Vorfälle“. Weiterhin gab sie die Verhaftung eines Mannes bekannt, der einen Terroranschlag an diesem Tag geplant haben soll. Verdeckte Ermittler der Grenzpolizei setzten ihn im Jerusalemer Viertel Abu Tor fest. Er werde derzeit vom Inlandsgeheimdienst befragt.
Sicherheitsminister besucht Tempelberg
Derweil hisste Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir auf dem Tempelberg die israelische Fahne. Danach veröffentlichte der Chef der rechtsextremen Partei „Ozma Jehudit“ (Jüdische Stärke) ein Foto auf X und schrieb dazu: „Wir haben die Kontrolle über den Tempelberg wiederhergestellt“
Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) mit Sitz in Dschidda, Saudi-Arabien, verurteilte Ben-Gvirs Kundgebung als „bewusste Provokation der Gefühle von Muslimen weltweit“. Der Tempelberg wird von der islamischen Jerusalem-Stiftung verwaltet, die dem jordanischen Königshaus unterstellt ist. Nach einer Übereinkunft dürfen Nicht-Muslime die Stätte zwar besuchen, dort aber nicht beten. Der Vollzug religiöser Rituale ist nur Muslimen vorbehalten.
Der Tempelberg mit der Al-Aqsa-Moschee und dem Felsendom gilt Muslimen nach Mekka und Medina als drittheiligster Ort des Islams. Für Juden ist der Tempelberg samt Klagemauer die heiligste Stätte, da hier einmal der jüdische Tempel stand. Der Zweite Tempel wurde im Jahr 70 nach Christus von den Römern zerstört. (mw)