Antike Holzbalken in Jerusalem entdeckt

Antike verkohlte Holzbalken zeugen von der Einnahme Jerusalems durch die Babylonier im 6. Jahrhundert vor Christus. Damals zerstörten sie auch den Ersten Tempel. Bei der Altersbestimmung ziehen die Forscher zwei Datierungsmethoden heran.
Von Israelnetz
Ausgrabung in der Jerusalem

JERUSALEM (inn) – Forscher haben bei Ausgrabungen in Jerusalem verkohlte Balken aus der Zeit der babylonischen Zerstörung der Stadt gefunden. Das gab die Israelische Altertumsbehörde (IAA) am Montag bekannt. Sie verantwortet die Ausgrabungen in der Davidsstadt südlich der Altstadt und kooperiert dafür mit Archäologen der Universität Tel Aviv.

Vermutlich überdachten die Holzbalken einmal den Innenhof eines Gebäudes. Doch als die Babylonier 587/586 vor Christus in Jerusalem wüteten, stürzte es ein und begrub das Gebälk unter sich.

Die Zerstörung Jerusalems besiegelte das Ende des Südreichs Juda – und das Ende des ersten jüdischen Tempels. Die Babylonier verbrannten „das Haus des Herrn und das Haus des Königs und alle Häuser in Jerusalem“, wie es in 2. Könige 25,9 heißt. Das war die Strafe für die Rebellion des abtrünnigen Königs Zedekia. Er wollte keine weiteren Tributzahlungen an den König von Babel leisten und ging als letzter König von Juda in die Geschichte ein.

Der Fund der 2.600 Jahre alten Holzbalken ist den Archäologen zufolge für die Region ungewöhnlich. Sie glauben, dass bei den Bränden zunächst die Balken herabfielen. Danach stürzte auch der Rest des Gebäudes ein und bedeckte das Gebälk. Der im Feuer geschmolzene Putz habe die Balken „versiegelt“ und konserviert, sagte Ausgrabungsleiterin Efrat Bocher in einer Stellungnahme.

Datierungsmethoden kombiniert

Für die Altersbestimmung kombinierten die Archäologen zwei gängige Methoden miteinander: Die Radiokarbonmethode, auch als C14-Datierung bekannt, und die Jahresringe in Baumstämmen. Dafür griffen die Forscher auf frühere Holzfunde aus derselben Grabungsschicht zurück und analysierten jeden Ring auf sein Alter. Dabei arbeitet die Altertumsbehörde mit der Datierungsexpertin Johanna Regev zusammen.

Ihr zufolge erzielt man mit diesem Vorgehen deutlich genauere Ergebnisse und kann die Fehlermarge bei der Datierung auf zehn Jahre eingrenzen. Bei der C14-Methode liege sie bei circa 100 Jahren, sagte sie gegenüber der israelischen Nachrichtenseite „Times of Israel“.

Der Minister für Kulturerbe Amichai Elijahu (Ozma Jehudit) bezeichnete den Fund der Holzbalken als „eindrucksvolles Zeugnis“. Er zeige: Die Verbindung des jüdischen Volkes zu Jerusalem wurzele nicht nur im Glauben, sondern auch in Geschichte und Archäologie. „Der Boden in Jerusalem liefert nach wie vor greifbare Zeugnisse über die alte Vergangenheit der Stadt“, sagte er in einer Stellungnahme.

Erinnerung an die Zerstörung des Tempels

Für Bocher ist der Fund gerade im Hinblick auf den Gedenktag Tischa BeAv bewegend. „Diese Entdeckung erzeugt das Gefühl, als wärest du bei der Zerstörung dabei gewesen, genau in dem Moment, als es passierte“, sagte sie. Der Gedenktag Tischa BeAv (Der 9. des Monats Av) begann in diesem Jahr am Mittwochabend. Für Juden ist es ein Fastentag, an dem sie der Zerstörung des ersten und des zweiten Jerusalemer Tempels gedenken.

Gedenken sei wahrscheinlich auch das Anliegen der wiederkehrenden Bevölkerung gewesen, erklärte Co-Leiter Jiftach Schalev. Als die ersten deportierten Juden ab 538 vor Christus mit der Erlaubnis des Perserkönigs Kyros II. wieder nach Jerusalem zurückkehrten und mit dem Aufbau der Stadt begannen, ließen sie diese Fundstelle so, wie sie war.

„Die Erinnerung zu erhalten ist ein menschliches Bedürfnis“, sagte Schalev in einer Pressemitteilung. Er fuhr fort: „Hier sehen wir es in klarster Form: Eine bewusste Entscheidung, Ruinen als Zeugnis für die Zerstörung an Ort und Stelle zu belassen und darüber eine neue Schicht zu errichten.“ (mw)

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