Mit Alexander Graf Lambsdorff hat die Bundesregierung einen neuen Botschafter nach Israel entsandt, der sich von seinem Vorgänger unterscheidet. Nach dem politischen Quereinsteiger Steffen Seibert übernimmt ein Karrierediplomat mit langjähriger Erfahrung den wichtigen Posten. Lambsdorff war zuletzt fast drei Jahre deutscher Botschafter in Moskau. Nun will er die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel weiter stärken.
Schon vor Amtsantritt setzte er dafür Zeichen: Er besuchte die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und den Gedenkort für die Opfer des Nova-Festivals. Auf Instagram veröffentlichte er ein Frage-Antwort Video über seine Gedanken zum Amtsantritt. Darin sagt er, dass er sich auf seine neue Aufgabe freue. Mit einem Scherz beschreibt er den Wechsel von dem schwierigen politischen Pflaster in Moskau in den nicht weniger herausfordernden Nahen Osten. Sein erster Gedanke sei gewesen: „Wie soll ich das meiner Frau sagen?“
Über dreißig Jahre diplomatische Erfahrung
Lambsdorff stammt aus einer Diplomatenfamilie. Sein Vater Hagen Graf Lambsdorff war ebenfalls deutscher Botschafter. Bekannt ist auch dessen Bruder Otto Graf Lambsdorff (1926–2009), der von 1972 bis 1998 Abgeordneter der FDP im Deutschen Bundestag war und mehrere Ministerposten innehatte.
Alexander Graf Lambsdorff selbst begann seine diplomatische Laufbahn vor mehr als drei Jahrzehnten. Zwischenzeitlich wechselte er in die Politik. 2004 zog er für die FDP ins Europäische Parlament ein, 2017 wurde er Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort war er unter anderem stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion für Außenpolitik und leitete die Deutsch-Israelische Parlamentariergruppe.
Seit 2023 war Lambsdorff deutscher Botschafter in Russland. Der Wechsel nach Israel führt ihn damit von einem schwierigen diplomatischen Umfeld in Moskau in ein Land, das Deutschland als engen Partner betrachtet. Gegenüber der „Jüdischen Allgemeinen“ sagte Lambsdorff, er freue sich darauf, nun „Diplomatie unter befreundeten Ländern“ zu betreiben.
Ein Israel-Kenner und Bekenner
Seine Verbindung zu Israel reicht bis in seine politische Zeit zurück. Als Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe pflegte Lambsdorff regelmäßige Kontakte zu israelischen Politikern und Vertretern der Zivilgesellschaft. Dabei bezog er immer wieder öffentlich Stellung. So kritisierte er eine aus seiner Sicht einseitige Haltung der Vereinten Nationen gegenüber Israel und wandte sich gegen antisemitische und anti-israelische Darstellungen auf der documenta 2022.
Auch nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 äußerte er sich entsprechend. Auf X schrieb er damals: „Israel wird auch diesen Angriff abwehren, bei allem Leid, das die Hamas-Terroristen über Euch bringen.“ Nach der Rückkehr von Geiseln aus der Gewalt der Hamas schrieb er im Juni 2024; „Am Israel Chai!“ (Das Volk Israel lebt).
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Seine Unterstützung für Israel bedeutet allerdings nicht, dass Lambsdorff jede Position der israelischen Regierung teilt. Während der Debatte um das Atomabkommen mit dem Iran von 2015 unterstützte er die Vereinbarung und widersprach der scharfen israelischen Kritik daran.
Nachfolger von Steffen Seibert
Mit dem Wechsel folgt Lambsdorff auf Steffen Seibert. Der frühere Regierungssprecher und Journalist war seit 2022 deutscher Botschafter in Israel. Seibert machte sich in Israel unter anderem durch seine öffentlichen Auftritte und seine Bemühungen um die hebräische Sprache einen Namen. Auch Lambsdorff will Hebräisch lernen. Er sagte, er wolle sich eine sprachliche Grundlage aneignen, machte aber keine Versprechungen, das Niveau seines Vorgängers zu erreichen. Seiberts Sprachkenntnisse seien „wahrscheinlich unschlagbar“.
Auf der Ebene der Diplomatie hatte Seibert allerdings vereinzelte Schwierigkeiten. Während seiner Amtszeit äußerte er sich wiederholt kritisch zu israelischer Politik. Auch die Gewalt von Siedlern im Westjordanland kritisierte er scharf. Gleichzeitig pflegte er eine Nähe zu zivilgesellschaftlichen, oft regierungskritischen Organisationen. Auf diese Weise geriet er auch mit Teilen der israelischen Regierung aneinander. Außenminister Gideon Sa‘ar (Neue Hoffnung) begrüßte deshalb Lambsdorffs Ernennung und verband dies mit der Hoffnung auf eine Stärkung der deutsch-israelischen Beziehungen.
Neuer Botschafter, neuer Kurs?
Ob mit Lambsdorff tatsächlich ein anderer Ton in den deutsch-israelischen Beziehungen einzieht, bleibt abzuwarten. Der neue Botschafter kennt die israelische Politik seit vielen Jahren und gilt als Freund des jüdischen Staates. Gleichzeitig ist er als Berufsdiplomat mit schwierigen internationalen Verhandlungen vertraut.
Lambsdorff selbst setzt auf Dialog. Deutschland und Israel hätten eine „wunderbare und außergewöhnliche Beziehung“, sagte er nach seiner Ankunft. Diese beruhe auf einer schmerzhaften gemeinsamen Geschichte, befinde sich heute aber auf einem „völlig beispiellosen Niveau“ der Zusammenarbeit. Seine Aufgabe sieht er deshalb weniger in öffentlichen Auseinandersetzungen als im direkten Austausch. Wenn Deutschland und Israel bei einem Thema unterschiedlicher Meinung seien, werde dies unter Freunden ausdiskutiert, sagte Lambsdorff der „Jüdischen Allgemeinen“.
Ob er bei strittigen Fragen künftig zurückhaltender auftritt als Seibert, dürfte sich insbesondere an der israelischen Politik im Westjordanland und am Umgang mit dem Gazakrieg zeigen. Israel steht zudem vor einer neuen politischen Phase. Die Knessetwahlen sind für den 27. Oktober angesetzt.