WIEN / BUENOS AIRES (inn) – Die beiden in Wien vermissten israelischen Frauen sind wohlauf. Am Freitag wurden sie in Argentinien entdeckt. Dort wollten sie offenbar ein neues Leben beginnen.
Die 50-jährige Mali Jahalomi und ihre 23-jährige Tochter Liel galten seit dem 7. August als vermisst. Sie hatten ihre Pläne für ein Schabbatessen an jenem Freitagabend nicht umgesetzt. Zudem holten sie Essen nicht ab, das sie in einem koscheren Restaurant in der österreichischen Hauptstadt bestellt hatten.
Die Familie benutzt am Schabbat keine Elektrogeräte. Deshalb schöpften die Angehörigen in Israel erst am Sonntag Verdacht, als Textnachrichten an die beiden nicht durchgingen. Den für Dienstag gebuchten Rückflug nach Israel ließen die Frauen verstreichen.
Angehörige begannen eine Spendensammlung. Die israelische Botschaft in Wien veröffentlichte eine Vermisstenmeldung und bat um zweckdienliche Hinweise. Im Internet kursierten Spekulationen, sie reichten von Terror und Entführung bis zu einer Geldunterschlagung. Mali Jahalomi arbeitete für die Bank von Jerusalem. Deren Aktie geriet vorübergehend unter Druck. Die Bank versicherte daraufhin, dass Kundengelder nicht in Gefahr seien.
Mobiltelefone ausgewechselt
Derweil hatten die beiden Frauen ihre Mobiltelefone ausgewechselt. Sie hätten geplant, sich falsche Pässe mit neuen Identitäten zuzulegen, berichteten israelische Medien am Samstagabend unter Berufung auf Polizeiquellen. Gleichzeitig hätten die Ermittler das Gerücht verneint, die beiden seien wegen Schulden aus Israel geflohen.
Die bisherigen Mobiltelefone wurden zuletzt in der Nähe eines Wiener Bahnhofes geortet, schreibt die österreichische Website „Heute“. Dieser befindet sich etwa 2 Kilometer von der Airbnb-Wohnung in Wien-Margareten entfernt, in der die Israelinnen untergekommen waren. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen, wie sie die Wohnung mit ihrem Gepäck verließen. Dabei waren sie ohne Begleitung.
Indes verhängte die Polizei eine Nachrichtensperre. Denn die Frauen sollten nicht erfahren, dass die Ermittler ihre Pläne durchschaut hatten.
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Bei der Suche arbeiteten die österreichischen Sicherheitsbehörden mit der israelischen Polizei und auch mit Interpol zusammen. Am Freitag teilte die Wiener Polizei mit, die beiden hätten eigenständig das Land verlassen. Es gebe keine Anzeichen für ein Gewaltverbrechen. Sie sprach von einer „ausgezeichneten Zusammenarbeit“ zwischen den österreichischen sowie israelischen und weiteren internationalen Sicherheitsbehörden.
Über Frankfurt nach Argentinien
Die Ermittler hatten festgestellt, dass Mutter und Tochter einen Flug von Frankfurt am Main nach Buenos Aires genutzt hatten. Daraufhin schalteten sie einen Vertreter der israelischen Polizei in Südamerika ein. Dieser betrat in der argentinischen Hauptstadt einen Bus, in dem sich die beiden befanden. Er sprach sie auf Hebräisch an und erzählte, dass sich ganz Israel um sie sorge. Nach einer Vernehmung wurden sie auf freien Fuß gesetzt.
Die Angehörigen in Israel bekundeten in einer Stellungnahme Erleichterung darüber, dass die beiden lebend aufgefunden wurden. Sie dankten denjenigen, die bei der Suche geholfen hatten. Das gespendete Geld, umgerechnet knapp 76.000 Euro, werde zurückgegeben, hieß es laut der Nachrichtenseite „Times of Israel“.
Warum die beiden Frauen den Kontakt mit ihrer Familie abbrachen und warum sie niemandem von ihrem Plan erzählten, nach Argentinien zu fliegen, ist noch unklar. Israelischen Medienberichten zufolge hatten sie sich vom Chatbot Gemini beraten lassen. Demnach stellten sie der KI die Frage, wie sie unerkannt an einen anderen Ort ziehen könnten. Die Ermittler haben den Chat-Verlauf untersucht. (eh)
3 Kommentare
Vermisste Israelinnen in Argentinien. Argentinien das richtige Land, von unserem besten Freund, Javier Milei, regiert.
Der Hammer! Da macht sich die halbe Welt Sorgen und die beiden bereiten mit voller Absicht ihr neues Leben vor und lassen ihre Angehörigen in Ungewissheit. Sachen gibt’s!
In Wien verschwunden, in Buenos Aires aufgetaucht, Familie wusste offenbar von nichts : eine mehr als seltsame Geschichte. Da steckt sicher etwas mehr dahinter als der Wunsch, ein neues Leben anzufangen.