NABLUS / KUSRA (inn) – Der US-amerikanische Botschafter in Israel, Mike Huckabee, hat die Belagerung der palästinensischen Familie bei Kusra als „erschreckende terroristische Gewalt“ verurteilt. Des Weiteren erklärte der Republikaner, dass die israelischen Sicherheitskräfte erst auf Bitten der USA mit der Räumung des Außenpostens begannen.
In den vergangenen Tagen unternahmen die Armee und die Grenzpolizei mehrere Anläufe, die extremistischen Siedler aus Kusra zu entfernen. Dabei kam es zu Zusammenstößen zwischen den Soldaten und den Siedlern. Am Mittwoch riss die Armee den Verschlag ab, in dem die Extremisten sich aufhielten. Dennoch befinden sich immer noch einige der radikalen Aktivisten vor Ort – und die Belagerung der Häuser hält weiter an.
Diplomatischer Schaden entstanden
Huckabee fand deutliche Worte für die Situation: „Es gibt keine Entschuldigung für solch ein aggressives Verhalten“, sagte er. Die Taten der „israelischen Terroristen“ seien kriminell und der Versuch, die Anwohner einzuschüchtern, „ekelhaft“.
Als Unterstützer Israels hatte der US-Botschafter in der Vergangenheit betont, dass Judäa und Samaria untrennbarer Teil des jüdischen Staates seien. Beobachter werten seine scharfen Worte zu Kusra daher als Gradmesser für den diplomatischen Schaden, den diese Angelegenheit für Israel hervorgerufen hat.
Laut der israelischen Zeitung „Yediot Aharanot“ sind Mitglieder des amerikanischen Kongresses wütend über die anhaltende Belagerung. Sie fragten, warum Israel diese „Anarchie“ erlaube.
Katz: Keine Gewalt durch Siedler
Auch der Chef des Siedlerrats, Israel Gantz, kritisierte die Extremisten: „Es gibt keine Rechtfertigung für Gewalt gegen Dritte oder gegen die Sicherheitskräfte.“ Er sei sich bewusst, dass die Situation von Gegnern nun dazu genutzt werde, um generell gegen Siedlungen vorzugehen, dennoch bleibe die einfache Tatsache bestehen: „Was in Kusra passiert, ist nicht angemessen und wir akzeptieren das nicht.“
Verteidigungsminister Israel Katz (Likud) äußerte sich indes vage zu der Krise in Kusra. Er verwies auf den politischen Schaden für Israel und betonte, dass das Gewaltmonopol immer beim Staat liege und nicht bei anderen Akteuren. Zugleich erklärte er: „Es gibt keine Gewalt durch Siedler. So etwas gibt es nicht.“
Am Mittwochabend kündigte die Armee die Stärkung der militärischen Präsenz in der Region an. Weitere Soldaten sollen dort stationiert werden, um die „Ordnung wiederherzustellen, die Sicherheit in der Region zu gewährleisten und die Randalierer zur Rechenschaft zu ziehen“. (mw)
8 Kommentare
Die Frage sollte sein, welche Art von Soldaten dort untergebracht werden. Die bisherigen Soldaten unternahmen bis dato nicht wirklich etwas, wenn nicht Sie es nicht sogar zugelassen haben.
Israel Katz scheint auch ziemlich desillusioniert zu sein und weit ab von der Realität zu leben.
Katz: „Es gibt keine Gewalt durch Siedler“, denn der israelische Staat hat das Gewaltmonopol und nicht die Siedler.
Katz soll gefälligst seine rechte Brille absetzen und klaren Auges auf die Situation schauen.
Lahm von Gewaltmonopol des Staates zu labern und es dann nicht rigoros durchsetzen zu lassen, dürfte der Noch-Regierung nicht gerade Punkte bei den Wahlen bringen.
Und wenn selbst der Vorsitzende des Siedlerrates diese Siedler-Mechablim kritisiert,
dann wird es der Regierung Netanyahu als Schwäche ausgelegt werden, sich von diesem
aggressiven Häuflein Meshuggim auch noch den Handlungsrahmen vorschreiben zu lassen .
Und das dann auch noch gegen den Willen der Mehrheit des Wahlvolkes.
Huckabee macht es vor. Israel wird für seine politischen Verbündeten immer schwerer tragbar, wenn es nicht eintrifft.
„Es gibt keine Gewalt durch Siedler. So etwas gibt es nicht.“
Nein, Herr Katz, der Leiter des Shin Bet hat die Aktionen radikaler Siedler in der Vergangenheit offiziell als „jüdischen Terrorismus“ eingestuft. Er warnte davor, dass diese Gewalt eine existenzielle Bedrohung für den Staat Israel darstelle, da sie das Westjordanland destabilisiere und dem internationalen Ansehen des Landes schweren Schaden zufüge.
Ein demokratischer Staat darf weder Selbstjustiz noch Gebiete dulden, in denen die Rechtsstaatlichkeit nicht gilt. Um glaubwürdig und auf internationaler Ebene gegen palästinensischen Terrorismus vorgehen zu können, muss der israelische Staat auch konsequent gegen Extremisten in den eigenen Reihen vorgehen.
Ich wünsche mir einfach eine Mentalität der Barmherzigkeit der Israelis gegenüber den Arabern gepaart mit einem guten Sinn für Vorsicht. Barmherzigkeit ist eine der größten Tugenden und erinnert mich an folgenden Bibelvers:
Lukas 7:47
Darum sage ich dir, daß ihre vielen Sünden vergeben sind, hat sie ja doch viele Liebe bewiesen: wem dagegen wenig vergeben wird, der liebt wenig.
Toda raba, Gideon Lahav, tevorakh
SHALOM
Bedauerlich. dass nur viel geredet, aber nicht hart und schnell durchgegriffen wird. Als Lösung plante man, die Palästinenser vorsorglich, zu deren Schutz, zu evakuieren, anstatt konsequent die marodierenden Israelis in Haft zu nehmen. Welch eine absurde Idee, die m.E. staatlich Versagen zeigt. Ich hoffe doch, dass Regierung und Bibi, das Ansehen Israels und dessen demokratische Werte nicht weiter ruinieren wollen und entsprechend schnell und konsequent handeln. Ansonsten liefern sie weitere Argumente für die Israel- und Judenhasser nach Deutschland und in die Welt.