„Honest Reporting“ kritisiert Missverhältnis bei Berichterstattung

Gewalt von Siedlern gegen Palästinenser nimmt in Medienberichten unverhältnismäßig viel Raum ein, zeigt eine Untersuchung. Palästinensische Angriffe auf Israelis finden demnach kaum Erwähnung.
Von Israelnetz

NEW YORK (inn) – „Ein einziges Etikett hat eine ganze Bevölkerung in eine undifferenzierte Bedrohung verwandelt.“ Zu diesem Schluss kommt die amerikanische Organisation „Honest Reporting” in einer Auswertung von Medienberichten über Gewalt im Westjordanland, die von Januar bis Mitte Juli erschienen sind. Nach ihren Erkenntnissen sind Beiträge zur Gewalt israelischer Siedler in unverhältnismäßiger Weise überrepräsentiert, während Angriffe von Palästinensern kaum thematisiert werden.

Insgesamt hat „Honest Reporting“ mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz die Veröffentlichungen von 77 großen Medienhäusern untersucht. Über „Siedlergewalt” oder „Siedlerangriffe” gab es demnach vom 1. Januar bis zum 20. Juli 984 Artikel. Mit palästinensischem Terror befassten sich hingegen neun Beiträge – ein Verhältnis von 109 zu 1.

Infolge der Analyse fordert die Organisation, Gewalt von allen Seiten angemessen zu thematisieren. Die internationale Berichterstattung zeige, „wie Journalisten selektiv auswählen, worüber sie berichten“.

Die israelische Hilfsorganisation „Retter ohne Grenzen“ (Hatzalah Judäa und Samaria) zählte vom 1. Januar bis zum 16. Juli 140 jüdische Zivilisten, die bei palästinensischen Angriffen verletzt worden seien. Es habe auch ein Todesopfer gegeben. „Diese Gewaltakte schaffen es selten auf die Titelseiten der internationalen Medien. Das verzerrt die Realität und die wirkliche Bedrohung von Terror, der aus dem Westjordanland kommt“, bemängelt „Honest Reporting”.

Rückgang der Angriffe, aber mehr Berichte

Zum genannten Missverhältnis kommt eine weitere Beobachtung: Im März verstärkten die israelischen Sicherheitskräfte ihre Bemühungen gegen Gewalt von Siedlern. Drei Monate später vermeldete die Regierung einen Rückgang um 25 Prozent. Doch diese Entwicklung ignorierten die meisten internationalen Medien. Ausgerechnet im Juni wurden besonders viele Beiträge über Gewalt oder Angriffe von Siedlern veröffentlicht. Die Organisation zählte 235 – fast dreimal so viele wie noch im Januar; im März gab es 187 Artikel. 

Auch bei Artikeln über das tägliche Leben sieht „Honest Reporting” eine Diskrepanz: Zum Ergehen von Palästinensern erschienen im untersuchten Zeitraum 525 Beiträge. In 73 Prozent kam das Wort „Siedler“ vor, in 44 Prozent „Siedlergewalt“ oder „Siedlerangriffe” – etwa im Zusammenhang mit Olivenplantagen oder Vieh.

Die umgekehrte Suche zum jüdischen Alltag im Westjordanland förderte keine Ergebnisse zutage, in denen palästinensische Angreifer thematisiert worden wären. In fast jedem der 116 Beiträge trat der „Siedler“ als „Aggressor” auf.

„Honest Reporting” kritisiert, eine solche Berichterstattung biete keine Hilfestellung, um den israelisch-palästinensischen Konflikt zu verstehen. Sie sei vielmehr ein Mittel, „um die Juden im Westjordanland zu dämonisieren”. Die Organisation folgert: „Dabei spielt es keine Rolle, dass sich die breite Mehrheit nicht an Gewalt beteiligt.“ (eh)

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