Sportwettkämpfe im Schatten des wachsenden Antisemitismus

Bei der Eröffnung der Sportveranstaltung Maccabiah wirken auch ehemalige Geiseln mit. Israelische Politiker ermutigen die Athleten zu einer festen Haltung gegen Antisemitismus.
Von Israelnetz

JERUSALEM (inn) – Athleten aus aller Welt haben am Mittwochabend in Jerusalem an der Eröffnungsfeier der 22. Maccabiah teilgenommen. Bei dieser Sportveranstaltung treten Juden in 45 Disziplinen gegeneinander an. Dabei vertreten sie ihre Herkunftsländer.

Die diesjährige Maccabiah steht unter dem Slogan „More Than Ever“ – „Mehr denn je“. Gemeint ist laut Veranstalter, dass sie die Verbindung zwischen Israel und der Diaspora fördern solle – in einer Zeit, in der Verbindung „wichtiger denn je“ sei.

Fackel „gegen den zunehmenden Antisemitismus“

Nach dem Einzug der nationalen Delegationen in das Teddy-Stadion wurde die Fackel der Maccabiah entzündet. Zu der Gruppe, die sie ins Stadion brachte, gehörte ein versehrter Veteran der israelischen Armee, Evjatar Seituni. Er war am 7. Oktober 2023 bei der Verteidigung des von der Hamas angegriffen Kibbuz‘ Kissufim verwundet worden. Nun ist er mit anderen verletzten Veteranen des Gazakrieges Teil einer Para-Radsportgruppe.

Zwei erfolgreiche israelische Kampfsportler steckten die Fackel an: Assaf Jasur ist Goldmedaillengewinner im Taekwondo bei den Paralympischen Spielen 2024 in Paris. Die Judoka Inbar Lanir gewann im gleichen Jahr olympisches Silber.

Staatspräsident Jizchak Herzog kommentierte die Zeremonie mit den Worten: „Gegen den zunehmenden Antisemitismus entzünden wir die Fackel der Maccabiah.“ Regierungschef Benjamin Netanjahu (Likud) sagte in einer Ansprache laut der „Jerusalem Post“, Israel sei die Heimstätte aller Juden. Er ermutigte die Athleten, fest zu bleiben in ihrer Identität als Juden „angesichts der wachsenden Flut des Antisemitismus“.

Hinterbliebene Drusen tragen Banner

Das Banner der jüdischen Spiele indes trugen Drusen ins Stadion. Sie sind Angehörige der zwölf Kinder und Jugendlichen, die im Sommer 2024 bei einem Raketenangriff der Hisbollah auf einem Fußballplatz im nordisraelischen Madschal Schams getötet wurden.

Am musikalischen Programm beteiligten sich drei Teilnehmerinnen des Eurovision Song Contest: die Überlebende des Hamas-Massakers, Juval Raphael (2025), Eden Golan (2024) und die Gewinnerin von 2018, Netta Barsilai. Der Musiker Idan Raichel trat zusammen mit der ehemaligen Geisel Daniella Gilboa auf.

Auch der amerikanisch-israelische Soldat Edan Alexander gehört zu den Menschen, die beim Hamas-Massaker in den Gazastreifen verschleppt wurden. Er sprach zu den Teilnehmern der Eröffnungsfeier: „Es gibt in diesem Leben kein größeres Vorrecht, als mein Zuhause zu verteidigen. Am 7. Oktober kämpfte ich und wurde entführt. Dort war ich hungrig, durstig, ängstlich und sehnte mich nach dem Leben, das ich geführt hatte.“

Aber in den schwersten Augenblicken, in der tiefsten Stille, habe er die Israelis gehört: „Eine Familie, die nicht aufgab. Leute, die mich nicht kannten, aber kämpften, als wäre ich ihr Kind. Kurz nach meiner Heimkehr wusste ich, dass ich meinen Militärdienst fortsetzen würde. Denn dies ist unser Land, und es ist unser Volk.“ Es habe ihn nach Hause gebracht. „Ich werde mein Leben dem Bestreben widmen, ihm etwas zurückzugeben“, zitiert die Zeitung „Yediot Aharonot“ die ehemalige Geisel.

Athleten aus 45 Ländern

An der 22. Maccabiah nehmen bis zum 13. Juli rund 8.000 Athleten aus 45 Ländern teil. Neben Israel sind unter anderen die USA, Frankreich, Großbritannien, die Ukraine, Brasilien und Argentinien vertreten. Auch jüdische Sportler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind angereist. Besonders kleine Delegationen, teilweise nur aus einem Sportler, kommen aus Armenien, Gibraltar, Südafrika und Taiwan. Jüdische Athleten aus Marokko, der Türkei und Venezuela beteiligen sich ebenfalls an den Wettbewerben.

Die Maccabiah ist auch unter dem Namen „jüdische Olympische Spiele“ bekannt. Sie wird alle vier Jahre ausgetragen. An sich sollte sie bereits 2025 stattfinden, wurde aber wegen des Irankrieges verlegt. Bereits die 21. Ausgabe der Spiele war um ein Jahr auf 2022 verschoben worden – in dem Fall aufgrund der Corona-Pandemie. Erstmals trafen sich jüdische Sportler aus verschiedenen Ländern 1932 zu Wettkämpfen im damaligen Mandatsgebiet Palästina. (eh)




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7 Kommentare

  1. Die Maccabiah, „jüdische Olympische Spiele“ bekannt, ist ein tolles Ereignis. Meine Ehefrau und ich selbst, 89 Jahre, wären gern dabei.

  2. More Than Ever. Ja, wichtiger denn je. Ganz viel sportliche Freude. Ohne Text: An meinem Rad habe ich eine Makkabi Trinkflasche aus Ffm. TuS Makkabi 1965 e.V.🇮🇱🇮🇱🇮🇱⚽️

  3. Also, das Teddy-Stadion ist ja süss, aber ich denke , es heisst Teddy-Kollek-Stadion, nach dem legendären Bürgermeister von Jerusalem 🙂

    1. @Antonia
      Es ist nach Teddy Kollek benannt, heißt aber tatsächlich אִצְטַדְיוֹן טֶדִּי – Iztadion Teddy, also Teddy-Stadion.

      1. Upsi 🤭 , Teddy-Stadion ist echt süss ! Danke für die Belehrung. Wie meine Oma so schön sagte, ich gehe weniger dumm ins Bett als ich heute morgen aufgestanden bin.😉

  4. Oh wie gerne wäre ich, die Israelfahne schwenkend, dabei. So viele tolle Athleten, Überlebende Geiseln, Musiker… Mein Respekt für Edan Alexander. Nach solch erfolgtem Leid weiter für Israel kämpfen zu wollen, ist bewundernswert. Das Thema „mehr denn je“ ist gut gewählt. „Diese Sportfeier ist eine Demonstration jüdischer Stärke.“(Isaac Herzog) Ja, das ist sie. Aufstehen, aufeinander zugehen, zusammenhalten, sich gegenseitig stärken, mit Stolz und Glauben für das jeweils eigene Land kämpfen mit Blick auf Israel. Ich wünsche allen eine tolle Zeit! 🇮🇱🙏

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