HEBRON (inn) – Ein israelischer Soldat hat am Freitagabend in Hebron auf ein palästinensisches Fahrzeug geschossen. Dabei wurde ein Baby getötet – der sieben Monate alte Sam Fahd Abu Haikal. Die Mutter erlitt sehr schwere Verletzungen. Nach eigenen Angaben dachte der Armeeangehörige, er befinde sich in Lebensgefahr.
Das Fahrzeug habe gewirkt, als wolle es beschleunigen und schnell auf die Soldaten zufahren, hieß es in einer ersten Mitteilung des Militärs. Die Familie sei nicht an Terror beteiligt gewesen. Die Armee bekundete „tiefstes Bedauern über jeglichen Schaden, der unbeteiligten Zivilisten zugefügt wurde“. Am Sonntag erklärte sie, die Militärpolizei untersuche den Vorfall.
Der Vater Fahd Abu Haikal, der am Lenkrad saß, hatte nach eigenen Angaben nicht vor, zu beschleunigen. Vielmehr habe er auf Anweisung der Soldaten angehalten. Die Schüsse seien ohne Warnung gefallen. Er wurde an der Hand verwundet.
Mit im Fahrzeug war auch seine Mutter Ferial Abu Haikal. Sie erzählte der israelischen Zeitung „Yediot Aharonot“ am Samstag: „Ich hörte meine Schwiegertochter schreien: ‚Mein Sohn, mein Sohn‘. Er war mit Blut bedeckt.“
Auf dem Weg zu Verwandten
Die Familie lebt in Bethlehem, sie befand sich auf dem Weg zu Verwandten in Hebron: „Jeden Donnerstag bringt mich mein Sohn zu ihnen und am Freitag zurück nach Hause. Wir waren wie immer unterwegs und dachten nicht, dass etwas passieren würde. Wir fuhren langsam wegen des Zustandes der Straße. Ich sah Soldaten, etwa 10 Meter von uns entfernt. Ich saß vorn und sah alles. Plötzlich waren Schüsse zu hören. Ich dachte, es sei eine Warnung, die uns auffordert, anzuhalten.“
Ihr Sohn auf dem Fahrersitz habe die Hand gehoben, um zu zeigen, dass er keine Bedrohung darstelle. „Aber die Kugel traf seine Hand, drang durch sie durch und weiter ins Auto.“ Sie sei dann aus dem Auto gestiegen und habe gerufen. „Die Soldaten gingen fort und halfen uns nicht. Wir waren dort allein, bis Rettungskräfte kamen und uns ins Krankenhaus brachten.“ Ihr elfjähriger Enkel, der ebenfalls in dem Fahrzeug saß, habe gesagt: „Großmutter, sie haben meinen kleinen Bruder getötet.“
Vater: „Der Soldat sah die Kinder“
Der Vater des getöteten Babys sagte der Zeitung „Ha’aretz“, er sei völlig zum Stehen gekommen, bevor der Soldat die tödlichen Schüsse abgab. Der Vorfall habe sich gegen 19.30 Ortszeit ereignet, also bei Tageslicht. Auch habe der Wagen keine getönten Fensterscheiben gehabt. Der Soldat „sah mich, sah meine Frau und die Kinder“. Es habe sich um keine erkennbare Straßensperre gehandelt, die Soldaten seien auf Patrouille gewesen.
Seine Ehefrau liegt noch im Krankenhaus. Ihr Zustand sei kritisch, aber stabil. Ein Splitter drang nach Abu Haikals Angaben nahe des Herzens ein.
Die Großmutter indes versteht nicht, warum die Soldaten nicht blieben, wenn sie von einer Gefahr ausgingen. „Warum gab es keine sofortige Hilfe? Warum habt ihr die Überwachungskameras mitgenommen, die den Vorfall dokumentierten?“, richtete sie sich im Interview an die Armee. „Wir haben keine gewaltsame Vergangenheit. Wir sind eine ruhige Familie, die in Ruhe leben wollte. Man kann eine solche Situation nicht begreifen.“ (eh)
3 Kommentare
Wir glauben dem Armeeangehörigen. Er hat auf das Fahrzeug geschossen und wollte bestimmt nicht das Baby töten.
Natürlich, er wird, wie in solchen Fällen üblich einen strengen Verweis bekommen…
Solche „Fälle“ sind besonders tragisch! Sicher in erster Linie für das getötete Baby und auch für die Familie. Aber ER ❤️ wird sich sicher um den Kleinen kümmern. Auch für den Soldaten wird es sicher einschneidend sein ❤️🩹.
❤️🩹🙏❤️