Kommandeur Bluth: Steinewerfer werden unterschiedlich behandelt

Ein ranghoher Armeevertreter gesteht Unterschiede im Umgang mit palästinensischen und israelischen Steinewerfern ein. „Jüdischen Terror“ verurteilt er – und fordert mehr Einsatz gegen Gewalt extremistischer Siedler.
Von Israelnetz

JERUSALEM (inn) – Die israelische Armee macht beim Vorgehen gegen Steinewerfer Unterschiede zwischen Palästinensern und Siedlern. Das hat der Chef des für das Westjordanland zuständigen Zentralkommandos, Avi Bluth, in einer nicht-öffentlichen Gesprächsrunde eingeräumt. Am Sonntag berichtete die israelische Zeitung „Ha’aretz“ über seine Äußerungen. Von Bluth kam kein Widerspruch.

Der Chef des Zentralkommandos ist seit Juli 2024 im Amt. In dem Gespräch, von dem „Ha’aretz“ offenbar eine Aufnahme besitzt, bezeichnete er Angriffe palästinensischer Steinewerfer als „Terror“. Es sei legitim, dagegen mit scharfer Munition vorzugehen. Im Jahr 2025 seien 48 Steinewerfer von Sicherheitskräften getötet worden.

Von Siedlern, die Steine werfen, gehe eine gleich große Gefahr aus, fügte Bluth hinzu. Doch: „Schüsse von Soldaten auf Juden hätten tiefgehende gesellschaftliche Folgen“. So hätten Soldaten im vergangenen Jahr auf zwei maskierte Siedler geschossen und dabei einen Jugendlichen verwundet. Das habe für Unruhe gesorgt. Kritik an dem Einsatz von scharfer Munition gegen Juden kam aus ultra-nationalen Kreisen.

Er bevorzuge bei Juden nicht-tödliche Mittel, sagte der Generalmajor. Gleichzeitig gestand er ein: „Es schließt Diskriminierung ein.“

Warnung vor „jüdischem Terror“

Bereits am Donnerstag hatte „Ha’aretz“ einen ähnlichen Artikel veröffentlicht. Auch er handelt von einem internen Forum, bei dem sich Bluth äußerte. Einen Zeitpunkt für das Treffen nannte das Blatt nicht.

Der Chef des Zentralkommandos habe mit Bezug auf Siedlergewalt von „jüdischem Terror“ gesprochen, hieß es in dem Beitrag. „Es ist ein Wunder, dass die palästinensische Öffentlichkeit noch gleichgültig ist“, sagte er demnach. Aber sie werde es nicht immer bleiben.

Er habe Regierungschef Benjamin Netanjahu (Likud) und dessen Kabinett gewarnt: Auch wenn das Terrorniveau derzeit niedrig sei, brodelten bei Palästinensern im Westjordanland Spannungen unter der Oberfläche. Als eine Maßnahme empfahl er, Gelder an die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) zu überweisen, die Finanzminister Bezalel Smotritsch (Religiöser Zionismus) zurückhält.

Siedlergewalt führt zu palästinensischen Angriffen

Bluth sieht demnach eine direkte Verbindung zwischen Siedlerangriffen und palästinensischer Gewalt: Die Armee wisse von Palästinensern, die bei einem solchen Vorfall geschädigt wurden und sich direkt danach selbst zu einem Angriff aufmachten.

Ein großer Teil der Gewalt gehe von illegalen Außenposten aus; Bluth sprach von einer „anarchistischen Jugend aus dem Randgebiet“. Die Taten dieser Extremisten fügten dem Staat Israel und der zionistischen Unternehmung unvorstellbaren Schaden zu. Die Strafen seien ein „Witz“, sie dienten nicht der Abschreckung.

Zudem kritisierte der Chef des Zentralkommandos die Entscheidung von Verteidigungsminister Israel Katz (Likud), die Verwaltungshaft nicht mehr auf jüdische Verdächtige anzuwenden. Extremistische Siedler nutzten den Irankrieg, um Gewalt zu eskalieren. „Diese Leute sehen Araber nicht als Menschen an und denken, sie könnten Menschen verbrennen, Häuser mit ihren Bewohnern verbrennen – leider tun sie das von Zeit zu Zeit.“ Diese Auffassung sei eine „Schande für das jüdische Volk“, er schäme sich persönlich dafür.

Montag: Genehmigung für Palästinenser widerrufen

Derweil hinderte die Armee am Montag etwa 20 Palästinenser aus Turmus Ajja bei Ramallah daran, ihr Land zu pflügen. Sie waren am Morgen aufgebrochen. Extremistische Siedler stellten sich ihnen in den Weg und machten Jagd auf ihre Traktoren. Am Sonntag hatte es Aufrufe zu einer Störaktion gegeben, schreibt die Nachrichtenseite „Times of Israel“.

Das Land gehört palästinensischen Dorfbewohnern. Es befindet sich aber in der Zone C nahe der Siedlungen Schvut Rachel und Schilo. Dort hat Israel die militärische und zivile Kontrolle. Deshalb hatten die Palästinenser das Vorhaben mit der Zivilverwaltung koordiniert. Sie erhielten die Erlaubnis, das Land zu bebauen. Doch die Armee nahm das zurück und erklärte das Gelände zum militärischen Sperrgebiet. (eh)

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5 Kommentare

    1. Ne, Albert, er hat Recht. Jüdische Steine verletzen nicht weniger als palästinensische Steine, beide können töten. Deshalb muss dagegen vorgegangen werden, zumal die Täter dem jüd. Volk schaden.

      Was allerdings nichts stimmt, ist dass diese Aktionen einiger Siedler die Gewalt der Pal. fördern.Das schaffen schon Hamas und die PA alleine.

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  1. Seltsam. Jüdische Siedler dürfen? Pals nicht? Wo bleibt Gerechtigkeit, nur weil Unruhen von Strengreligiösen befürchtet werden? Die Ultras sind gegen “ alles“ im Staat. Kein Wehrdienst und auf dem Yehuda Markt rennen sie kurz vor Shabbat rum und beleidigen Händler, die nicht schnell genug schliessen. ( Selbst mitbekommen). Aber….es liegt an der Regierung gerecht zu handeln. Shalom
    OT: Zu IN News: EU und Proxys haben sich im WJL nicht einzumischen und Zäune zu bauen.

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  2. Was soll den „Menschen und Häuser anzünden“ anderes als Terror sein?
    Ich schäme mich ebenfalls dafür, dass diese extremistischen Siedler als israelische Bürger unschuldiges Blut vergießen und ungeschoren davon kommen.
    Bei „times of Israel“ wird regelmäßig von solchen Vorfällen berichtet, es sind leider keine Einzelfälle.
    Die Gefahr ist, dass das gesamte israelische Volk für die Grausamkeit dieser Narren büßen muss.

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  3. Grundsätzlich lehne ich Sanktionen gegen das israelische Volk ab, insbesondere gegen diejenigen, die sich für Frieden mit den Nachbarländern einsetzen.

    Ich hätte jedoch nichts dagegen, wenn die EU diese jüdischen Terroristen (wenn ich sie so nennen darf) so hart bestraft, dass deren Freiheit noch stärker eingeschränkt wird. Schließlich wurde immerhin vor 1-2 Jahren bereits ein erster Schritt getan, indem Einreiseverbote gegen diese Siedler verhängt wurde, EU-Bürgern wurden Geschäftsbeziehungen mit diesen Personen untersagt, und deren Vermögen wurde eingefroren.

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