Biennale: Jury tritt nach Streit über Russlands Teilnahme zurück

Die Jury der Biennale Venedig erklärt ihren Rücktritt, nachdem es zu Streitigkeiten über die Teilnahme Russlands und Israels gekommen war. Die Organisatoren verschieben die Preisverleihung von Mai auf November.
Von Israelnetz
Biennale in Venedig

VENEDIG (inn) – Kurz vor der Eröffnung der 61. Kunstbiennale in Venedig steht ihr Leiter Pietrangelo Buttafuoco unter Druck. Der Grund: Ein Streit über die Teilnahme Israels und Russlands an der renommierten Ausstellung. Der bisherige Tiefpunkt der Auseinandersetzung ist der Rücktritt der fünfköpfigen Jury am Donnerstag.

Knackpunkt: Russlands Wiederteilnahme

Der Konflikt bahnte sich langsam, aber stetig an. So erklärten die Organisatoren der Kunstbiennale im März, sie beabsichtige, Russland als Aussteller wieder zuzulassen, zum ersten Mal seit Beginn es Ukrainekrieges. Die Entscheidung stieß auf scharfe Kritik seitens der Ukraine und der Europäischen Union. Letztere drohte gar damit, Finanzen für die Ausstellung zu streichen.

Am 23. April erklärte die Jury in einer Pressemitteilung, sie werde Arbeiten aus Ländern, gegen deren Staatschefs ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag (IStGH) vorliegt, nicht für den Preis berücksichtigen. Damit schloss sie Russland und Israel faktisch vom Wettbewerb aus. Diese Entscheidung stieß auf Kritik.

Das israelische Außenministerium verurteilte die Entscheidung als politisch motiviert. Sie verwandle die Kunstausstellung in ein „anti-israelisches Spektakel“. Bildhauer Belu-Simion Fainaru, der Israel in diesem Jahr auf der Biennale vertritt, warf der Jury vor, ihn aus rassistischen Gründen zu diskriminieren und drohte mit einer Klage. Er werde wegen seiner Herkunft ausgeschlossen.

Die Biennale-Leitung sagte indes, die fünfköpfige internationale Jury unter dem Vorsitz der brasilianischen Kuratorin Solange Farkas sei in ihrer Entscheidung völlig unabhängig. Dennoch erklärte die Jury am Donnerstag geschlossen ihren Rücktritt. Eine Begründung für diesen Schritt führte sie nicht an.

Italiens Kulturminister kündigt Untersuchung an

Dafür nimmt der Druck auf Buttafuoco weiter zu. Schon vergangenen Dienstag hatte der italienische Kulturminister Alessandro Giuli (parteilos) eine Untersuchung über die Wiederzulassung Russlands angekündigt. 

Nach dem Rücktritt der Jury kritisierte er den Biennale-Chef mit deutlichen Worten. Nach Angaben des Österreichischen Rundfunks (ORF) sagte Giuli gegenüber italienischen Medien, Buttafuoco habe eine „Nebenaußenpolitik“ betreiben wollen und sei daran gescheitert. Inzwischen werde über seine Ablösung spekuliert. Buttafuoco übernahm die Leitung der Kunstausstellung 2024.

Schon zuvor hatte er den Biennale-Chef für die Wiederzulassung Russlands kritisiert und seine Teilnahme an der Eröffnungsveranstaltung abgesagt. Die ist nun gänzlich gestrichen. Nach dem Rücktritt-Eklat sagten die Veranstalter die für den 9. Mai geplante offizielle Eröffnung ab. Auch wird die Preisverleihung, die üblicherweise gleich zu Beginn erfolgt, auf den letzten Tag der Biennale am 22. November verschoben. „Ausnahmsweise“ soll es dieses Jahr zwei Besucherpreise geben, schrieb der Nachrichtensender „n-tv“ am Donnerstag. Ob weitere Auszeichnungen verliehen werden, stehe noch nicht fest.

Die Biennale Venedig wurde 1895 gegründet und ist eine der bedeutendsten Plattformen für zeitgenössische Kunst und Architektur weltweit. Die Kunstbiennale findet alle zwei Jahre statt, in diesem Jahr vom 9. Mai bis zum 22. November. (mw)

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2 Kommentare

  1. Tja, da hat sich die Jury wohl selber in ein Dilemma gebeamt.
    Entweder beide, Russland und Israel, rein oder beide raus, alles andere hat einen üblen Beigeschmack. Das kommt davon wenn man sich in eine Sackgasse heuchelt und einen Angriffskrieg (Russland / Ukraine)mit einem
    Verteidigungskrieg (Israel / Hamas, Hizbollah)
    verwechselt und in den gleichen Topf schmeißt.
    SHALOM

    0

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