Herzog: „Kriegsgeneration verdient ein Lied der Hoffnung“

Am Gedenktag für Gefallene und Terror-Opfer beklagt Staatspräsident Herzog Gräben in der israelischen Gesellschaft. Eine trauernde Mutter gibt preis, auf welcher besonderen Mission ihr Sohn getötet wurde.
Von Israelnetz

JERUSALEM (inn) – Staatspräsident Jizchak Herzog hat beim Gedenken an Gefallene und Terror-Opfer die Bedeutung der Einheit im israelischen Volk betont. Am Montagabend sprach er während der Auftaktzeremonie für den Gedenktag Jom HaSikaron an der Jerusalemer Klagemauer.

Wie die Nachrichtenseite „Times of Israel“ berichtet, beklagte Herzog einmal mehr die tiefen Gräben in der israelischen Gesellschaft. „Unsere Nation hat ein Lied, ein Lied mit vielen Stimmen“, sagte er. „Die Geschichte unseres Volkes lehrt uns immer wieder: Wenn Stimmen einander zum Schweigen bringen, nimmt die Gefahr zu. Wenn Stimmen miteinander singen, erhebt sich die Nation.“

Dabei zeigte sich das Staatsoberhaupt zuversichtlich: „Krieg ist eine schicksalhafte Zeit, eine nationale Prüfung, und als Nation begegnen wir ihr mit außerordentlicher Stärke und werden ihr weiterhin mit aller Entschlossenheit begegnen, durch all den unerträglichen Schmerz hindurch.“ Diese Kriegsgeneration sei nun an der Reihe, vom Tag danach zu träumen und das Lied zu schreiben, das nach dem Krieg komme. „Sie verdient ein Lied der Hoffnung.“

Samir spricht über militärische Erfolge

Armeechef Ejal Samir betonte, „alle Teile der Nation“ müssten sich an der „Sicherheitsmission“ zur Verteidigung Israels beteiligen. Damit spielte er offenbar an die weitreichenden Ausnahmen beim Wehrdienst für ultra-orthodoxe Juden an.

Samir versicherte, Israel werde nicht zulassen, dass der Iran seine Ambitionen gegen den jüdischen Staat in die Tat umsetze. Er lobte die militärischen Erfolge des vergangenen Jahres: „Wir haben die Geiseln aus der Hamas-Gefangenschaft heimgeholt. Wir haben neue Sicherheitsanker an der Grenze zum Gazastreifen und der syrischen Grenze eingerichtet. Im Libanon agieren wir jetzt, um eine neue Wirklichkeit zu schaffen und Sicherheit in die nördlichen Gemeinden zurückzubringen.“

Zudem ging der Armeechef auf die „beispiellose Kampagne gegen das iranische Regime“ ein. Dieses habe „jahrelang einen Plan für die Zerstörung des Staates Israel geschmiedet und praktische Fähigkeiten zu seiner Umsetzung entwickelt“. Die Armee habe „mit Macht zugeschlagen und die Pläne des Regimes vereitelt“.

Es ist der dritte Gedenktag seit dem Hamas-Großangriff vom 7. Oktober 2023, mit dem für den jüdischen Staat eine Zeit fast durchgängiger Kampfhandlungen an mehreren Fronten begann. Seit dem vorigen Jom HaSikaron sind 226 Soldaten und Angehörige der Sicherheitskräfte getötet worden oder früheren Verletzungen erlegen; in dieser Zahl sind auch zwei Soldaten enthalten, die am vergangenen Wochenende bei Explosionen im Libanon starben.

Netanjahu: Sehnsucht nach Getöteten ist groß

Ebenfalls am Montag gab es eine Zeremonie beim Denkmal der Freiwilligenorganisation „Jad LaBanim“ (Denkmal für die Söhne) in Jerusalem. Dort sprach Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) von der Sehnsucht nach denjenigen, die im Kampf um Israel getötet wurden.

Konkret bezog er sich auf seinen Bruder Jonathan, der 1976 bei der Befreiung von Geiseln im ugandischen Entebbe fiel: „Die Sehnsucht ist an jedem einzelnen Tag da; die Arme brennen darauf, wieder zu umarmen. Die Augen sehnen sich danach, das Lächeln zu sehen. Die Ohren sehnen sich danach, die Stimme zu hören – die Stimme Ihres geliebten Menschen.“

Netanjahu erinnerte an die letzte Geisel Ran Gvili, deren Leichnam die Armee Ende Januar nach Israel brachte. Er lobte den Heldenmut des Grenzpolizisten, der am 7. Oktober im Kampf gegen die Hamas Menschenleben gerettet hatte. Dabei wurde er selbst getötet und in den Gazastreifen verschleppt.

Zudem thematisierte er verwundete Soldaten; er wünschte allen an Körper und Seele Verletzten vollständige Genesung. In seiner Rede zitierte der Regierungschef aus Jesaja 30,19: „Du Volk Zions, das in Jerusalem wohnt, du wirst nicht weinen!“

Trauernde Mutter: Sohn wollte Schiri Bibas und Söhne befreien

Während der Zeremonie sprach auch Jafit Goschen. Ihr Sohn Orija Ajimalk Goschen wurde im Januar 2024 in Gaza getötet. Wie sie am Gedenktag enthüllte, nahm er an einer Mission teil, um die Geiseln Schiri, Ariel und Kfir Bibas zu retten. Die Mutter und ihre beiden kleinen Söhne waren zu dem Zeitpunkt allerdings schon von Terroristen ermordet worden, erst im Februar 2025 wurden sie an Israel übergeben und beigesetzt.

„Unsere Verantwortung als Gesellschaft liegt darin, das Opfer von Orija und allen Gefallenen wert zu sein“, sagte die trauernde Mutter. Und auch sie betonte wie Herzog: „Wir müssen Einheit in unserer Nation haben.“ (eh)

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Ein Kommentar

  1. Wunderbare Worte vom Staatspräsidenten Herzog: „Die Geschichte unseres Volkes lehrt uns immer wieder: Wenn Stimmen miteinander singen, erhebt sich die Nation.“ Meine Ehefrau, unser Hauspersonal, wir wollen für Israel mitsingen.

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