TEHERAN (inn) – Nach der Tötung des Obersten Führers Ali Chamenei hat Israel einmal mehr die Spitze des iranischen Regimes ins Visier genommen. Am Montag tötete die Armee zwei hochrangige Vertreter: den Leiter des Nationalen Sicherheitsrates, Ali Laridschani, und den Kommandeur der Basidsch-Einheit, Gholamresa Soleimani. Das gab das Militär am Dienstag bekannt.
Laridschani galt zuletzt als faktischer Führer des Regimes. Noch am Freitag zeigte er sich auf den Straßen von Teheran beim anti-israelischen Al-Quds-Marsch. Er war Vertrauter von Ali Chamenei. Nach Armeeangaben hat er persönlich die Maßnahmen genehmigt, die zum Massaker an den Demonstranten im Januar führten.
Soleimani war sechs Jahre lang Befehlshaber der Basidsch-Einheit. Diese sei für das Regime das primäre Instrument der Unterdrückung gewesen, teilte die israelische Armee mit. Damit habe Soleimani erheblich Anteil an der gewaltsamen Zurückdrängung der Demonstranten im Iran.
Glückwünsche mit Botschaft
Ohne Frage erhofft sich Israel von der Tötung der beiden eine Signalwirkung an die Iraner. Am Montag wünschte der israelische Premier Benjamin Netanjahu (Likud) ihnen ein frohes Neujahr. Den Auftakt der Feierlichkeiten markiert das Feuerfest, das die Iraner am Dienstagabend begehen. Dazu sagte Netanjahu: „Es unterstreicht den alten Glauben des iranischen Volkes, dass Licht die Finsternis besiegt.“ Das neue Jahr werde ein „Jahr der Freiheit“.
Die Armee setzte indes ihre Angriffe auf Ziele des Regimes fort. So habe die Luftwaffe Lagerstätten für Drohnen und Raketen attackiert, teilte sie am Mittwoch mit. In Tabris im Nordwesten des Landes habe sie weitere Stellungen der Luftabwehr zerstört. Armeechef Ejal Samir erklärte, die militärische Zusammenarbeit mit den Amerikanern verfestige sich weiter.
Raketentrümmer im Bereich der Grabeskirche
Auch der Iran bleibt weiter gefährlich. Am Dienstag explodierte eine Rakete über der Jerusalemer Altstadt. Trümmer fielen in den Bereich der Grabeskirche und in die Nähe der Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg. „Das iranische Regime zielt auf die heiligen Stätten des Christentums, des Islam und des Judentums“, erklärte das israelische Außenministerium. „Nichts ist dem Regime heilig.“
Israel hatte aufgrund der Sicherheitslage den Zutritt zum Tempelberg und zur Klagemauer gesperrt. Die Arabische Liga verurteilte den Schritt am Sonntag unter Verweis auf den laufenden Fastenmonat Ramadan. Es handele sich um eine „grobe Missachtung internationalen Rechts“.
Herzog: Europa muss Kampf gegen Hisbollah unterstützen
Indes hat Israel am Dienstag seine Bodentruppen im Libanon verstärkt. Am Montag startete die Armee dort eine begrenzte Bodenoffensive gegen die Terrormiliz Hisbollah. Sie veröffentlichte am Dienstag einen dringlichen Appell an die Bewohner, sich in das Gebiet nördlich des Flusses Sahrani zu begeben.
Der israelische Präsident Jizchak Herzog rief europäische Länder indes dazu auf, den Kampf gegen die Hisbollah zu unterstützen. „Sie müssen verstehen, dass man manchmal einen Krieg gewinnen muss, um etwas zu erreichen“, sagte er am Montag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich besorgt über die Lage. Er rief die Hisbollah auf, Angriffe auf Israel zu beenden. Gemeinsam mit Frankreich, Italien, Kanada und dem Vereinigten Königreich forderte Deutschland „dringend eine sofortige Deeskalation“.
Golfstaaten: Iranische Bedrohung beseitigen
Die fortgeführten Angriffe sind auch im Sinne der Golfstaaten. Laut einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Nachrichtenagentur „Reuters“ fordern sie die USA auf, die Angriffe fortzuführen, bis der Iran seine militärischen Fähigkeiten in erheblichem Maß eingebüßt hat und keine Bedrohung mehr darstellt.
Der Bericht stützt sich unter anderem auf drei Quellen in der Golfregion. Demnach befürchten die Staaten, dass sich der Iran bestärkt fühlt, sollten dessen Offensivwaffen und die Rüstungsindustrie erhalten bleiben. Dann könnte sich Teheran darin bestätigt fühlen, die Region im Falle von Spannungen zu erpressen.
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Absage von Merz
US-Präsident Donald Trump (Republikaner) hat bereits andere Staaten, insbesondere europäische, aufgerufen, sich an der Sicherung der Straße von Hormus zu beteiligen. Sollte dies nicht geschehen, würde dies für die NATO eine „sehr schlechte Zukunft“ bedeuten, erklärte er am Montag.
Deutschland und andere Staaten erteilten dem Ansinnen eine Absage. Bundeskanzler Merz erklärte, der Krieg sei keine Angelegenheit der NATO. Daher werde sich Deutschland nicht militärisch einbringen. Ähnlich äußerte sich der britische Premier Keir Starmer (Labour).
Der dänische Außenminister Lars Lokke Rasmussen (Die Moderaten) sprach sich hingegen dafür aus, dass die Länder der Europäischen Union für eine Militärmission offen bleiben, auch wenn sie den Krieg gegen den Iran nicht unterstützen. „Wir müssen die Welt annehmen, wie sie ist, nicht wie wir sie uns wünschen“, sagte er am Montag vor einem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen in Brüssel.
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EU-Regierungschefs wollen Sicherheitslage besprechen
Bei dem Treffen betonte das Gremium die Notwendigkeit, die Schifffahrt in der Straße von Hormus zu gewährleisten. Die EU sorge bereits mit der Operation Aspides für sichere Seewege in der Region. „In unserer Diskussion gab es einen klaren Wunsch, diese Operation zu stärken“, sagte die Außenbeauftragte der EU, die Estin Kaja Kallas.
Die Operation Aspides begann im Februar 2024 als Reaktion auf den Beschuss von Handelsschiffen durch die vom Iran unterstützten Huthi-Terroristen. Sie konzentriert sich auf das Rote Meer und den Golf von Aden. Laut Kallas besteht die Möglichkeit, das Mandat der aktuellen Lage anzupassen.
Ab Donnerstag ist die reguläre Sitzung des EU-Rates vorgesehen. Bei dem Treffen der Länderchefs geht es unter anderem um die Lage in Nahost und um „Bemühungen zur Erhöhung der Stabilität“. (df)
Ein Kommentar
Friedrich Merz ruf Nazi-Hisbollah auf, Angriffe auf Israel zu beenden. Ist das ein Witz? Ja.
Golfstaaten fordern die USA auf, die Angriffe gegen den Iran fortzusetzen. Ist das ein Witz? Nein.