Juden hoffen auf Gottes Hilfe

Am Purim-Fest erinnern Juden an Gottes rettendes Handeln in biblischer Zeit. Gleichzeitig hoffen sie auf Hilfe in aktuellen Notlagen. Eine wichtige Rolle spielen Verkleidungen.
Von Elisabeth Hausen
ein als Polizist verkleideter Junge in einem Fenster feiert Purim

Das biblische Buch Esther erzählt eine Geschichte, die in diesen Tagen ganz neue Aktualität gewinnt. Auf sie beruft sich das jüdische Purim-Fest, das am heutigen Montagabend beginnt. Doch in Israel fallen die Feiern wegen des Krieges gegen den Iran aus.

Der Jude Mordechai lebte laut biblischer Überlieferung in der persischen Stadt Susa, also im heutigen Iran. Seine Verwandte Esther hatte die verstoßene Ehefrau von König Ahasveros, Waschti, ersetzt. In dieser Position gelang es ihr mit viel Mut, die Pläne des Judenfeindes Haman zu vereiteln: Er hatte beim König erreicht, dass die Perser möglichst viele Juden vernichten durften. Doch durch Esthers Einschreiten fiel er in Ungnade, der drohende Pogrom wurde abgewehrt.

Viele Juden betrachten den am Samstag bei einem Luftschlag in Teheran getötete Ajatollah Ali Chamenei als Gesinnungsgenossen und Nachfolger Hamans. Denn wie dieser die Auslöschung der Juden in Persien anstrebte, so will das iranische Regime den jüdischen Staat Israel vernichten.

Möglichst viel Lärm machen

Das Buch Esther wird am Purim-Fest aus einer Schriftrolle vorgelesen – „Megillat Esther“. Da sie als „die Rolle schlechthin“ gilt, trägt sie oft auch nur die Bezeichnung „Megilla“. Besonders Kinder, aber auch Erwachsene machen bei jeder namentlichen Erwähnung des Frevlers Haman möglichst viel Krach: mit Ratschen, Tuten oder anderen Lärminstrumenten. Im Babylonischen Talmud heißt es im Traktat Megilla (4a): „Frauen sind zum Lesen der Esther-Rolle verpflichtet, denn auch sie waren an diesem Wunder beteiligt.“

Der Name „Purim“ ist auf das hebräische Wort „pur“ zurückzuführen, das „Los“ bedeutet. Denn den für das Gemetzel bestimmten Tag hatte Haman durch das Los ermittelt. Dieses fiel auf den 13. Tag des Monats Adar. Durch einen neuen Erlass des Königs wurden die Juden jedoch ermächtigt, sich gegen ihre Angreifer zu wehren. In Erinnerung an diese Errettung vor der Vernichtung feiern Juden bis heute am 14. Adar das Purim-Fest.

Gott für persönliche Wunder danken

Einen Tag vor dem Fest, am 13. Adar, fasten viele Juden von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Esther hatte nämlich, bevor sie mit ihrem Anliegen vor den persischen König trat, mit ihren Gefährtinnen gefastet und gebetet. Dadurch wollte sie sich auf ihre schwere Aufgabe vorbereiten.

Am Tag nach Purim wird das Fest in allen Städten gefeiert, die seit der Zeit Josuas eine Stadtmauer hatten; dazu gehört auch Jerusalem. Denn in diesen Städten mussten sich die Juden einen Tag länger gegen ihre Verfolger verteidigen und konnten deshalb erst später feiern. Der alternative Feiertag, in diesem Jahr der 4 März, heißt „Schuschan Purim“ – „Purim von Susa“.

Verkleidungen im Mittelpunkt

Eine wichtige Rolle beim Fest spielt das Verkleiden. Aus diesem Grund erinnert Purim ein wenig an Karneval oder Fasching. Viele Mädchen wählen dafür die Figur Esther, aber es gibt neben biblischen Gestalten auch Polizisten, Fantasiefiguren der Kinderliteratur oder Skelette.

Eine beliebte Süßspeise an Purim sind die sogenannten „Hamantaschen“ oder „Hamansohren“. Das dreieckige Gebäck besteht aus Mürbeteig. Es kann unterschiedliche Füllungen enthalten, etwa aus Mohn, Datteln, Pflaumenmus oder Schokolade.

Foto: Israelnetz/mh
Purim-Transparent in Jerusalem: „Dieses Jahr werden wir Chamenei-Ohren essen“

Hoffnung auf Gottes Eingreifen

Juden in Israel oder in der Diaspora zogen und ziehen am Purim-Fest immer auch aktuelle Vergleiche zur Verfolgung während der Nazizeit oder zu Pogromen. Diesmal denken sie an den aktuellen Krieg. Aus der biblischen Darstellung schöpfen sie Hoffnung auf Gottes Eingreifen in großer Bedrängnis.

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Schreiben Sie einen Kommentar

2 Antworten

  1. „Am Purim-Fest erinnern Juden an Gottes rettendes Handeln in biblischer Zeit.“ Für Israel und die Nationen ist immer biblische Zeit, auch ganz aktuell. Ein bisschen wie Karneval, das ist weniger schön.
    Lieber Gruß Martin

    0
  2. Ein sehr interessanter Bericht. So richtig wußte ich über das Fest nicht bescheid. Vielen Dank an Frau Hausen!😃👍
    Und @Untertan: das Sie natürlich wieder etwas zu mäkeln haben ist klar. Bloß nicht mal fröhlich sein. Und das Menschen sich mal verkleiden. Was für ein trauriger Glauben. Und singen darf ich dann wohl auch nicht,es sei denn es ist das Lied des Mose. Und das dann den ganzen Tag! Oh mann!🙈🙈

    0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen