40 Jahre kalter Friede mit Ägypten

Am 17. September 1978 einigten sich Israel und Ägypten im amerikanischen Camp David auf einen Friedensschluss. 40 Jahre später ist der Friede immer noch ein kalter.
Ägyptens Präsident Sadat (l.) und Israels Premier Begin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz 1978 in Washington

Foto: Library of Congress, Wikipedia

Ägyptens Präsident Sadat (l.) und Israels Premier Begin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz 1978 in Washington

KAIRO (inn) – Auf den Tag genau vereinbarten heute vor 40 Jahren der ägyptische Staatspräsident Anwar al-Sadat und Israels Premierminister Menachem Begin einen Friedensvertrag zwischen ihren Ländern. Die Einigung kam unter Vermittlung des US-Präsidenten Jimmy Carter zustande. Am 26. März 1979 wurde der Vertrag unterzeichnet. Für Sadat hatte der Friedensschluss fatale Folgen: Der Präsident fiel am 6. Oktober 1981 einem Attentat politischer Gegner zum Opfer.

Ein Neffe Sadats, der ehemalige Abgeordnete Mohammed Anwar Esmat Sadat, sagt heute über den Frieden: „Es gibt immer noch eine psychologische Barriere zwischen uns und dem israelischen Volk.“ Präsident Sadat „hatte großen Mut und eine Vision für die Zukunft“, aber der Friede sei immer „kalt“ geblieben, erzählt der Neffe gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Der Professor für Politikwissenschaften an der Universität Kairo, Mustafa Kamal Sajed, erklärte laut der Onlinezeitung „Times of Israel“, viele Ägypter begrüßten, dass es keinen Krieg mit Israel gebe. Dennoch blieben sie dem jüdischen Nachbarn weiter feindlich gesinnt. Ägyptens Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen mit Israel und die politische Normalisierung hätten nicht zu einer kulturellen oder allgemeinen Normalisierung geführt. Dieser beunruhigende, aber stabile Status quo spiegele sich auf den Straßen Kairos wider, so Sajed. Dort reduzierten viele Ägypter ihre Antipathie gegenüber Israel auf dessen Politik gegenüber den Palästinensern.

Keine Normalisierung der Beziehungen

Wer sich für eine Normalisierung einsetzt, hat es schwer. Dies bekommen vor allem Künstler oder Sportler zu spüren. Auf sie werde starker Druck ausgeübt, wie der Schriftsteller und Übersetzer ins Hebräische, Nael al-Tukhi, betont. Doch auch Politikern droht hier scharfer Gegenwind – trotz des Friedensvertrages. Zuletzt musste dies der Abgeordnete Tawfik Okascha erfahren. Er hatte den israelischen Botschafter im Februar 2016 zu einem Abendessen in sein Haus eingeladen. Von einem Kollegen wurde Okascha daraufhin mit einem Schuh beworfen. Im Parlament stimmten später zwei Drittel der Abgeordneten dafür, Okascha das Mandat zu entziehen. Ihm wurde vorgeworfen, mit dem Botschafter über sicherheitsrelevante Informationen gesprochen zu haben.

Der kalte Friede wirkt sich auch auf die Wirtschaft aus. Die Touristenzahlen könnten boomen. Doch unter den 3,9 Millionen Urlaubern, die im vergangenen Jahr nach Israel kamen, waren nur rund 7.200 aus dem benachbarten Ägypten.

Von: dn

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