HAZOR (inn) – Tel Hazor ist eine bronzezeitliche kanaanitische Metropole in Obergaliläa nördlich des Sees Genezareth. Es war ein direkter Verbindungsort zwischen Aram und dem antiken Israel. Mehrmals wechselte es zwischen den beiden Staaten. Das macht Tel Hazor zu einem passenden Gebiet für die Untersuchung der früheren Grenzdynamik.
Mit dieser Thematik haben sich Wissenschaftler der Universitäten Haifa, Yale und Kiel beschäftigt und ihre Studie in der Fachzeitschrift „PLOS ONE“ veröffentlicht. Sie untersuchten die Grenzdynamik zur Zeit des 10. bis 8. Jahrhunderts vor Christus und kamen zu dem Ergebnis: Die Grenzgebiete zwischen den beiden Staaten waren durchlässig, selbst während der Konfliktphasen.
Um dies herauszufinden, wurden Ziegen und Schafe zu ihren wichtigsten Ressourcen. Die Analyse von Jahrtausende alten Tierknochen und -zähnen lieferte Erkenntnisse über die Landschaftsnutzung von Hirtenvölkern, die Ackerbau und Tierhaltung betrieben.
Von Weideverhalten auf Grenzdurchlässigkeit
Aus dem Weideverhalten der Tiere schlossen die Forscher auf die Durchlässigkeit der Grenze. Dazu untersuchten sie Strontium-, Kohlenstoff- und Sauerstoffisotope in Ziegenzähnen. Sie werden über Wasser und Nahrung aufgenommen und in den Knochen und Zähnen eingelagert.
Das Verhältnis der Isotope eines Elements gibt Aufschluss über Herkunft, Ernährung und Lebensweise von Tieren und Menschen. So lassen Strontiumisotope etwa Rückschlüsse auf den Boden zu, auf dem jemand gelebt hat. Forscher können damit Migrationsbewegungen nachvollziehen.
Die Ergebnisse verglichen die Wissenschaftler mit Bezugswerten. Sie belegten dadurch, dass die Tiere dauerhaft unterschiedliche Weideflächen nutzten. Dies deutet darauf hin, dass Hirtenvölker die Grenzen auch in Zeiten des Krieges überschritten.
Bibel als schriftliche Quelle
Die Königreiche Israel und Aram befanden sich oft in kriegerischen Auseinandersetzungen miteinander. Auch in der Bibel ist davon zu lesen. In 1. Könige 15,20 (Elberfelder) heißt es etwa: „Und Ben-Hadad hörte auf den König Asa, und er sandte seine Heerobersten gegen die Städte Israels und schlug Ijon und Dan und Abel-Bet-Maacha und ganz Kinneret samt dem ganzen Land Naftali.“
Zu dieser Zeit befanden sich Juda und Israel im Krieg. Ben-Hadad, damaliger König von Aram, mischte sich auf Bitte des judäischen Königs Asa ein und eroberte die genannten israelitischen Gebiete. So auch die Stadt Hazor, die zum damaligen Gebiet von Naftali gehörte.
In Josua 11,10 wird Hazor als „Hauptstadt all dieser Königreiche“ genannt. Sie wurde nach Josua 11,10-13 verbrannt. Auf klar definierte Grenzen kann man auf Basis der schriftlichen Quellen nicht schließen.
Ausgegraben wird die Stätte seit den 1950er Jahren. Bis heute forschen Archäologen weiter. (nhf)
2 Kommentare
Ziegen und Schafe, Lieblingstiere von Marina, unserer Köchin. Ihre Spezialitäten: Ziegenragout montags und Lammbraten samstags. Da freut sich das ganze Hauspersonal.
Die lieben Tierchen ! Ich erinnere mich an Beobachtungen an der DDR-Grenze von hessischer Seite aus. Da hoppelten Hasen und Kaninchen in aller Seelenruhe durch die mörderischen Grenzanlagen. Glücklicherweise lösten die Langohren nicht die Selbstschussanlagen aus.