WM-Bronze für israelische Marathonläuferin Salpeter

Bei der Leichtathletik-WM in Oregon belegt eine israelische Marathonläuferin den dritten Platz. Sie muss sich nur einer Äthiopierin und einer Kenianerin geschlagen geben.
Von Israelnetz
Korir, Gebreslase und Salpeter nach dem WM-Marathon von Oregon

Foto: World Athletics, Twitter

Nach der Siegerehrung: (v.l.) Korir, Gebreslase und Salpeter mit ihren Medaillen

EUGENE (inn) – Die israelische Läuferin Lonah Chemtai Salpeter hat bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften Bronze im Marathon gewonnen. Bei dem Wettkampf in Eugene im US-Bundesstaat Oregon kam sie am Montag hinter einer Äthiopierin und einer Kenianerin ins Ziel. Alle drei Läuferinnen unterboten die beste Zeit, die eine Frau bis dahin bei einem WM-Marathon für die 42-Kilometer-Strecke benötigt hatte.

Die Siegerin Gotytom Gebreslase erreichte das Ziel nach 2:18:11 Stunden. Ihr folgte neun Sekunden später Judith Jeptum Korir. Die Zeit von Salpeter betrug 2:20:18 Stunden. Die bisherige Bestzeit bei einer WM hatte die Britin Paula Ratcliffe 2005 mit 2:20:57 Stunden aufgestellt.

Es ist erst das vierte Mal, dass ein israelischer Leichtathlet bei Weltmeisterschaften eine Medaille gewinnt. Zuerst gelang dies dem Stabhochspringer Alex Averbuch. Er belegte 1999 den dritten und 2001 den zweiten Platz. Später wurde er zweimal hintereinander Europameister. 2015 erhielt Hanna Knyazyeva-Minenko Bronze im Dreisprung. In Oregon ist Israel mit 30 Sportlern vertreten.

„Ein Märchen ist wahr geworden“

Der israelische Premierminister Jair Lapid (Jesch Atid) gratulierte Salpeter auf Twitter zur „historischen Medaille“. „Lonahs Willenskraft und ihre Hartnäckigkeit sind ein Stolz für die israelische Leichtathletik und den gesamten Staat Israel“, schrieb er.

Die israelische Medaillengewinnerin stammt ursprünglich aus Kenia. Kultur- und Sportminister Hili Tropper (Blau-Weiß) erinnerte auf Facebook an die bewegende Biographie der 33-Jährigen: „Lonah Chemtai Salpeter wurde in einen Stamm in Kenia hineingeboren. Sie kam nach Israel, um für den kenianischen Konsul als Haushälterin zu arbeiten. Als sie im Park joggte, erkannte jemand ihr Talent und brachte sie mit einem professionellen Laufverein in Kontakt. Von dort aus wurde sie Israelin und eine Eliteathletin. Ein Märchen ist wahr geworden.”

Derjenige, der die Läuferin „entdeckte“, war der Lauftrainer Moti Misrahi. 2014 heiratete sie einen anderen Coach, Dan Salpeter. Nach ihrem Sieg beim Tel Aviver Marathon erhielt sie 2016 die israelische Staatsbürgerschaft, so dass sie in jenem Jahr bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro für Israel starten konnte. Tropper ergänzte: „Heute hat Lonah die Bronzemedaille bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften gewonnen. Sie hat bewiesen, dass Talent, Entschlossenheit und Ausdauer einen in die höchsten Höhen tragen werden.“

Höhen und Tiefen in der Karriere

Salpeters persönliche Bestzeit liegt bei 2:17:45 Stunden. Die gelang ihr beim Tokio-Marathon im März 2020. Bei der WM 2019 in der katarischen Hauptstadt Doha war die Israelin eine von 28 Läuferinnen, die den Marathon wegen der großen Hitze aufgaben. Anschließend kritisierte sie den Austragungsort der Titelkämpfe.

Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro war Salpeter beim Marathon durch Schulterschmerzen eingeschränkt. Sie stillte damals noch ihren Sohn und litt unter der Last der Muttermilch. Fünf Jahre später in Tokio wurde sie von Bauchkrämpfen geplagt. Sie unterbrach den Lauf, setzte ihn aber fort und erreichte das Ziel als 66. von 88 Teilnehmerinnen. Die Zeit betrug 2:48:31 Stunden.

Ein Wechselbad der Gefühle erlebte die Athletin 2018 bei den Europameisterschaften in Berlin: Zuerst gewann sie Gold über 10.000 Meter. Bei der 5.000-Meter-Distanz hielt sie die vorletzte Runde irrtümlich für die letzte. Sie brach den Lauf ab, verließ ihre Bahn und wurde disqualifiziert. Dabei lag sie auf Medaillenkurs. Die WM-Medaille dürfte Salpeter über frühere Misserfolge hinwegtrösten. (eh)

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Eine Antwort

  1. “Nach ihrem Sieg beim Tel Aviver Marathon erhielt sie 2016 die israelische Staatsbürgerschaft”

    Wow! Und das, obwohl sie gar keine Jüdin ist.

    0

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