„Wie eine Decke über dem Land“

Vor 25 Jahren starben 73 israelische Soldaten beim Zusammenprall zweier Hubschrauber. Das Unglück löste eine Protestbewegung gegen die Militärpräsenz im Libanon aus.
Von Elisabeth Hausen

Foto: Israelisches Militär, Wikipedia

Die Gedenkseite zeigt die 73 Opfer bei ihrer Einberufung

Um möglichen Gefahren auf der Straße zu entgehen, flogen sie mit zwei Hubschraubern in Richtung Libanon, wo sie an zwei israelische Stützpunkte gebracht werden sollten. Genau das wurde ihnen an diesem 4. Februar 1997 zum Verhängnis: Die beiden Hubschrauber stießen noch vor der Grenze zusammen, alle 73 Insassen starben – 65 Soldaten und acht Besatzungsmitglieder. Bis heute ist es der schlimmste Unfall in der Geschichte des israelischen Militärs und auch des israelischen Luftverkehrs.

Die Nachricht vom Tod der Elitesoldaten versetzte Israel in Schockstarre: „Das war wie eine Decke, die über dem Land lag”, erinnert sich eine deutsche Krankenschwester, die damals in Israel arbeitete, an die Atmosphäre nach dem Unglück. Israel sei wie eine Familie. Auch diejenigen, die keines der Opfer persönlich kannten, seien betroffen gewesen und hätten getrauert. Sie als Außenstehende habe die Nachricht vom Tod der vielen jungen Leute ebenfalls einfach nur furchtbar gefunden.

Ähnlich beschreibt es die Nachrichtenseite „Srugim“ in einem Beitrag zum 25. Jahrestag nach dem jüdischen Kalender, dem 28. Schevat: „Man hatte das Gefühl, als gäbe es keinen, der nicht einen der Getöteten gekannt oder von ihm gehört hätte.“ Das jüdische Datum fiel in diesem Jahr auf den 30. Januar.

Foto: Gedenkseite für die 73 Getöteten, Facebook
Israelische Zeitungen mit Berichten über die Katastrophe

Die Verunglückten stammten aus dem gesamten Land und aus allen Gesellschaftsschichten. Die Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) rief einen nationalen Tag der Trauer aus. Die allgemeine Betroffenheit schlug sich auch in den Zeitungen nieder. So titelte „Yediot Aharonot“: „Die 73 Söhne, die nicht zurückkehren werden“. Schlagzeilen wie „Nationale Katastrophe“ oder „Ein Staat in Trauer“ spiegeln wider, was die meisten Israelis empfanden.

Ursache bis heute unbekannt

Die Frage nach dem „Warum” wurde ebenfalls gestellt – wo doch ohnehin schon so viele Menschen wegen Kriegen und Anschlägen starben. „Und es war kein Angriff, sondern ein blöder Unfall”, sagt die christliche Krankenschwester im Gespräch mit Israelnetz. „Da kannst du dich nicht verteidigen. Da kannst du gar nichts machen.“

Zu jener Zeit hatte Israel den Südlibanon besetzt. Die Soldaten sollten zu den Außenposten „Beaufort Castle“ und „Pumpkin“ in der Sicherheitszone gebracht werden. Meist geschah dies mit Konvois. Doch diese „bildeten ein bequemes Ziel für die Hinterhalte der Terroristen und für Straßenbomben“, schreibt „Srugim“. „Einer der Wege, die empfohlen wurden, um die Soldaten auf einem sichereren Weg hinzubringen, war der Flug mit Hubschraubern.“

Bis heute ist nicht abschließend geklärt, wodurch der Unfall ausgelöst wurde. Die „Jerusalem Post“ drückt es so aus: Trotz staatlicher Untersuchung habe das Militär noch keine letztgültige Ursache angegeben. Das verstärke die Trauer der Hinterbliebenen.

Foto: Itzik Edri, Wikipedia | CC BY 2.5 Generic
Das Monument für die Opfer des Unfalls

Ein Helikopter kam im Moschav Schear Jaschuv auf, der als Beobachtungspunkt in Galiläa diente. Der andere schlug auf offenem Feld nahe des Kibbutz Dafna auf. In Schear Jaschuv erinnert ein Denkmal an die Katastrophe. 73 Findlinge tragen die Namen der Getöteten, in ihrer Nähe ist ein kleines Wasserbecken.

Trauernde Mütter gründen Protestbewegung

Zwei Monate nach dem Unglück entstand aus den Reihen der Hinterbliebenen eine Protestbewegung gegen die israelische Präsenz im Südlibanon: „Arba Imahot“ – „Vier Mütter“. Wie sehr sie dazu beigetragen hat, dass sich Israel am 24. Mai 2000 tatsächlich aus dem Gebiet zurückzog, lässt sich heute schwer feststellen. Die Mutter Orna Schim’oni ist jedenfalls davon überzeugt, dass die Bewegung ein wichtiger Faktor für die Entscheidung war. Ihr Sohn Ejal fiel im September 1997 im Libanon.

Der Nachrichtenseite „Davar1“ erzählte die Israelin von der Entwicklung, die „Arba Imahot“ erlebt habe: Am Anfang habe es viel Widerstand gegeben, „als wir an den Kreuzungen standen und zum Rückzug von dort aufriefen“. Dies habe sich im Laufe der Jahre geändert. Die Aktivistinnen organisierten Korsos mit Fahrrädern, Traktoren, Jeeps und Taxis. Dadurch erhielten sie viel Aufmerksamkeit in der Presse. Als wichtigen Wendepunkt sieht Schim’oni die Zeit, als sich Männer der Bewegung anschlossen. Unter ihnen seien ehemalige Soldaten gewesen.

Die Mutter sprach auch von der stetig ansteigenden Zahl der Soldaten, die im Südlibanon fielen. Sie hätten mit dazu beigetragen, dass die Regierung unter Netanjahus Nachfolger Ehud Barak (damals Arbeitspartei) die Truppen aus dem Gebiet abzog. „Wir waren ein Katalysator, aber die Entscheidung für den Abzug kam von Barak“, meint Schim’oni.

Theologischer Aspekt

Das Unglück hat auch einen interessanten theologischen Aspekt, der viele Juden bewegte. Der damals aktuelle Wochenabschnitt (Parascha) in der Tora war der Abschnitt „Jitro“ (2. Mose 18,1–20,23). Zu jeder Parascha gehört ein Text aus den Propheten, die Haftara. Zu diesem Abschnitt steht sie in Jesaja 6,1–7,6 und 9,5–6. Dieser Text stellt einen direkten Bezug zu der Katastrophe her. Denn der dort erwähnte Sohn des Propheten heißt wie einer der beiden Absturzorte. Außerdem ist von zwei rauchenden Brandscheiten die Rede, die zu den abgestürzten Hubschraubern passen.

In Jesaja 7,3–4 steht geschrieben: „Aber der HERR sprach zu Jesaja: Geh hinaus, Ahas entgegen, du und dein Sohn Schear-Jaschub, an das Ende der Wasserleitung des oberen Teiches, an der Straße beim Acker des Walkers, und sprich zu ihm: Hüte dich und bleibe still; fürchte dich nicht, und dein Herz sei unverzagt vor diesen beiden Brandscheiten, die nur noch rauchen, dem glühenden Zorn Rezins und der Aramäer und des Sohnes Remaljas.“

Der Name Schear Jaschuv indes bedeutet: „Ein Rest wird zurückkehren“. Den 73 Insassen der beiden Hubschrauber war die Rückkehr nicht vergönnt.

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6 Antworten

  1. Da sprach Jesus zu ihm: “Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn alle, die das Schwert ergreifen, werden durch das Schwert umkommen.”

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    1. Das sagen Sie mal der Hisbollah. Wie sagte der Top-Terrorist Nasrallah nach dem letzten Krieg mit Israel?
      “Hätte ich gewusst, dass die Israelis so reagieren, hätte ICH den Krieg NICHT BEGONNEN”

      Wenn es nicht zuviel Mühe macht suchen Sie mal nach der Bibelstelle, in der Jesus seine Jünger aufforderte ein Schwert zu kaufen. Und wozu.

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      1. “Der Herr hat damit nicht gemeint, dass seine Jünger sich mit Schwertern buchstäblich verteidigen sollen. Das wird im Garten Gethsemane sehr deutlich, als Jesus das Ohr von Malchus heilte, das der übereifrige Petrus abgehauen hatte, und er zu Petrus sagte: „Stecke dein Schwert an seinen Platz; denn alle, die das Schwert nehmen, werden durch das Schwert umkommen.“
        Die Jünger hatten eine Einzelheit aus den Belehrungen herausgepickt und dachten, sie sollten sich mit Schwertern verteidigen. Das war nicht korrekt.”
        https://www.bibelstudium.de/articles/1775/genau-lesen-78-kaufe-ein-schwert.html

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  2. Wer versucht, die Situation im Nahen Osten mithilfe von Bibelstellen zu erklären, kann auch gleich Grimms Märchen zur Hilfe nehmen, um dasgeschehen zu deuten Welt . Leute! Wacht mal auf aus euren evangelikalen Tagträumen! Wir leben im 21. Jahrhundert. Schon gemerkt?

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