Werbekampagne mit Israeli: Boykott-Aufrufe gegen Adidas

Ein Israeli beteiligt sich an einer Adidas-Werbekampagne für Amputierte. Da er sein Bein als Soldat verlor und Palästinenser nicht berücksicht werden, gibt es Boykott-Aufrufe.
Von Israelnetz

HERZOGENAURACH (inn) – Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas hat für eine Werbekampagne um Entschuldigung gebeten, bei der ein ehemaliger Israeli im Mittelpunkt steht. Er präsentiert einen Einzelschuh für Beinamputierte. Dies stieß bei pro-palästinensischen Aktivisten auf Kritik.

Die Kampagne läuft nur in den israelischen Filialen. Schalev Biton und zehn andere Amputierte präsentieren den Einzelschuh auf Plakaten, die dort aufgehängt wurden.

Biton wurde am 12. Mai 2021 während der elftägigen Operation „Wächter der Mauern“ schwer verwundet, mit der Israel auf Aggressionen der Hamas reagierte. Eine Panzerabwehrrakete aus Gaza traf ein Militärfahrzeug auf der israelischen Seite. Sein Kamerad Omer Tabib wurde getötet. Biton verlor ein Bein und läuft seither mit Prothese.

Vielkritisiertes Video

Auf Instagram veröffentlichte er ein privates Video auf Hebräisch, in dem er den Service lobte: Es bedeute ihm viel, dass er in der Lage sei, für nur einen Schuh zu zahlen, statt ein ganzes Paar zu kaufen. In dem Video war er erst in einem Schuhgeschäft zu sehen, dann lief er draußen mit einem Schuh und einer Prothese. Er erwähnte weder seinen Armeedienst noch den Angriff, bei dem er sein Bein verloren hatte.

Dennoch löste das Video eine Welle der Kritik in den Sozialen Medien aus. Aktivisten forderten einen Boykott gegen Adidas. Viele behaupteten fälschlicherweise, Biton sei in die aktuellen Kämpfe in Gaza verwickelt gewesen, heißt es auf der Nachrichtenseite „Times of Israel“. Damit habe er sich am „Völkermord“ beteiligt.

„Tragödie palästinensischer Opfer ignoriert“

Die Aktivistengruppe „Eye on Palestine“ schrieb am Donnerstag, die Entscheidung für Biton habe „eine Welle von Ärger und scharfer Kritik ausgelöst, da sie einen Soldaten ins Licht rückt, der in der Besatzungsarmee dient – die für dem höchsten Prozentsatz an amputierten Kindern in der Welt verantwortlich ist. Dabei ignoriert sie völlig die Tragödie palästinensischer Opfer, die ihre Glieder als Folge der andauernden Aggression verloren haben.“

Stephanie Westbrook ist Koordinatorin von Sportboykotten für die Palästinensische Kampagne für den Akademischen und Kulturellen Boykott Israels (PACBI). Diese gehört zur anti-israelischen Boykottbewegung BDS (Boykott, Desinvestion, Sanktionen). Die Aktivistin sagte dem katarischen Sender „Al-Dschasira“, solche Werbekampagnen seien gefährlich. Sie könnten „Israels Verbrechen gegen Palästinenser normalisieren und zulassen, dass sie weiter straflos begangen werden“.

Westbrook fügte hinzu: „Hier haben wir eine Adidas-Kampagne, die einen israelischen Soldaten herausstellt, dessen gesamte Identität sich darum dreht, ein Soldat zu sein. Er verlor sein Bein, während er an einem der wiederholten Angriffe auf Gaza teilnahm. Dabei diente er in der Armee eines Staates, der zur Zeit einen Völkermord verübt, eine illegale Militärbesatzung des palästinensischen Gebietes durchgeführt hat und Palästinensern ein jahrzehntelanges Apartheidregime auferlegt hat.“

Israels „mittelalterliche Blockade verhindert, dass Prothesen in den Gazastreifen gebracht werden“. Dadurch entstehe eine menschengemachte Knappheit, sagte die in Rom lebende US-Amerikanerin weiter. Israel hat indes immer wieder betont, dass es die Einfuhr von medizinischen Gütern in die Küstenenklave ermöglicht.

„Ich verbrenne jedes Adidas-Produkt“

Der palästinensische Aktivist Abir Khatib, der mehr als 300.000 Anhänger bei X hat, gab vergangene Woche bekannt: „Ich verbrenne jedes Adidas-Produkt, das ich besitze.“

Die Werbekampagne begann im Januar in Europa. Später weitete Adidas sie auf andere Regionen aus. Am Sonntag betonte der Sportartikelhersteller als Antwort auf eine Anfrage der „Times of Israel“, der Einzelschuh-Service sei nicht nur für israelische Soldaten gedacht. Es handele sich um eine weltweite Kampagne. „Wir sind uns dessen bewusst, dass in den vergangenen Tagen Deutungen das Ziel des Service falsch dargestellt haben. Es ist wichtig, klarzustellen, dass dies eine weltweite Initiative ist, die Auswahl und Zugang für Athleten und Kunden in aller Welt ausweiten soll.“

Mittlerweile hat Adidas eine Erklärung veröffentlicht, in der allerdings Israel nicht vorkommt: „Wir anerkennen, dass ein Bild, das neulich in einer örtlichen Markenaktivierung vom örtlichen Team verwendet wurde, Besorgnis und scharfe Reaktionen herbeigeführt hat. Es war nie unsere Absicht, jemanden zu beleidigen. Wir bitten um Entschuldigung für jeden, der betroffen ist.“

Der Einzelschuh-Service solle Inklusion fördern. Von Europa aus breite er sich weiter aus über Europa, Asien und den Nahen Osten – „die Vereinigten Arabischen Emirate, Palästina, den Libanon, Saudi-Arabien, Kuwait, Katar und Ägypten eingeschlossen“. Das Unternehmen werde weiter „zuhören, lernen und arbeiten, um sicherzustellen, dass unsere Aktionen die inklusiven Werte widerspiegeln, für die wir stehen“. (eh)

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