Wenn Kochen Grenzen überwindet

In einem Sommercamp lernen israelische Teenager Kochen. Dabei kommen Juden und Araber miteinander ins Gespräch – und knüpfen Freundschaften.
Von Israelnetz

BEN SCHEMEN (inn) – Gemeinsam kochen für den Frieden: Etwa 40 jüdische und arabische Teenager aus ganz Israel haben in der vergangenen Woche an einem Sommerlager teilgenommen. Im zentralisraelischen Jugenddorf Ben Schemen erlebten sie Schulungen mit professionellen Köchen – und kamen dabei miteinander ins Gespräch.

Auch ein Jude aus New York war dabei, er besucht während der Sommerferien Verwandte in Israel. Der junge Amerikaner, Uri, war nach dem Lager begeistert: Alle Teilnehmer seien freundlich gewesen. Er wolle viele von ihnen wiedersehen und sei sicher, dass sie viele Jahre lang befreundet sein würden.

Dabei hätten sich die Teenager nicht gescheut, auch schwierigere Themen anzusprechen, erzählte er der „Jerusalem Post“. So hätten sie etwa ihre Perspektiven zu Frauenrechten und regionalen Konflikten miteinander geteilt.

Das Koch-Friedenslager ist eine Initiative des Grünen Netzwerkes. Die Organisation wurde 1988 gegründet. Sie fördert Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Unter anderem berät sie Kommunen im Umgang mit dem Klimawandel und bietet Fortbildungen für Pädagogen an. Nachhaltige Kochpraktiken und Informationen über Ernährungskunde gehörten zum Programm.

Verschiedenheit als Element der israelischen Gesellschaft

In einer Abschlusszeremonie am Freitag konnten die Teilnehmer ihre neu erworbenen Kenntnisse präsentieren. Die Leiterin des Lagers, Myriam Charbit, sagte, es sei vor allem darum gegangen, Dialog und Beziehungen aufzubauen. In Israel gibt es verschiedene Schulzweige; arabisch und jüdische Schüler haben in der Regel getrennt voneinander Unterricht.

„Wir haben Mitarbeiter aus allen Hintergründen der israelischen Gesellschaft“, fügte Charbit hinzu. Es gebe arabische und jüdische Schulungsleiter – selbst ultra-orthodoxe Juden seien dabei. Die Verschiedenheit sei ein Element der israelischen Gesellschaft, „das uns besser macht, reich macht, interessant macht“.

Kochen hält sie für ein ideales Mittel, um Brücken zwischen Menschen zu bauen: „Kochen öffnet die Augen. Beim Kochen geht es um Freude, Verbindung, Zusammensein, Reden und Lachen und den Austausch von Erfahrungen. Wenn man zusammen kocht, kann man sich gegenseitig Dinge beibringen.“

Folgen Sie uns auf Facebook und X!
Melden Sie sich für den Newsletter an!

Die Muslima Maram Junis arbeitet seit fast zehn Jahren für die Organisation. Auch beim Lager half die Mutter von drei Kindern aus Nordisrael mit. „Es war uns wichtig, uns auf Werte zu stützen, die beiden Seiten wichtig sind, der arabischen und der jüdischen“, sagte sie. „Für jede Gruppe hatten wir zwei Dozenten: einen jüdischen, einen arabischen.“

„Eine unglaubliche Liebessprache“

Eine Teilnehmerin war die Jüdin Noga aus Tel Aviv. Sie meint: „Nahrung ist so eine unglaubliche Liebessprache.“ Die Teilnehmer hätten ähnliche Interessen sowie den gleichen Geschmack bei Musik und Essen. Sie hätten viel übereinander gelernt. „Es zeigt einfach, dass wir alle die gleichen Menschen sind.“

Nuran ist eine 15-jährige Muslima aus Akko. Sie tauschte sich während des Lagers mit einem jüdischen Jungen über ihre jeweilige Religion aus. Dabei hätten sie voneinander lernen und falsche Vorstellungen korrigieren können.

Überrascht war die Araberin indes darüber, dass jemand jüdisch sein könne, aber nicht an Gott glauben: „Die Grundlage des Islam ist es, an Gott zu glauben. Wenn man nicht grundsätzlich an Gott glaubt, ist man kein Muslim. Aber in ihrer Religion ist es in Ordnung, nicht an Gott zu glauben und immer noch jüdisch zu sein.“

Auch die 16-jährige Retal aus der israelischen Stadt Taibeh hat am Koch-Lager teilgenommen und war begeistert: Die anderen Teilnehmer seien „mehr als nur Freunde“ geworden, es habe sich „wie ein Zuhause“ angefühlt. „Ich habe viel gelernt“, ergänzte sie. „Wir sind eine Nation. Wie eine Familie.“

Singen in zwei Sprachen

Als Schulungsleiterin beteiligte sich Dscholjana Khalil an dem Sommerlager. Die arabische Christin aus Eilabun im Norden war zunächst Anwältin. Doch sie wechselte ihren Beruf und machte in Tel Aviv eine Ausbildung zur Köchin. Danach erhielt sie ein Stipendium, um Kochkunst und Management in Frankreich zu studieren. Das Sommerlager war das letzte Projekt dieses Programmes.

Die von ihr geleiteten Schulungen hätten Verbindungen zwischen jüdischen und arabischen Teenagern geschmiedet, sagte sie der „Jerusalem Post“. Die Jungen und Mädchen hätten auf Hebräisch und Arabisch interagiert – und beim Kochen in beiden Sprachen gesungen. „Das war so schön.“ (eh)

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Schreiben Sie einen Kommentar

5 Kommentare

  1. Es freut mich, dass israelische und arabische Teenager sich in einem Sommercamp näherkommen. Ich war als 14-jährige in einem Sommercamp und habe heute noch Alpträume davon. In Gesprächen mit Frauen aus Matchokulturen erzähle ich manchmal davon und die Frauen sind erstaunt, dass auch deutsche Männer gewalttätig sein können.

  2. Das beste Beispiel dafür, dass man in Sommerlager etwas sinnvolleres tun kann, als den Umgang mit Waffen lernen und Hassparolen zu schmieden. Und so schön zu sehen, dass Israund Araber sehr wohl miteinander können.
    Nahrung ist eine Sprache der Liebe. Wer liebt auch nicht Falaffel und Humus.😋
    Wäre gern dabei gewesen, beim Kochen, Singen, Fröhlichsein und beim Austausch von Gedanken und Gefühlen. Und der Herr war mitten unter ihnen. Auch so finden Ungläubige Zugang zum Glauben.

  3. Die früher in den USA und in den EU-Staaten weit verbreitete Szene russischsprachiger Menschen sowie die Minderheit der Roma sind Matchokulturen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen