Was lernen Schüler in Katar über Juden und Israel?

Katarische Schulbücher vermitteln antisemitische Inhalte. Vorangegangene Versuche, Aussagen zu entschärfen, wurden nicht weitergeführt. Judenfeindliche Stereotype lernen schon die Kleinsten.
Von Israelnetz
Doha von oben

DOHA (inn) – Schulbücher in Katar stellen Juden negativ dar: als materialistisch, doppelzüngig und daher als nicht vertrauenswürdig. Zudem lehren sie antisemitische Verschwörungstheorien, verherrlichen das Märtyrertum und unterstützen den gewalttätigen Dschihad.

Das geht aus einer Studie des israelischen Instituts zur Beobachtung von Frieden und kultureller Toleranz an Schulen (IMPACT-se) hervor, die im Februar veröffentlicht wurde. Die Organisation analysierte hierfür insgesamt 52 katarische Textbücher für das Schuljahr 2025/2026 und verglich sie mit früheren Auflagen.

Konnte IMPACT-se in den Büchern für das Schuljahr 2021/2022 noch kleine Verbesserungen feststellen, die zarte Hoffnung auf Normalisierung aufkommen ließen, herrscht seit nunmehr vier Jahren Stillstand.

Religiös und politisch motivierter Judenhass

Die Textbücher für Schüler von der 1. bis zur 12. Klasse lehren etwa, dass Juden dem Islam gegenüber feindselig eingestellt sind und somit „natürliche“ Feinde der Muslime sind. Zudem werden ihnen negative Charaktereigenschaften wie Lügen, Intriganz oder Feigheit zugeschrieben.

Geht es um den israelisch-palästinensischen Konflikt, greifen katarische Schulbücher für Erklärungsmodelle auf klassische antisemitische Tropen zurück. So werden Juden als zynische Weltenlenker dargestellt, die sowohl über politische Macht als auch große finanzielle Ressourcen verfügen.

Über die Balfour-Deklaration lernen Schüler der 12. Klasse zum Beispiel, dass die britische Regierung sich damit vor allem bei russischen und amerikanischen Juden anbiedern wollte. Damit werde das Bild von politisch mächtigen und finanzkräftigen Juden evoziert, schreiben die Forscher.

Keine Koexistenz mit Juden

Die katarischen Schulbücher leugnen, dass Juden eine historische Beziehung zu der Region haben. Auch wird ihnen das Recht auf Selbstbestimmung abgesprochen. So sprechen Texte über die Koexistenz von Christen und Muslimen in Jerusalem und dem Heiligen Land. Juden hingegen kommen in dieser Erzählung gar nicht vor. Werden sie doch erwähnt, dann sind sie „zionistische Aggressoren“, „Besatzer“ oder schlicht „Feinde“.

Im Arabischunterricht lernen Schüler Gedichte, die dazu auffordern, „das Schwert zu ziehen“ und ihr Leben im Kampf gegen den „zionistischen Feind“ zu opfern. Im Geschichtsunterricht werden Angriffe von Terror-Organisationen wie Hamas zu „militärischen Operationen“ verklärt.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass sich in Katars Schulbüchern „ein Muster der systematischen Wiederholung antisemitischer Narrative, religiöser Intoleranz und der Normalisierung des gewalttätigen Dschihad“ zeige. Dies widerspreche öffentlichen Stellungnahmen seitens katarischer Vertreter, in denen sie Antisemitismus verdammen und sich für eine „Zwei-Staaten-Lösung“ aussprechen.

Widerspruch zwischen Schulbildung und öffentlichen Äußerungen

Das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 habe diesen Widerspruch noch deutlicher hervortreten lassen. In den Folgemonaten des Terrorüberfalls organisierten Schulen in Katar Veranstaltungen, in denen „aufrührerische und antisemitische“ Botschaften vermittelt wurden, heißt es in der Studie. Im staatlichen Fernseher habe es sogar Programme für junge Kinder gegeben, die Juden dämonisierten, Gewalt gegen sie rechtfertigten und zum Märtyrertum aufriefen.

„Die katarische Außenpolitik hat mit strategischen Beziehungen zu westlichen Regierungen und den nachhaltigen Verbindungen zu islamistischen Bewegungen und Akteuren in der Region lange balanciert.“ Die Spannung, die dadurch erzeugt werde, spiegele sich entsprechend im Bildungssystem des Landes wider, schreiben die Autoren. (mw)

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5 Antworten

  1. Leider nichts Neues unter der Sonne. Auch die Doppelzüngigkeit der arabischen Regierungen sollte altbekannt sein. Sie sagen auf Englisch/Französisch etwas und etwas anderes, gerne das genaue Gegenteil, auf arabisch. Und natürlich gilt, was auf arabisch gesagt wird, das ist schliesslich die Sprache des Propheten…

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  2. Lehrbücher an Schulen und anderen Lehreinrichtungen müssen Lehrinhalte neutral und dem neusten Wissenstandard entsprechend darstellen.

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  3. Einfach nur grauenhaft.

    „Dies widerspreche öffentlichen Stellungnahmen seitens katarischer Vertreter, in denen sie Antisemitismus verdammen und sich für eine „Zwei-Staaten-Lösung“ aussprechen.“

    Jetzt wissen wir, warum sich die katarischen Vertreter für eine „Zwei-Staaten-Lösung“ aussprechen.

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  4. Katar ist als Vermittler im Nahost-Konflikt und Vertreter im Friedensrat in aller Munde, ist aber nichts anderes als ein islamistisch geführtes Land, das die Juden bezwingen möchte. Es erkennt Israels Existenzrecht offiziell nicht an, unterstützt die Hamas und lehrt Kindern ein Feindbild zu Israel. Ist auch nichts neues, davon berichtete früher schon Konstantin Schreiber. Ausserdem ist Katar wichtigster Unterstützer von UNRWA.
    Ein positiver Schritt auf demCDU-Parteitag, CDU fordert Zahlungsstopp an die UNRWA und keine Schulbücher mit antisemitischer Hetze. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass diese Beschluss ein gemeinsames Regierungsziel wird, denn SPD mit Radovan werden sich entschieden dagegen stellen.

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