„Wall Street Journal“: Israel hatte geheimen Militärstützpunkt im Irak

Nach Medienberichten operierte die israelische Armee im Irankrieg von einem geheimen Außenposten im Irak aus. Dabei wurde der Stützpunkt beinahe entdeckt. Die irakische Regierung widerspricht dem Bericht. Israels Militär will sich nicht dazu äußern.
Von Israelnetz
Israelische Luftwaffe auf dem Weg in den Iran

BAGDAD / JERUSALEM (inn) – Einem Bericht des „Wall Street Journals“ zufolge hat Israel während des Irankriegs einen geheimen Militärstützpunkt im Irak unterhalten. Die Armee soll ihn im Februar in der Syrischen Wüste rund 180 Kilometer südlich der Stadt Karbala gebaut haben. Er habe als logistisches Zentrum für die Luftwaffe gedient, schrieb die US-amerikanische Zeitung am Samstag.

So soll die israelische Armee dort Spezialeinheiten und Rettungsteams stationiert haben. Ihre Aufgabe: Piloten bei möglichen Abschüssen aus der Gefahrenzone herauszuholen. Auch ein bislang ungeklärter Vorfall, bei dem im März ein irakischer Soldat getötet wurde, soll auf die Existenz des Stützpunkts zurückzuführen sein. 

Damals habe der Irak angenommen, dass die USA für den Angriff verantwortlich seien. Der stellvertretende Befehlshaber des irakischen Einsatzführungskommandos Kais al-Muhammadawi verurteilte ihn als „rücksichtslose Operation, die ohne Koordination oder Erlaubnis durchgeführt“ wurde.

Laut „Wall Street Journal“ waren die Vereinigten Staaten jedoch nicht involviert. Vielmehr soll die israelische Luftwaffe den Angriff ausgeführt haben, um den Standort vor Entdeckung durch herannahende irakische Truppen zu schützen. Diese wurden zuvor von einem Hirten auf ungewöhnliche militärische Aktivitäten aufmerksam gemacht.

Kritische Zeit für irakische Regierung

Nach Angaben der irakischen Nachrichtenagentur INA widersprach der Chef der irakischen Regierungsstelle für Informationskoordination Sa’ad Ma’an am Sonntag dem Bericht. Demnach habe das irakische Militär die Region nach dem tödlichen Vorfall vom März durchsucht und nichts gefunden. Die Untersuchungen fanden im April und Mai statt.

Der Bericht des „Wall Street Journal“ erscheint in einer für den Irak kritischen Zeit. Erst im April ernannte Staatspräsident Nisar Amedi (Patriotische Union Kurdistans) den bislang noch weitgehend unbekannten Geschäftsmann Ali al-Saidi zum Premierminister und beauftragte ihn mit der Regierungsbildung.

Er übernimmt das Amt im Auftrag des Bündnisses Schiitischer Parteien (CF) und muss schiitische, sunnitische und kurdische Akteure an einen Tisch bringen. Nach Angaben der israelischen Zeitung „Jerusalem Post“ übt die US-Regierung zudem Druck auf Bagdad aus, irannahe Milizen zu entwaffnen. Diese führten mehr als 1.000 Angriffe auf die autonome Republik Kurdistan und US-Stellungen während des Irankriegs aus. Unter anderem attackierten sie die amerikanische Botschaft in Bagdad. Das US-Militär antwortete darauf mit Luftschlägen auf eine Kommandozentrale und tötete 15 Personen. 

Experten befürchten nun, dass schiitische Gruppen den Bericht über den Stützpunkt nutzen könnten, um Stimmung gegen die neue irakische Regierung zu machen. Der Irak unterhält eine strategische Beziehung zu den USA und betrachtet Israel als Feindstaat. Zugleich ist er mit dem Iran diplomatisch verbunden. 

Eine Operation israelischer Truppen vom irakischen Staatsgebiet aus wäre demnach nicht nur eine Untergrabung der staatlichen irakischen Souveränität, sondern auch eine Blamage für die neue Regierung. Die israelische Armee will den Bericht des „Wall Street Journals“ nicht kommentieren, schreibt die israelische Nachrichtenseite „Times of Israel“. (mw)

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Schreiben Sie einen Kommentar

9 Kommentare

  1. Und somit eröffnen sich viele Möglichkeiten der False Flag Operationen. Ein weiterer Punkt von vielen welcher Israel wohl nicht unbedingt zugute kommen wird.

    3
      1. Es gibt vielerlei Möglichkeiten Klaus. Das weißt du. Eine geheime Militärbasis auf souveränem Gebiet verletzt in erster Linie schon wahrscheinlich unzählige Chartas. Mindestens ein Soldat wurde auch schon mit Luftangriffen getötet, nur um die Basis geheim zu halten.
        Wer weiß, was noch alles. Aber die Liste ist jedenfalls lang.
        Es hätten Parteien in den Krieg gezogen werden können, welche nichts damit zu tun haben wollten.

        1
        1. Das ist schon richtig, aber dabei ist Israel nur dem Beispiel der Supermächte und der Großmächte gefolgt. Die hatten dahingehend auch wenig Skrupel, alle, wie sie da sind. Und ein kleines Volk ,welches sein Überleben sichern will, kann sich kaum Skrupel erlauben im Kampf gegen einen Feind, dessen Vernichtungsabsicht absolut und ultimativ ist laut dessen eigenem Bekunden und ich nehme nicht an, daß Sie die Absichten dieses Regimes anzweifeln.
          Also muss es tun was notwendig ist, selbst wenn es bedeutet, daß es schmutzig werden könnte. Daß Israel sich beschmutzt hat seit dem schwarzen Shabbat, ist nicht von der Hand zu weisen, aber anders als seine Feinde versucht es das noch zu begrenzen, wenn auch nicht immer mit Erfolg. Der Krieg folgt anderen Gesetzen als die Menschlichkeit. Übel wird es dann, wenn man nach dem Sieg vor der Erkenntnis steht, schlimmer oder grausamer gehandelt zu haben als der Feind.
          Davor muss Israel sich hüten.

          2
  2. Mann, Oh Mann, welch ein Durcheinander.
    Ich trau den IDF duraus eine geheime Basis im Irak zu, warum so weit im Süden, ist mir allerdings rätselhaft. Die kurdisch beherrschten Gebiete sind dafür viel besser geeignet, dort hat Israel viele Freunde.
    Aber wer weiß schon, ob der irakische Kommandeur des Suchkommandos nicht eine Menge Bahkshish für sein negatives Suchergebnis in Empfang genommen hat.

    8
  3. Verwirrung ist auch eine militärische Strategie. Niemand weiß, ob Israel Atomwaffen besitzt. Ich persönlich glaub nicht daran. *SHALOM

    1
    1. Die Israelis haben Nuklearwaffen, man weiß nur nicht wieviele. Die Amis haben diesbezüglich vor Jahrzehnten Dimona einen Inspektionsbesuch abgestattet, dabei sind die Inspektoren so gründlich verarscht worden, daß es erst durch Mordechai Vanunu ruchbar wurde was da hinter blinkenden und blitzenden Schaltwänden und vermauerten und geschickt auf alt getrimmten Wänden und Zugängen in die tiefgelegenen Bereiche verborgen war. Darüber hinaus waren die auferlegten Bedingungen für die Inspektoren so streng, daß weitere Inspektionen als sinnlos erachtet und bald darauf eingestellt wurden. Erst Vanunu hat mit seiner Aktion die Doppelnutzung auffliegen lassen. Ich nenne ihn deswegen nicht Verräter, weil schon lange vermutet wurde, daß Israel Nuklearwaffen entwickelt und besitzt. Man schätzt nach den Auswertungen der Papiere, die Vanunu bei sich hatte, daß es etwa 200 Bomben plus 20 Fusionsbomben sein könnten.
      Vermutlich sind diese Waffen inzwischen zu Sprengköpfen für Raketen umgerüstet worden, aber das ist reine Spekulation.
      SHALOM

      2

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen