BERLIN (inn) – In Israel haben die Menschen verstärkt den Eindruck, dass sich Amtsträger und Politiker korrupt verhalten. Der jüdische Staat fiel bei dem am Dienstag veröffentlichten Korruptionswahrnehmungsindex für das Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um fünf Plätze auf Rang 35. Insgesamt wertete der Verein Transparency International mit Sitz in Berlin 182 Länder und Territorien aus.
Die Herausgeber beklagen eine weltweite Zunahme von Korruption: Nur fünf Länder erzielten demnach mehr als 80 von 100 Punkten; vor zehn Jahren hätten dies noch zwölf Länder geschafft. Fast zwei Drittel der Länder hätten sich seit 2012 signifikant verschlechtert.
Der Punktedurchschnitt liegt bei 42, der schlechteste Wert seit zehn Jahren. Israel erzielte 62 Punkte. Die Region Nordafrika und Nahost verzeichnet einen Durchschnitt von 39. Als Region schnitt Westeuropa mit einem Durchschnitt von 64 am besten ab.
Syrien: Systemische Korruption
Von den israelischen Nachbarländern erhielt Syrien die schlechteste Wertung, das Land kommt mit 15 Punkten auf Rang 172. Die Verfasser stellen hier eine „systemische“ Korruption fest, die schwer zu beheben sei. Der Libanon schafft mit 23 Punkten lediglich Platz 154, Ägypten kommt mit 30 Punkten auf Rang 130, Jordanien mit 50 Punkten Rang 56.
Zur Palästinensischen Autonomiebehörde machte Transparency International keine Angaben. Eine Anfrage von Israelnetz blieb bislang unbeantwortet. Laut einer Ende Januar veröffentlichten Umfrage gaben 87 Prozent der Palästinenser im Westjordanland an, dass es Korruption bei der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) gebe; rund 62 Prozent sprachen hierbei von einem „großen Ausmaß“.
Dänemark erneut an der Spitze
Als von allen Ländern am wenigsten korrupt gilt zum achten Mal in Folge Dänemark: Deutschlands nördlicher Nachbar erzielte für 2025 eine Wertung von 89 Punkten. Es folgen Finnland (88) und Singapur (84). Deutschland erzielte 77 Punkte und stieg von Rang 15 auf Rang 10. Die Schweiz erreicht Platz 6, Österreich Platz 21.
Die Experten greifen zur Erstellung des Index auf 13 unterschiedliche Datenquellen zurück. Zu ihnen gehört etwa die Befragung von Geschäftsleuten durch das Weltwirtschaftsforum oder die Bewertung der Politik einzelner Länder durch die Weltbank.
Umgreifendes Phänomen
Transparency International macht darauf aufmerksam, dass in den schlecht bewerteten Ländern besonders viele Journalisten getötet werden, die zu Korruption recherchieren. Als Beispiel nannten die Experten Saudi-Arabien, wo Turki al-Jasser nach sieben Jahren in Haft hingerichtet wurde. Er hatte 2018 der Königsfamilie Korruption vorgeworfen.
Außerdem weisen die Experten darauf hin, dass der private Sektor bei Korruption im öffentlichen Bereich eine große Rolle spielt. So erhielten korrupte Beamte oft Unterstützung von „professionellen Dienstleistern“ für Geldwäsche.
Erst im November wurde bekannt, dass die israelische Polizei in einem der größten Fälle wegen Korruption ermittelt. Im Zentrum der Untersuchungen steht der Chef des mächtigen Gewerkschaftsbundes Histadrut, Arnon Bar-David. Er musste bis Anfang Februar die Amtsgeschäfte aussetzen. Die Ermittlungen dauern derzeit noch an. (df)