Wadephul auf Blitzbesuch in Israel

Bei einem Besuch macht sich der deutsche Außenminister Wadephul ein Bild von den Auswirkungen der iranischen Angriffe in Israel. Amtskollege Sa'ar dankt für die Solidarität.
Von Israelnetz

JERUSALEM / NIKOSIA (inn) – Als erster Außenminister seit Beginn des Irankrieges am 28. Februar hat Johann Wadephul Israel besucht. Dabei traf der CDU-Politiker am Dienstag auch Angehörige von Israelis, die in Beit Schemesch durch eine iranische Rakete getötet worden waren. Mit dem israelischen Außenminister Gideon Sa’ar (Neue Hoffnung) besuchte er den Ort des Einschlages vom 1. März.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Jerusalem dankte Sa’ar dem Gast für die Solidarität. Sein Besuch „an diesem Tag“ spiegele die Freundschaft mit Deutschland wider. Dankbar sei Israel auch dafür, dass die Bundesrepublik den Prozess angeführt habe, in dem die Europäische Union die Iranische Revolutionsgarde als Terrorgruppe einstufte: „Wir wissen Ihre prinzipientreue Führung in Europa und auf der Weltbühne zu schätzen.“

Angesichts der Militäroffensive gegen das iranische Regime erinnerte der israelische Außenminister an die Worte von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): „Israel macht die Drecksarbeit für uns alle.“ Mit dieser Aussage vom Juni 2025 habe er recht gehabt.

Sa’ar erinnert an frühere Angriffe auf Nuklearanlagen

Sa’ar erinnerte an israelische Angriffe auf Atomanlagen im irakischen Osirak 1981 und in Syrien 2007. Die internationale Gemeinschaft habe Israel dafür kritisiert. Doch die Angriffe hätten verhindert, dass die Machthaber Saddam Hussein und Baschar al-Assad an Nuklearwaffen gelangten. Die Angriffe im Juni und auch jetzt sollten verhindern, dass das gefährlichste Regime an die gefährlichste Waffe gelange. „Nicht zu handeln, war deutlich gefährlicher, als zu handeln, trotz aller damit verbundenen Risiken.“

Die internationale Gemeinschaft „genießt die Folgen unserer Aktionen“, sagte der israelische Minister. „Doch sie ist nicht immer hilfreich, gelinde ausgedrückt, während wir agieren.“ Im Januar habe sie auch den Hilferuf der iranischen Demonstranten im Januar nicht beantwortet.

Zudem nahm Sa’ar Bezug auf die Angriffe der Hisbollah, die sich am Krieg beteiligt. Die libanesische Regierung sei ihrem Versprechen, die Terrorgruppe zu entwaffnen, nicht nachgekommen. „Wir heißen jegliche Freiwillige von der internationalen Gemeinschaft willkommen, die bereit sind, die Hisbollah zu demontieren. Bislang hat niemand – nicht einmal die ruhmreiche UNIFIL – etwas getan, um das Problem zu lösen“, sagte er mit einem Anflug von Sarkasmus. „Leider demonstriert diese Situation die iranische Achse, die als Teil des Planes aufgebaut wurde, Israel auszulöschen.“ Die UNIFIL wurde nach dem Zweiten Libanonkrieg 2006 eingerichtet, um zu verhindern, dass die Hisbollah südlich des Flusses Litani über Waffen verfügt.

Wadephul: Politische Ansätze diskutiert

Zu Wadephuls Besuch schreibt das Auswärtige Amt in Berlin: „Mit Israel und den USA ist sich die Bundesregierung darin einig, dass das militärische Nuklearprogramm und das ballistische Raketenprogramm Irans nachprüfbar beendet werden müssen. Außerdem muss Iran aufhören, die Region zu destabilisieren – das Regime in Teheran unterstützt weiterhin Gruppierungen im Nahen Osten, die Terror gegen Israel verüben, wie die Huthis in Jemen, die Hisbollah in Libanon und die Hamas im Gazastreifen.“

Der Bundesaußenminister sagte auf der Pressekonferenz mit Sa’ar: „Wir haben auch heute die Frage diskutiert, wie es in der Region weitergehen kann, […] auch hin zu politischen Ansätzen und wie verhindert werden kann, dass die Eskalation noch weitere Kreise zieht, noch weitere Länder und ihre Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden. Diese Frage stellt sich vor allem auch auf die Menschen in der Golfregion, die nun Zielscheibe unterschiedsloser iranischer Attacken sind. Die sind unbeteiligt und wollen diese Auseinandersetzung nicht.“

Wadephul sprach zudem die schlechte humanitäre Versorgungslage der Menschen im Gazastreifen sowie die angespannte Situation im Westjordanland an. Dazu gehörten Angriffe extremistischer Siedler auf Palästinenser.

Besuch in Saudi-Arabien

Von Israel reiste Wadephul weiter nach Saudi-Arabien. In der Hauptstadt Riad traf er Außenminister Faisal Bin Farhan al-Saud. Sie berieten über Möglichkeiten, eine politische Lösung für den aktuellen Konflikt zu finden. Ziel sei dabei eine regionale Friedensordnung, die die Sicherheit aller Staaten und Menschen in der Region garantiere und auch zentrale Handelswege schütze.

Im Blick sind dabei insbesondere Seewege wie die Straße von Hormus, eine wichtige Lebensader für den Ölhandel. Der Iran hat diese angesichts des Krieges geschlossen.

Solidarität mit Zypern

Zum Auftakt seiner Reise hatte Wadephul ebenfalls am Dienstag Zypern besucht. In Nikosia beriet er mit Außenminister Constantinos Kombos (parteilos) über die sicherheitspolitische Lage in Nahost. Er bekräftigte Deutschlands „uneingeschränkte Solidarität mit Zypern“.

Aus dem Auswärtigen Amt heißt es: „Die jüngsten Ereignisse, insbesondere der iranische Drohnenangriff auf eine britische Militärbasis in Zypern, haben einmal mehr verdeutlicht, dass der Krieg im Nahen Osten keine zu isolierende Krise ist, sondern auch Europa unmittelbar betrifft.“ Zypern hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne. Es hat den Ausbau der europäischen Verteidigungsfähigkeiten zu einer klaren Priorität erklärt.

Zudem kam Wadephul in Zypern mit dem Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Abdullah Bin Sajed, zusammen. Themen waren die Sicherheitslage in der Golfregion und die Frage, wie eine Energie- und Ölkrise verhindert werden kann. (eh)

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