JERUSALEM (inn) – Der Angriff des Iran auf den amerikanisch-britischen Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean hat viele Beobachter überrascht. Damit haben die Raketen des Regimes eine Reichweite von rund 4.000 Kilometern und nicht nur von 2.000 Kilometern, wie die meisten Analysten bislang angenommen hatten.
Der Angriff vom Freitag erfolgte mit zwei Raketen. Eine stürzte während des Fluges ab, eine weitere wurde von einem amerikanischen Zerstörer abgefangen.
Viele europäische Länder seien bereits über die Möglichkeit besorgt gewesen, dass der Iran sein Raketenprogramm ausbaut, um sie anzugreifen, erklärte Douglas Barrie vom Internationalen Institut für Strategische Studien mit Hauptsitz in London. Aus einer hypothetischen Bedrohung sei nun eine reale geworden.
Israelische Armee: Europäische Hauptstädte in Reichweite
Der israelische Armeechef Ejal Samir sagte am Samstag, damit könne der Iran auch europäische Hauptstädte wie Berlin angreifen. Der Iran habe für den Angriff auf Diego Garcia eine Rakete mit einer zweiten Zündstufe verwendet. Analysten mutmaßen, dass der Iran damit das eigentlich zivile Weltraumprogramm für militärische Zwecke missbraucht hat.
Aus der Armee hieß es weiter, Israel habe bereits bei der Militäraktion „Volk wie ein Löwe“ darauf hingewiesen, dass der Iran die Absicht habe, Raketen mit dieser Reichweite zu entwickeln. Das Regime habe dies geleugnet.
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Netanjahu: Länder müssen sich an Krieg beteiligen
Der Angriff auf den Stützpunkt ist Teil einer weiter eskalierenden Lage im Irankrieg. Allein am Samstag wurden durch iranisches Raketenfeuer auf Israel 200 Menschen verletzt. Besonders im Visier waren die Städte Arad und Dimona. In der Nähe von Dimona befindet sich eine Kernkraftanlage.
Für den israelischen Premier Benjamin Netanjahu (Likud) zeigen die Angriffe, dass der Iran ein „Feind der Zivilisation“ und eine „Gefahr für die ganze Welt“ sei. Bei Besuchen an den Orten der Einschläge rief er andere Länder auf, sich an den Kriegsbemühungen zu beteiligen. Israel und die USA würden nicht nur für sich, sondern auch für andere kämpfen.
In Nordisrael wurde am Sonntag der 60-jährige Landwirt Ofer Moskovitz getötet. Die Hisbollah-Miliz im Libanon beansprucht den tödlichen Angriff für sich. Die Armee untersucht aber, ob er möglicherweise durch eigenes Artilleriefeuer getroffen wurde.
Angriffe auf Kraftwerke angedroht
In der Krise um die Straße von Hormus haben die USA und der Iran indes ihre Drohungen verschärft. US-Präsident Donald Trump (Republikaner) kündigte am Samstag Angriffe auf Kraftwerke an, falls der Iran die Straße nicht binnen zweier Tage freigebe.
Am Montag verlängerte er die Frist um fünf Tage. Grund dafür seien gute Gespräche mit dem Iran. Daher habe er das Militär angewiesen, weder Kraftwerke noch andere Energie-Infrastruktur anzugreifen. Diese Maßgabe sei aber abhängig vom weiteren Verlauf der Gespräche.
Die Iranische Revolutionsgarde erklärte am Montag, sie würden in diesem Fall mit Angriffen auf israelische Kraftwerke sowie auf Einrichtungen zur Versorgung amerikanischer Stützpunkte antworten. Außerdem droht der Iran an, weitere Seeminen zu verlegen, falls die USA die Insel Kharg besetzen oder blockieren. Auf Kharg befindet sich der wichtigste Umschlagplatz für die iranische Ölindustrie.
Bericht: Mossad hat sich verschätzt
Zum generellen Verlauf des Krieges gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Laut einem Bericht der „New York Times“ hatte der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad erwartet, dass die Iraner infolge starker Eröffnungsschläge gegen das Regime einen Umsturz herbeiführten. Doch offenbar scheint die Furcht vor den Sicherheitskräften die Menschen bislang davon abzuhalten.
Der israelische Botschafter in den USA, Michael Leiter, gibt sich hingegen zuversichtlich. Irgendwann gebe es einen Punkt des Zusammenbruchs, sagte er dem amerikanischen Sender CNN mit Verweis auf den Zusammenbruch sowjetischer Staaten. Wenn das Regime weit genug in die Knie gezwungen ist, würden sich auch die Iraner erheben. (df)
3 Kommentare
Netanjahu: „Länder müssen sich an Krieg beteiligen“, sehe ich anders. So wie man den Iranern es überlassen muss, ob sie sich dem Regime nochmal entgegenstellen, so muss man es den Ländern überlassen, ob sie in einen bestehenden Krieg einsteigen. Denn alles andere ist ein Aufruf zum 3. Weltkrieg. Gefragt wären da zuerst mal alle arab. Staaten, die dem nicht viel entgegensetzen sondern dulden, aber von Israel ein WEITER fordern. Mit einer Raketenreichweite von 4000 km hat dieser Krieg eine andere Dimension bekommen. Und mit einer schnellen „Hau drauf-Aktion“ mit nicht durchdachter Strategie ist niemandem geholfen. Dass wir längst alle betroffen sind, leugnet niemand. Aber statt einzusteigen, würde ich gerne nach einem Aus-Knopf suchen. Ich habe zurzeit das Gefühl, es läuft aus dem Ruder. 🙏
Da möchte jemand unbedingt einen 3. Weltkrieg anzetteln. Israel und die USA haben ohne Absprache mit anderen Ländern einen Krieg angefangen, das ist IHR Krieg, andere Länder haben sich da rauszuhalten. Selbst die Länder dessen US Stützpunkte angegriffen wurden, sehen kein Mehrwert darin in den Krieg einzusteigen.
Niemand will einen dritten Weltkrieg entfesseln, das ist purer Bullshit , weil niemand etwas davon hätte.
Und was die angegriffenen Golfanrainer betrifft, so halten die sich nach eigenem Bekunden alle Optionen offen, auch einen Einstieg in den Krieg.
SHALOM