JERUSALEM (inn) – Mit der größten militärischen Aufstellung in Nahost seit dem Jahr 2003 üben die USA derzeit gewaltigen Druck auf den Iran aus. Flugzeugträger, Zerstörer und weitere Militäreinheiten bringen sich in Stellung oder sind dort bereits positioniert. Laut der amerikanischen Zeitung „Wall Street Journal“ ermöglicht diese Streitmacht einen längeren Einsatz als im Juni bei dem Angriff auf Nuklearanlagen.
Der amerikanische Sender CBS berichtet unter Berufung auf informierte Kreise, dass sich das amerikanische Militär ab Samstag für einen Angriff bereit sieht. Allerdings sei es unwahrscheinlich, dass er dann auch erfolgt. US-Präsident Donald Trump (Republikaner) habe noch keine endgültige Entscheidung gefällt.
Wie in solchen Szenarien üblich gehört Unsicherheit zur Taktik. Derzeit verhandeln die USA mit dem Iran über das Atomprogramm. Gut möglich, dass die militärische Drohkulisse das gewünschte Ergebnis herbeiführen soll.
Andererseits steht die Zusage Trumps im Raum, den iranischen Demonstranten, die den Sturz des Regimes fordern, zu helfen. Vor gut einer Woche sagte er, ein Sturz des Regimes sei das Beste, was passieren könne.
Russland: Angriff hätte schwerwiegende Konsequenzen
Der oberste Führer im Iran, Ajatollah Ali Chamenei, warnte die USA indes vor einem Angriff. Kriegsschiffe seien zwar gefährlich, doch noch gefährlicher sei die Waffe, die sie auf den Grund des Meeres bringe, schrieb er am Dienstag auf X.
Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow warnte die USA. In einem am Mittwoch veröffentlichten Interview des saudischen Senders „Al-Arabia“ sagte er, ein Angriff könne „schwerwiegende Konsequenzen“ mit sich bringen.
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Stimmen aus dem Iran
Der israelische Fernsehsender „Kanal 12“ veröffentlichte am Mittwoch Aufnahmen von Gesprächen, die die Redakteure mit drei Iranern führten. Die Stimmen wurden dabei verzerrt wiedergegeben, um eine Erkennung auszuschließen, und auf Schautafeln ins Hebräische übersetzt.
Eine Person stellte sich als „Chamid aus Teheran“ vor. Sie bekundete ihre Hoffnung auf einen entschiedenen und endgültigen Krieg, der das Ende der Islamischen Republik herbeiführe. „Alirsa aus Maschhad“ hofft ebenfalls auf militärische Unterstützung. Sie bat die Israelis, die Stimme für das iranische Volk zu sein.
Der Sender wies zudem darauf hin, dass mit der Nacht zum Donnerstag eine im schiitischen Islam übliche vierzigtägige Trauerperiode um Verstorbene zu Ende gegangen ist. Gemeint ist Zeitraum seit dem Abend des 8. Januar und der folgenden Nacht, als es zur blutigsten Niederschlagung der Demonstrationen gegen das Regime in Teheran kam.
US-Vizepräsident: Rote Linie als Knackpunkt
US-Vizepräsident JD Vance beklagte am Dienstagabend in einem Gespräch mit dem Fernsehsender „Fox“, der Iran sei nicht bereit, über die „rote Linie“ der USA zu sprechen. Er nannte dabei aber nur das übergeordnete Ziel, dass der Iran keine Atombombe erlangen dürfe. Die USA hatten zuvor bereits konkreter gefordert, dass der Iran keinerlei Fähigkeiten zur Anreicherung von Uran haben dürfe. Für die zivile Nutzung der Atomkraft solle er Uran importieren – so wie es die meisten Länder tun.
Der Chef der iranischen Atombehörde betonte am Donnerstag erneut, dass sein Land nicht auf Anreicherung verzichten werde. Diese Fähigkeit sei die Basis für die Atomindustrie, sagte Mohammed Eslami. „Kein Land kann den Iran um sein Recht bringen, friedlich von dieser Technologie zu profitieren.“ Der Iran hatte in der Vergangenheit jedoch Uran zu einem Grad angereichert, wie es nur für Nuklearsprengköpfe nötig ist.
Netanjahu: Ausrüstung für Anreicherung beseitigen
Die Forderung, im Iran keine Anreicherungsfähigkeiten zu belassen, teilen die Israelis. Regierungschef Benjamin Netanjahu (Likud) erhob sie erneut in einer Rede am Sonntag. Es gehe nicht nur darum, die Anreicherung zu stoppen, sondern die Ausrüstung dafür zu beseitigen, sagte er vor Vertretern amerikanisch-jüdischer Organisationen. Das müsse ein Deal mit dem Iran gewährleisten, und dies habe er bei seinem Besuch in Washington deutlich gemacht.
Neben dem Atomprogramm sehe Israel im Raketenprogramm des Iran nach wie vor eine Gefahr, betonte Netanjahu weiter. Als weiteres Ziel sprach er die Zerstörung der iranischen Terrorachse an. Israel habe dieser zwar erheblichen Schaden zugefügt, doch sie sei noch immer vorhanden. (df)
3 Antworten
Noch möchte ich dazu nichts sagen, bei meinen Leuten herrscht angespannte Ruhe. Aber es ist
interessant, daß Iraner Israel bitten, die Stimme für das iranische Volk zu sein, die alte Verbundenheit ist also nicht tot. Das ist ermutigend in Hinsicht auf eine friedliche gemeinsame Zukunft.
SHALOM
Menschlich betrachtet sehnen viele Iraner und vielleicht auch die meisten Israel-Freunde, ein Eingreifen der USA herbei, damit einer der Erzfeinde, der Israel vernichten will, geschwächt wird. Ob sich das geistlich als ein Sieg herausstellen wird, möchte ich stark bezweifeln, weil auch der Hass auf Israel weltweit weiter ansteigen dürfte. Auch dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass Israel auch eine säkulare Regierung hat, die nicht in den Ordnungen Gottes läuft. Spannende Zeiten vor uns – der allmächtige Gott hat alles in seiner Hand.
Lieber Gruß Martin
Atomprogramm und Raketenprogramm des Iran ohne Krieg stoppen?