WASHINGTON / SCHARM EL-SCHEICH (inn) – Alle noch verbliebenen Geiseln sollen in den kommenden Tagen freikommen. Das teilte US-Präsident Donald Trump am Mittwochabend mit.
„Ich bin stolz darauf, verkünden zu dürfen, dass Israel und die Hamas beide die erste Phase unseres Friedensplanes unterzeichnet haben“, schrieb der Republikaner auf der Plattform „Truth Social“. „Dies bedeutet, dass alle Geiseln sehr bald freigelassen werden. Israel wird seine Truppen auf die vereinbarte Linie zurückziehen. Das sind erste Schritte zu einem starken, dauerhaften und immerwährenden Frieden. Alle Parteien werden fair behandelt!“
Dies sei ein großer Tag für die arabische und muslimische Welt, Israel, alle umliegenden Nationen und die Vereinigten Staaten von Amerika, fügte Trump hinzu. „Wir danken den Mediatoren aus Katar, Ägypten und der Türkei, die mit uns gearbeitet haben, um dieses historische und beispiellos Ereignis wahr werden zu lassen. Selig sind, die Frieden stiften!“ Damit zitierte der Präsident aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 5, Vers 8.
Dem Sender „Fox News“ sagte Trump, die Geiseln würden voraussichtlich am Montag freigelassen. Auch die Leichen der toten Geiseln würden an Israel übergeben. Nach unbestätigten Quellen soll es diesmal keine Propaganda-Zeremonien der Hamas geben. Von den 48 völkerrechtswidrig festgehaltenen Geiseln gelten 20 als am Leben.
Rubio überreichte Notiz an Trump
Etwa eine Stunde vor der Bekanntgabe hatte US-Außenminister Marco Rubio (Republikaner) während einer Sitzung im Weißen Haus einen Zettel an Trump übergeben. Pressefotografen befanden sich laut der Nachrichtenseite „Times of Israel“ vor Ort, weil sie mit einer besonderen Verlautbarung rechneten. Auf dem Zettel stand: „Sehr nah. Sie müssen bald einen Truth-Social-Post freigeben, damit Sie den Deal als Erster bekanntgeben können.“
Daraufhin teilte der Präsident vor Journalisten mit: „Mir wurde vom Außenminister gerade eine Notiz übergeben, die besagt, dass wir sehr nah an einem Deal im Nahen Osten sind, und sie werden mich sehr schnell brauchen.“
Nach der Bekanntgabe telefonierte Trump mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu (Likud). Er plant am Wochenende eine Reise in den Nahen Osten. Netanjahu lud ihn zu einer Rede vor der Knesset ein. Aus seinem Büro hieß es, das Gespräch sei „sehr emotional und warmherzig“ gewesen. Sie hätten sich gegenseitig zu der historischen Errungenschaft gratuliert.
Wenige Sekunden nach der Mitteilung hatte Netanjahu einen Beitrag auf X veröffentlicht: „Mit Gottes Hilfe werden wir sie alle nach Hause bringen.“ Es sei „ein großer Tag für Israel“. Er dankte Trump für „Führung, Partnerschaft und unerschütterliche Verpflichtung gegenüber Israels Sicherheit und der Freiheit unserer Geiseln“. Für den heutigen Donnerstag ist eine Kabinettssitzung geplant, um das Abkommen zu bewilligen.
Hamas: „Völligen Abzug der Besatzung herbeiführen“
Die Hamas erklärte, sie habe eine Vereinbarung erreicht, die den Krieg beende, israelische Truppen abziehe und die Lieferung humanitärer Hilfe nach Gaza gewährleiste. Zudem würden palästinensische Häftlinge freikommen. Die Terrorgruppe dankte den Vermittlern, auch Trump: Er habe sich eingesetzt, um „ein vollständiges und endgültiges Ende des Krieges und den völligen Abzug der Besatzung aus dem Gazastreifen herbeizuführen“.
Weiter heißt es in der Mitteilung der Hamas: „Die Opfer unseres Volkers werden nicht vergeblich sein. Wir versprechen, unserer Sache treu zu bleiben und niemals unsere nationalen Rechte aufzugeben, bis Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung erreicht sind.“ Sie rief Trump, die Gewährsländer der Vereinbarung und alle internationalen Parteien auf, „die Besatzung zu zwingen, die Verpflichtungen der Vereinbarung umzusetzen und sie daran zu hindern, die Umsetzung dessen, was vereinbart wurde, zu vermeiden oder zu verzögern“.
Der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Madsched al-Ansari, bestätigte auf X die Vereinbarung und fügte an: „Die Einzelheiten werden später bekanntgegeben.“
Katar gehört bei den Verhandlungen im ägyptischen Scharm el-Scheich zu den Vermittlern. Dort war es am Montag und Dienstag um technische Fragen gegangen. Am Mittwoch führten höherrangige Teams die Gespräche fort. Unter anderem trafen die amerikanischen Sonderbeaufragten Steve Witkoff und Jared Kushner in der Stadt am Roten Meer ein.
Fast 2.000 Häftlinge sollen freikommen
Im Austausch gegen die Geiseln sollen 250 der 303 palästinensischen Häftlinge entlassen werden, die eine lebenslange Gefängnisstrafe absitzen. Hinzu kommen 1.700 Palästinenser, die seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 festgenommen wurden. Viele befinden sich in Verwaltungshaft. Dabei werden Terrorverdächtige ohne Urteil auf unbestimmte Zeit inhaftiert.
Für jede Leiche, die die Hamas herausgibt, soll Israel 15 getötete Palästinenser aus dem Gazastreifen übergeben. Medienberichten zufolge hat die Terrorgruppe angedeutet, sie wisse nicht von jeder der toten Geiseln, wo sie sich befinde.
Zur ersten Phase gehört auch ein Teilrückzug der Armee. Dabei bleibt der größte Teil des Gazastreifens unter israelischer Kontrolle.
Freudentränen statt Tränen der Angst
Das Forum der Familien von Geiseln und Vermissten reagierte erfreut auf die Nachricht, äußerte sich aber zurückhaltend: „Dies ist ein wichtiger und bedeutsamer Fortschritt beim Bestreben, jeden zurückzuholen. Aber unser Kampf ist nicht beendet und wird erst enden, wenn die letzte Geisel zurückkehrt.“ Die Organisation rief die israelische Regierung auf, unverzüglich eine Sitzung abzuhalten und das Abkommen zu bewilligen.
Eine Tante der entführten Zwillingsbrüder Gali und Siv Berman, Maccabit Meir, sagte dem „Kanal 12“: „So viele Menschen sind glücklich.“ Sie fügte hinzu: „Wir hatten so große Angst, und nun kommen mir Freudentränen, keine Tränen der Angst.“ (eh)
11 Antworten
Freudentränen bei den Familien von Geiseln. Das verstehen wir. 2.000 Häftlinge (Terroristen) sollen freikommen. Das verstehen wir nicht.
Es ist ein guter Morgen.
Mit Freude lese ich von einer naheliegenden Unterzeichnung des Vertrages, der bald alle Geiseln heimbringen soll. ALLE?????
Es heißt, dass nicht alle toten Geiseln auffindbar sind. Wer bleibt zurück????
Und es bleibt ein bitterer Beigeschmack. Für die unschuldigen israelischen Geiseln kommen fast 2000 Verbrecher frei. Was für ein Irrsinn. Ich freue mich trotzdem für Israel. Und dennoch: Mit der Geiselfreilassung ist nicht alles getan. Große schwierige Herausforderungen stehen noch bevor. Eine Garantie für Frieden kann niemand geben, denn Terroristen kann man nicht vertrauen.
🙏🎗🇮🇱
Wenn alle Geiseln die kommenden Tage freikommen sollten, meinen Respekt vor dem Lautsprecher aus Washington, den ich nicht übermässig mag.
Allerdings scheint noch ein halbes Dutzend Fragen offen.
Ich hoffe wirklich wirklich, dass die Geiseln bald frei kommen.
Solange Geiseln in Gaza sind, kann der Krieg nicht enden. Und Israel kann erst heilen, wenn die Geiseln zu Hause sind.
Den Rest wird man sehen. Aber viele Israelis wollen auch ein Kriegsende, und Netanjahu wird es dann schwer haben, den Krieg weiter zu führen.
Das ist eine gute Nachricht nach so einer langen Zeit des schrecklichen Wartens für die Angehörigen der Geiseln und viele andere Menschen auch. Ich hoffe, dass die gute Botschaft auch war wird.
Ich glaube es erst, wenn ich die freigelassenen Geisel sehe. Zurück bleibt auf jeden Fall ein schlechtes Gefühl, dass man mit dieser Terrorbande verhandeln musste und sie somit aufgewertet hat. Ich weiss schon, es ging nicht anders, aber Fakt ist, dass das Abkommen von Hamas und grossen Teilen der arabischen Welt als Sieg gefeiert wird. Verbrechen zahlt sich aus, die nächsten Terroranschläge werden schon programmiert. Hoffentlich irre ich mich. Aber mein Optimismus ist überschaubar.
Abwarten, werte Mitforisten. Ich werde erst jubeln wenn die Geiseln, und zwar alle, zu Hause sind.
Bei meinen Verwandten herrscht gespannte Ruhe.
Heute morgen kam eine Mail bei mir rein mit einem einzigen Wort von Substanz: ,,WARTE !!“
SHALOM
Ich bleibe skeptisch, ob wirklich alle Geiseln frei gegeben werden. Hamas taktiert doch ungeniert weiter, wenn sie vorgibt, sie wisse nicht, wo die sich im Einzelnen genau befinden würden. Das kann man denen doch gar nicht abnehmen angesichts dessen, dass sie Monate Zeit hatten, den Aufenthalt zu ermitteln. Ich traue denen zu, noch Lebende einzubehalten unter der Vorspiegelung, die seien schon tot und unauffindbar.
Erst wenn tatsächlich alle Geiseln wieder auf israelischem Boden angekommen sind, kann ich auf die Ernsthaftigkeit und Einhaltung der getroffenen Vereinbarungen beginnen zu vertrauen.
Und auch bezüglich der Entwaffnung und Entmachtung habe ich große Zweifel.
Meine Bedenken bleiben also bestehen und begrenzen meine Freude über den jetzt verkündeten „Deal“.
Es sind gute Nachrichten. Aber wir wissen auch, dass die Hamas ihre Spielchen bis zum Schluss spielt. Sie wird es auch hier versuchen. Gideon wird dann sagen: da ist Netanjahu schuld.
Hoffen wir, dass sie alle zurückkehren. Aber dann steht der nächste Brocken an: die Entwaffnung der Hamas und dagegen wird sie sich mit Haut und Haaren sträuben. Und dann haben wir die Entmachtung, die Ausreise der Top-Terroristen in andere Länder.
Gut ist, dass die vier Terroristen, die die Hamas unbedingt wollte, u.a. Barghuti nicht freikommen. Erinnern wir uns: beim Geiseldeal von Shalit kam Sinwar frei. Das Ergebnis kennen wir. Aber auch da lernen wir: Sinwar ist unschuldig. Netanjahu schuldig.
Die Hamas kann in Judäa und Samaria an die Macht kommen. Irgendwann wird gewählt werden müssen, auch hier sagt der Trump-Plan: Reformen. Und dann? Haben wir wieder die Hamas. Denn die hat eine enorme Unterstützung dort. Aber auch hier haben wir gelernt.: wir müssen alles geben, lieber Hamas als Bibi.
Am Montag kam eine Sendung, da sagte ein 18.jähriger doch tatsächlich er würde lieber Putin akzeptieren als D zu verteidigen. Kein Wehrdienst. Dass bei einer Übernahme D durch Putin er aber ganz schnell im Schützengraben landen würde, dafür hat der Verstand offensichtlich nicht gereicht.
Ich freue mich, dass die Geiseln freigelassen werden sollen, und hoffe, von ganzem Herzen, dass dies auch geschieht. Jedoch glaube ich nicht, dass die Hamas aufgeben wird. Sie werden weitermachen, so entnehme ich deren Aussagen, die hier im Artikel stehen. Sie werden weiter um ihre Ideologie kämpfen und keine Ruhe geben. Was mich echt unglaublich traurig macht, ist das mit Terroristen verhandelt werden muss und das weitere Verbrecher in Massen freigelassen werden. Ich kann es fast nicht glauben. Außerdem hoffe ich, dass keine Zweistaatenlösung zustande kommt.
Der Jubel ist unangebracht.
Die (Vor)Freude der Geiselangehörigen ist verständlich, hört man aber ganz genau hin, vera….t die Hamas Israel und seine Verbündeten, die echten und die unechten, wie bisher.
Zitat aus gegenständlichem Artikel:
„Die Opfer unseres Volkes werden nicht vergeblich sein. Wir versprechen, unserer Sache treu zu bleiben und niemals unsere nationalen Rechte aufzugeben, bis Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung erreicht sind.
… Die Besatzung (Israel, eingefügt von der Autorin) muss gezwungen werden, die Verpflichtungen der Vereinbarung umzusetzen und nicht zu verzögern …“.
Zitatende
Trump und Netanjahu feiern sich zu früh, bei Trump ist das erwartbar, für Netanjahu tut es mir leid.
Bevor nicht alle 48 Geiseln, die Identität der Toten durch DNA-Nachweis bestätigt, sicher in Israel vor Ort sind, sollte es keine weiteren Schritte seitens Israel geben. FIRST THINGS FIRST!
DANACH gibt es rund 2000 Verbrecher retour, DANACH ein Rückzug der IDF auf eine vereinbarte „Waffenstillstandslinie“.
Und dann?
One.