Tote und Verletzte bei Massenprotesten im Gazastreifen

Tausende Palästinenser demonstrieren im Gazastreifen teilweise gewaltsam für das Rückkehrrecht nach Israel. Die israelische Reaktion fordert Tote und Verwundete. Der Weltsicherheitsrat ruft zu Besonnenheit auf.
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Nach Angaben der israelischen Armee wollten die Demonstranten an mehreren Stellen den Grenzzaun beschädigen

Foto: Zero0000, Wikipedia

Nach Angaben der israelischen Armee wollten die Demonstranten an mehreren Stellen den Grenzzaun beschädigen

GAZA (inn) – Tausende Palästinenser sind am Freitag im Gazastreifen auf den Sicherheitszaun an der Grenze zu Israel zumarschiert. Nach Angaben der israelischen Armee waren sie teilweise bewaffnet. Soldaten schossen auf Randalierer und setzten Mittel zur Auflösung von Versammlungen ein. Gemäß des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden 16 Palästinenser getötet und mehr als 1.400 verwundet.

Am Samstag teilte die Hamas mit, fünf der Toten seien Mitglieder ihres militärischen Flügels gewesen. Aus der Armee hieß es, alle Getöteten seien an Gewalt beteiligt gewesen. Bei mindestens zehn habe es sich um Terroristen gehandelt. Demonstranten hätten Brandbomben und Felsbrocken auf Soldaten geworfen. Die Soldaten hätten auf Versuche reagiert, den Grenzzaun zu beschädigen. Das Gesundheitsministerium habe die Zahl der Verwundeten übertrieben, die meisten seien durch Tränengas verletzt worden.

Ein Armeesprecher warf der Hamas zudem auf Twitter vor, Frauen und Kinder „zynisch zu instrumentalisieren“. Die Terrorgruppe habe ein siebenjähriges Mädchen über die Grenze geschickt, um die Soldaten zu provozieren. Das Kind wurde von der Armee zu seiner Familie zurückgeschickt.

Die Demonstranten beteiligten sich am „Marsch der Rückkehr“. Damit wollen sie in den kommenden Wochen das Recht einfordern, dass die Nachkommen von Arabern, die 1948 infolge des israelischen Unabhängigkeitskrieges vertrieben wurden, an ihren Ursprungsort zurückkehren dürfen. Israel lehnt dies ab. Die Aktion soll 70 Jahre nach der Staatsgründung am 15. Mai enden. Diesen Tag bezeichnen Palästinenser mit dem arabischen Wort für „Katastrophe“ als „Nakba”.

Abbas appelliert an Vereinte Nationen

Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) in Ramallah rief für den Samstag einen „Tag der Trauer“ um die Toten aus. PA-Präsident Mahmud Abbas machte Israel in einer Fernsehansprache „vollkommen verantwortlich“ für die Gewalt. Er rief die Vereinten Nationen auf, den „wehrlosen“ Palästinensern sofort Hilfe zukommen zu lassen. „Die große Zahl der Märtyrer und Verwundeten in friedlichen Demonstrationen bestätigt die Notwendigkeit für die internationale Gemeinschaft, zu intervenieren, um unser Volk zu beschützen“, zitiert die Online-Zeitung „Times of Israel“ den Fatah-Chef.

Auf Antrag von Kuwait befasste sich der Weltsicherheitsrat in der Nacht zu Karsamstag mit der Gewalt. Er forderte Zurückhaltung und eine Minderung der Spannungen auf beiden Seiten. Der Vertreter der USA, Walter Miller, sagte, böse Akteure brächten das Leben unschuldiger Demonstranten in Gefahr. Er äußerte sein Bedauern darüber, dass Israel wegen des Passahfestes nicht an der Sitzung teilnehmen könne. „Es ist lebensnotwendig, dass dieser Rat in seiner Haltung ausgewogen ist“, ergänzte der amerikanische Diplomat. UN-Generalsekretär António Guterres forderte indes eine „unabhängige und transparente Untersuchung“ der Vorfälle.

Jordanien verurteilte die „israelische Eskalation“. Ägypten kritisierte den „Einsatz von Gewalt gegen unbewaffnete Zivilisten“ in Gaza. Diese beiden Länder haben als einzige arabische Staaten diplomatische Beziehungen mit Israel. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem „Massaker“.

Die deutsche Bundesregierung äußerte sich besorgt. „Wir rufen die Beteiligten dringend dazu auf, alles zu unterlassen, was eine weitere Eskalation hervorrufen und erneut Menschen gefährden würde“, erklärte das Auswärtige Amt. „Die Ausübung des Rechts auf Meinungsäußerung und friedlichen Protest darf nicht missbraucht werden, um die legitimen Sicherheitsinteressen Israels an der Grenze zu den palästinensischen Gebieten zu verletzen. Die Verteidigung dieser legitimen Interessen muss gleichwohl verhältnismäßig erfolgen.“

Von: eh

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