Russland begeht Nationalfeiertag in Jerusalem

Nach der Anerkennung Westjerusalems als Hauptstadt Israels feiert der russische Botschafter Viktorow nun auch den Nationalfeiertag in der Stadt. Als das Eröffnungspiel der Fußball-WM anläuft, sieht sich auch der israelische Premier Netanjahu als Diplomat vor Herausforderungen gestellt.
Saßen beim Empfang nebeneinander: der russische Botschafter Viktorow (l.), Premier Netanjahu und ihre beiden Frauen

Foto: Prime Minister of Israel, Facebook

Saßen beim Empfang nebeneinander: der russische Botschafter Viktorow (l.), Premier Netanjahu und ihre beiden Frauen

JERUSALEM (inn) – Erstmals hat ein russischer Botschafter in Israel den Nationalfeiertag seines Landes in Jerusalem statt in Tel Aviv begangen. Anatolij Viktorow lud unter anderen den israelischen Premier Benjamin Netanjahu am Donnerstag zu einem Empfang in das Russische Viertel. Erst im April 2017 hat Russland Westjerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt.

Netanjahu sagte bei der Veranstaltung, er hoffe, dass „viele Tage wie dieser in Jerusalem folgen werden“. Israel und Russland würden noch viele Jahre der Zusammenarbeit miteinander feiern – „und auch nächstes Jahr in Jerusalem“. Netanjahu erschien in Begleitung seiner Frau Sara. In seiner Rede lobte er die russische Kultur übeschwänglich. „Als Kind und als Erwachsener habe ich Tolstoi und Dostojewski gelesen. Ich habe Rachmaninow gehört. Wir alle kennen Strawinski. Der Beitrag der russischen Kultur zur Weltkultur ist immens.“

Botschafter lobt gute Beziehungen

Viktorow bedankte sich dafür, dass Netanjahu zu der Feier erschienen war. Dies sei Beleg für die gute Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden Staaten in den vergangenen Jahren. In seiner Rede stellte er ebenfalls heraus, dass erstmals der Nationalfeiertag in Jerusalem begangen werde. Zugleich wies er darauf hin, dass Moskau Ostjerusalem als Hauptstadt eines zukünftigen palästinensischen Staates vorsieht. „Wir sind bereit, so eine Vereinbarung umzusetzen.“ Viktorow ist erst seit Anfang Juni als Botschafter im Land. Er muss Staatspräsident Reuven Rivlin noch seine Beglaubigungsurkunde überreichen, berichtet die Onlinezeitung „Times of Israel“.

Übung in Diplomatie

Bei palästinensischem Bier und russischen Wodka sahen sich die Teilnehmenden auch das Eröffnungsspiel der Fußball-WM zwischen Gastgeber Russland und Saudi-Arabien an. Das Heimteam gewann 5:0. Wie die „Times of Israel“ beobachtet, fand sich der russische Botschafter zerrissen zwischen seiner Rolle als Diplomat und Fan wieder, was in dem Satz mündete: „Es ist vielleicht nicht nett vom Gastgeberland, aber Sport ist Sport.“ Auch Netanjahu besann sich auf seine Rolle als Diplomat und vermied es, seine Präferenz zu verraten: „Möge das beste Team am Ende gewinnen.“

Der derzeitige russische Präsident Wladimir Putin hat als erstes russisches Staatsoberhaupt Israel im Jahr 2005 besucht. Seit er im Jahr 2000 an die Macht gekommen ist, hat sich das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern auf mehr als drei Milliarden US-Dollar verdreifacht. Seit September 2015 pflegen Netanjahu und Putin eine enge Zusammenarbeit, um sich im Syrien-Konflikt zu koordinieren. Bis zum Mai 2018 kam es in diesem Kontext zu acht Treffen zwischen den beiden Staatsmännern. Erst am Freitag haben die beiden miteinander telefoniert, um Maßnahmen zur Sicherung der israelisch-syrischen Grenze zu besprechen.

Von: df

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