Regierung möchte 35 Millionen US-Dollar für die Klagemauer ausgeben

Das israelische Regierungskabinett hat die Finanzierung der Klagemauer sichergestellt. Eine andere jüdische Stätte geht leer aus. Widerstand regt sich, sogar in der Regierung.
Von Israelnetz
Das Judentum ist vielfältig und bunt. Die Klagemauer in Jerusalem stellt für viele Juden den heiligsten Ort dar.

Foto: Israelnetz

Die Klagemauer in Jerusalem ist einer der heiligsten Orte des Judentums

JERUSALEM (inn) – In ihrer wöchentlichen Kabinettssitzung am Sonntag hat die israelische Regierung die Finanzierung zum Ausbau des Klagemauer-Platzes verabschiedet. Über fünf Jahre hinweg sollen etwa 35 Millionen US-Dollar in eine der wichtigsten jüdische Stätten fließen. Erklärtes Ziel der Regierung ist es, den öffentlichen und religiösen Platz zu modernisieren und noch mehr Touristen zu locken.

Die Regierung beabsichtigt, die bisherige Entwicklung der Klagemauer fortzusetzen. In Zukunft sollen Schülergruppen, Zuwanderer und Soldaten mit weniger Aufwand die Klagemauer besuchen können. Eingeschlossen in das Finanzpaket sind neue Bildungskonzepte, die den Besuchern ermöglichen sollen, die Bedeutung des Ortes zu verstehen. Die Modernisierung soll weiterentwickelt werden und die Infrastruktur soll ausgebaut werden. Außerdem soll in den nächsten Jahren daran gearbeitet werden, das Erlebnis Klagemauer auch digital erleben zu können, etwa durch technische Plattformen. Das Budget wird aus dem Haushalt des Premierministers und zehn Ministerien gewonnen.

Die Klagemauer ist Teil der westlichen Umfassungsmauer des Tempelberg-Areals. Nach dem Willen der Regierung soll sie eine Aufwertung erfahren und noch stärker als bislang zum Touristenmagneten in Jerusalem und Israel werden. Zwischen 2015 und 2020 stieg die Zahl der Besucher der Klagemauer von zehn auf zwölf Millionen Personen pro Jahr.

Kritik von Regierungsmitgliedern und Zionisten

Im Vorfeld des Kabinettsbeschlusses gab es Streit in der Koalition von Premierminister Naftali Bennett (Jamina) über die Finanzierung. Im Zentrum steht die Forderung, auch den gemischten Gebetsbereich an der Klagemauer finanziell zu unterstützen. Denn dieser verfalle zusehends und müsse erhalten bleiben. Laut den Kritikern muss es darum gehen, Gebetsplätze, die für alle frei zugänglich sind, zu erhalten.

In einer Pressemitteilung zum Fünf-Jahres-Plan der Klagemauer verteidigte Premier Bennett die 35 Millionen Dollar für den besonderen Platz. Die herausragende Stellung für die jüdischen Gläubigen und die millionenfachen Besuche von Touristen zeigten die Relevanz der Investitionen. Die Beschlüsse „werden die Infrastruktur an der Stätte weiter verbessern und helfen, Massen von weiteren Besuchern anzulocken“, sagte Bennett. Einige Regierungsmitglieder lehnten bei der Abstimmung im Kabinett die Pläne ab, wenngleich die Mehrheit für die Investitionen stimmte. Bennett danke seinen Ministern „für ihre Zusammenarbeit“.

Der stellvertretende Leiter der Zionistischen Weltorganisation, Jishar Hess, kritisierte die Entscheidung und zeigte sich gegenüber der Zeitung „Jerusalem Post“ schockiert. Er stellt die Finanzierung der Klagemauer infrage, wenn der gemischte Gebetsbereich „beschämend und verlassen bleibe“. Hess sieht eine „verpasste Chance für die Demokratie, Gleichberechtigung und Zionismus“ und die Zionisten „wieder mit leeren Händen“ dastehen.

Der aktuelle Streit über den Fünf-Jahres-Plan zur Finanzierung der Klagemauer ist nicht der Erste über die finanzielle Unterstützung jüdischer Stätte. Schon in der Vorgängerregierung gab es innerhalb der Regierung Meinungsverschiedenheiten. 2017 beispielsweise setzte der damalige Premier Benjamin Netanjahu (Likud) eine ausgehandelte Vereinbarung zum gemischten Gebetsbereich aus, da der Druck vonseiten seines ultra-orthodoxen Koalitionspartners zu groß wurde. (joh)

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