„Rakete unterscheidet nicht zwischen Druse, Beduine, Araber und Jude“

Iranische Raketenangriffe wecken die Hilfsbereitschaft von Beduinen. In Scharen machten sie sich auf, um in vor allem von Juden bewohnten Städten Verwundete zu behandeln.
Von Israelnetz

DIMONA / ARAD (inn) – Nach den iranischen Raketeneinschlägen in Dimona und Arad am Samstag sind viele Beduinen aus den Nachbarorten den Verletzten zu Hilfe geeilt. „Ich war zu Hause, als das geschah. Sofort, als ich hörte, dass es einen direkten Einschlag gab, machte ich mich nützlich“, sagte etwa Naif Abu Arar dem Sender „N12“. Bei den Angriffen wurden mehr als 100 Menschen verwundet und einige Wohnhäuser zerstört oder beschädigt.

Abu Arar ist ehemaliger Vorsitzende des Regionalrates Arara im Negev. Er habe Ärzte und Krankenschwestern aus seinem Dorf aufgerufen, an die jeweiligen Einschlagsorte zu eilen und zu helfen. „Das Ziel der Rakete ist es, zu töten, zu verletzen und zu zerstören. Sie unterscheidet nicht zwischen Druse, Beduine, Araber und Jude. Mir war klar, dass man einander helfen muss.“

Binnen weniger Minuten seien dutzende Beduinen dem Aufruf gefolgt – auch Bewohner, die keine medizinische Ausbildung haben. Jeder habe sich auf seinem Gebiet engagiert, ergänzte Abu Arar: „Einige öffneten ihre Häuser. Wir leben tagtäglich mit diesen Städten zusammen. Wir arbeiten in Dimona und in Arad. Ich sprach mit dem Bürgermeister von Dimona und schickte ihm eine Umarmung. Sie sind meine Freunde. Wir gehören zusammen.“

„Wir leben als Brüder mit der jüdischen Gesellschaft zusammen“

Auch Sager Abu Srehan, ein Vater von sechs Kindern, zögerte nicht. Der stellvertretende Leiter der Amal-Re’ut-Schule in der beduinischen Kleinstadt Tel Scheva veröffentlichte ebenfalls eine Botschaft an mögliche Helfer. Am Dienstag begründete er dies im Gespräch mit der „Jerusalem Post“: Die Realität sei bedeutsam.

„Wir leben als Brüder mit der jüdischen Gesellschaft zusammen, auf demselben Land und unter demselben Himmel. Wir studieren zusammen, arbeiten zusammen und dieses Land gehört uns allen.“ Die Partnerschaft als Gesellschaft, mit vielen Beispielen für Zusammenarbeit, schaffe „die schönen Farben im Mosaik der israelischen Gesellschaft“.

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Abu Srehan studiert gerade an der Ben-Gurion-Universität des Negev in Be’er Scheva Management und Konfliktlösung. In diesen Zeiten sei es wichtiger denn je, klarzustellen, dass die beduinische Gemeinschaft an die israelische Judenheit angebunden sei, sagte er. „Dieselbe Rakete unterscheidet nicht zwischen Beduine und Jude. Deshalb müssen wir immer zusammenstehen, jeden Augenblick nutzen und weiter zur Liebe zum Land erziehen.“

Hilfe in schweren Zeiten gehöre zur DNA der beduinischen Gemeinschaft, fügte der stellvertretende Schulleiter an. Das habe sich schon nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 gezeigt. „Gemeinsame Hilfszentren wurden für Beduinen und Juden eingerichtet.“

Problem: Fehlende Schutzräume

Dabei verschwieg er nicht die Herausforderungen, mit denen Beduinen konfrontiert sind. Schätzungen zufolge wohnen etwa 120.000 Beduinen in nicht anerkannten Ortschaften: „Dort gibt es keine Schutzräume.“ Das bringe die Menschen in eine schwierige Lage. Gerade wenn Beduinen in Zelten lebten, sei es nicht einfach. „Ich sage das nicht, um jemanden zu beschuldigen, sondern mit der Hoffnung, dass der Staat eine professionelle und faire Lösung für dieses Problem finden wird.“

Gleichzeitig betonte Abu Srehan die bleibende Hilfsbereitschaft: „Unsere Häuser sind immer offen für alle Bewohner von Dimona und Arad. Ich hoffe, der Krieg wird bald enden und wir können zum normalen Leben zurückkehren.“

Hunderte Anrufe von hilfsbereiten Beduinen

Nasser al-Frigat aus Marhame bei Jerucham in der Negev-Wüste wiederum ist Notfallsanitäter, Krankenwagenfahrer und Ehrenamtlicher bei der Rettungsorganisation ZAKA. Der Reservist der israelischen Armee kontaktierte nach dem Einschlag sofort seinen direkten Vorgesetzten in Dimona. „Er war aufgewühlt, wie ich ihn noch nie erlebt hatte“, erzählte er „N12“.

Nach eigener Aussage erhielt der Beduine hunderte Anrufe von Bewohnern der Dörfer. Alle boten Hilfe an. Manche hätten gesagt: „Wir haben keine Ausbildung zum Sanitäter, aber wir haben Fahrzeuge.“

Al-Frigat merkte an: „Die gemeinsame Sprache der Menschen ist die Menschlichkeit.“ In Dimona und in Arad habe er Verwundete versorgt und Gebäude geräumt. Er und seine Helfer hätten sich auch vergewissert, dass niemand mehr unter den Trümmern lag.

Indes ließ er seine Familie mit acht Kindern in einem Haus ohne Schutzraum zurück. Sie seien den Angriffen völlig ausgesetzt. „Ich habe das Gefühl, dass man uns in dieser Hinsicht vernachlässigt hat. Man hat uns nicht die nötigen Schutzräume gegeben. Ich bekomme Anrufe von Leuten, die Schutzräume wollen, und weiß nicht, wie ich ihnen helfen soll.“

Sozialarbeiter für Schockpatienten

Auch der Arzt Aataf Ararat, der am Barsilai-Krankenhaus in Aschkelon arbeitet, reagierte auf den Aufruf. Als er mit seinen Helfern aus Dimona zurückkehrte, sei es gleich weitergegangen nach Arad. Die Teams hätten sich auf die von den Angriffen betroffenen Wohnungen verteilt: „Untersuchen, räumen, beruhigen, Erste Hilfe leisten und diejenigen, die es brauchten, zu einer mobilen Behandlungsstation oder zum Krankenhaus bringen.“ In jedem Team sei ein Sozialarbeiter gewesen, um Schockpatienten beizustehen.

Ararat äußerte sich auch zum Thema Schutzräume: Seit Kriegsbeginn öffneten diejenigen, die über einen solchen raketensicheren Raum verfügten, diesen für Nachbarn. „Wer keinen Schutzraum hat, kann auch zu den Moscheen und Schulen kommen, die geschützt sind.“ (eh)

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14 Kommentare

  1. Shalom,wenn man diesen Bericht liest wird einem warm ums Herz.So sind die meisten Beduinen.Ich hatte viel Kontakt zu Beduinen in ganz Israel zu meiner IDF-Zeit.Wir hatten auch Spurenleser in unserer Kompanie.80% der Beduinen sind Israel friedlich gesinnt.So auch sehr viele inJudäa/Samaria.Und dort werden Sie von ein paar 100 kriminellen Siedlern terrorisiert.Nur weil Sie Araber sind.Dies ist eine grosse Schande für Israel und die jetztige kriminelle Regierung.Hoffe es wird ab September wieder besser und friedlicher für mein ISRAEL! Jerusalem

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    1. Hallo Jerusalem, auf ntv will sogar der ehemalige israelische Premierminister Ehud Olmert den Internationalen Strafgerichtshof gegen israelische Staatsbürger einschalten, die im besetzten Westjordanland weitgehende Straffreiheit genießen. Seit Beginn dieses Jahrzehnts hat Israel keinen seiner Bürger wegen der Tötung palästinensischer Zivilisten angeklagt.

      Ehrlich gesagt, machen mich diese Leute so wütend, dass selbst ich, der in den 1990er Jahren bei der IDF aktiv war, sie im Falle eines islamistischen Terroranschlags auf jüdische Siedlungen im Westjordanland nicht schützen würde. Warum? Weil ich die Siedler im Westjordanland nicht als Teil des israelischen Volkes betrachte. Anders als die von der Hamas genommenen Geiseln sind die Siedler keine unschuldigen Menschen.

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      1. @ Gideon Lahav

        Sie betrachten „die Siedler im Westjordanland nicht als Teil des israelischen Volkes.“ Weil Sie, so Ihre Meinung, „keine unschuldigen Menschen“ seien.
        Teil wessen Volkes sind dann die Siedler in der Westbank? Und wie würden Sie, wenn Sie die Macht hätten, mit Ihnen verfahren, mit den über 500.000 „Schuldigen“ (Ihrer Meinung nach)?

        Sie hoffen auf einen Machtwechsel in Israel im Herbst. Nehmen wir an, Ihre Hoffnung erfüllt sich. Und Sie, @Gideon Lahav, wären damit beauftragt, die neue israelische Regierung in einer einzigen Frage zu beraten: Was sollte die Regierung mit den, Ihrer Meinung nach, nicht zum israelischen Volk gehörenden Siedlern in der Westbank anfangen? Was würden Sie der neuen Regierung konkret und im Detail vorschlagen? Wie soll sie dieses Problem lösen?
        Jedoch ist eines zu bedenken: Dürfte es sich die neue Regierung, juristisch gesehen, überhaupt erlauben, einzugreifen, wo doch, wenn ich Ihre Meinung ernst nehme, die Siedler in der Westbank „nicht als Teil des israelischen Volkes“ zu betrachten sind?

        Ich würde mich freuen, wenn Sie sich die Mühe machten, ausführlich zu antworten. Sie sind mit der Situation „vor Ort“ viel besser als ich vertraut. Ich war nur dreimal in Israel, zweimal als Tourist, einmal zu Besuch bei Freunden in Katzrin. Insgesamt nur 82 Tage.

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        1. Der am weitesten akzeptierte Ansatz zur Räumung der Siedlungen wäre die Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates neben Israel. In diesem Szenario müssten viele Siedlungen geräumt werden, notfalls auch gegen den Willen der Siedler.

          Schließlich haben die EU und die USA Sanktionen gegen radikale Siedler verhängt. Diese umfassen Reiseverbote, das Einfrieren von Vermögenswerten und Geschäftsverbote für EU-Bürger, mit diesen Personen Geschäfte zu tätigen.

          Nehmen wir an, ein Terroranschlag würde sich ausschließlich gegen die Siedlungen im Westjordanland richten – ein schreckliches Szenario, das ich mir niemals wünschen würde. Aber stellen wir uns das theoretisch vor, islamistische Terrorgruppen würden nur die Siedlungen im Westjordanland angreifen. In diesem Fall würde ich den Siedlern keine Träne nachweinen. Aber wäre ich wirklich glücklich darüber und Schadenfreude Empfinden? Natürlich nicht! Denn ich weiß, dass auch ich ein Ziel islamistischer Terroristen sein könnte. Doch die Katastrophe, die diese Menschen im besetzten Land anrichten, hat nichts mit dem Judentum zu tun. Sie greifen nicht nur Palästinenser an, sondern auch IDF Soldaten wurden Opfer von Siedlergewalt. Hier ein Zitat von Tzipi Livni aus dem Jahr 2006:

          „Wer gegen israelische Soldaten kämpft, ist ein Feind, und wir werden uns verteidigen.“

          Diese Aussage bezieht sich nicht nur auf Terrorgruppen, sondern auch auf israelische Bürger und Siedler.

          Deshalb betrachte ich diese Siedler nicht als Teil meines Volkes, sondern eher als eine isolierte Gemeinschaft außerhalb den Staatsgrenzen Israels.

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        2. Auch wenn Sie nicht als Volk Israels gesehen werden, leben Sie in Israel. Also gefälligst an die Regeln halten. Wenn nicht, härtere Strafmaßnahmen als bisher. Wird ein Feuer von den Siedlern angefacht? Ins Gefängnis. Werden Autos angezündet? Palästinenser ermordet oder ganze Dörfer schikaniert? Gefängnis. Welches Recht gibt den Siedlern eine Straffreiheit im Vergleich zum restlichen Volk? Zünd doch einmal ein Auto mitten in Tel Aviv an. Dann sehen wir wie schnell die Polizei reagiert.

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          1. (Auch wenn Sie nicht als Volk Israels gesehen werden, leben Sie in Israel).

            Habe ich das richtig verstanden? Sie erkennen das Westjordanland wo diese Siedler leben nun als Israelisches Staatsgebiet?

            (Welches Recht gibt den Siedlern eine Straffreiheit im Vergleich zum restlichen Volk)?

            Die Straffreiheit, die Siedler im besetzten Westjordanland im Vergleich zur palästinensischen Bevölkerung genießen, beruht nicht auf einem einzigen Gesetz, sondern auf der Anwendung eines dualen Rechtssystems (Two-Tiered Legal System) und einer selektiven Strafverfolgung.
            Dies führt dazu, dass Siedler unter israelischem Zivilrecht stehen, während Palästinenser dem israelischen Militärrecht unterliegen.

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    2. Jerusalem träumt und ist sein gutes Recht. Ob es ab September für ISRAEL friedlicher wird, entscheidet leider nicht die neue Regierung, sondern die Feinde Israels, sagt meine Ehefrau, Politologin.

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  2. Soviel zur angeblichen Apartheid in Israel. Aber zugegeben, das mit den Schutzräumen ist wirklich ein Problem. Sie leben zum Teil immer noch nomadisch, es wäre angeraten, an den häufig frequentierten Siedlungsorten solche Schutzräume zu errichten. Zwar bieten sie keinen Schutz vor direkten Treffern, sind aber allemal besser als ein Zelt.
    SHALOM

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  3. Mir wurde sehr warm ums Herz, als ich diesen Bericht gelesen habe. Ich freue mich darüber, dass die Menschen so hilfsbereit sind und ich hoffe, dass für diese Menschen auch Schutzräume errichtet werden, Shalom

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  4. Mich interessiert wer die Schutzräume finanziert und betreibt (Bau, Aufstellung und Unterhalt)?
    Dies verteilt sich sicherlich auf Projekte von Organisationen, staatliche Programme, Eigeninitiativen von Kommunen/Gemeinden, Privatpersonen.
    Wie ist da die Verteilung zwischen privaten und öffentlichen usw. (spendenfinanzierten)?
    Wie ist von Staatsseite her geregelt, wie die Verteilung zwischen den mehr oder weniger von Beschuss betroffenen Gebieten, Ballungsräumen, Stadt und Land vorgenommen wird?
    @ Redaktion: Sicherlich lässt sich aus den vielen zusammenzutragenden Informationen mal ein eigener Beitrag erstellen, vielleicht auch mit einem Exkurs in die Geschichte, um Entwicklungen aufzuzeigen.
    Ähnliches habe ich mich übrigens vor kurzem schon in Bezug auf die Alarme gefragt. Gibt es in allen Dörfern (und speziell in arabischen) Durchsagen oder Sirenen und, wenn nicht, in wieviel Prozent vielleicht etwa? Sicherlich gibt es auch noch Unterschiede zwischen Judäa und Samaria und dem restlichen Israel. (Die Überlegungen erstrecken sich nicht auf Apps, die wohl für alle verfügbar sind.)

    nun noch ein Psalmvers, der mir passend erscheint:
    „Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!“ Psalm 36,8
    Schalom

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  5. Übrigens hat gerade ein Mamad (Schutzraum)
    in Petach Tikvah einem Direkttreffer durch ein Bomblett eines Clustersprenkkopfes stand gehalten. Die Insassen, darunter zwei Kinder blieben sämtlich unverletzt.
    Es besteht durchaus Hoffnung.
    SHABBAT SHALOM

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