LONDON (inn) – Ein britisches Geschworenengericht hat am Mittwoch sechs Mitglieder der inzwischen verbotenen anti-israelischen Gruppe „Palestine Action“ vom Vorwurf des schweren Einbruchs freigesprochen. Die Beschuldigten waren in eine Fabrik des israelischen Rüstungsunternehmens Elbit eingedrungen.
Bei zwei weiteren Anklagepunkten – Landfriedensbruch und Sachbeschädigung – konnten sich die Mitglieder des Geschworenengerichts von Woolwich in London nicht auf ein Urteil einigen. Auch beim Vorwurf der Körperverletzung, der zusätzlich gegen einen der Angeklagten erhoben wurde, konnte sich die Jury zu keiner Entscheidung durchringen.
Viel Schaden hinterlassen
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatten die sechs ihren Einbruch in die Fabrik am Standort Bristol im August 2024 akribisch vorbereitet. Sie nutzten einen weißen Van, um den Zaun zu durchbrechen und aufs Firmengelände zu kommen.
Ein Teil der Gruppenmitglieder nutzte Feuerwerk und Rauchgranaten, um das Sicherheitspersonal in Schach zu halten, während die anderen Einrichtung und Geräte zertrümmerten. Für ihre Taten, die sie mit GoPro-Kameras selbst filmten, nutzte die Gruppe Brechstangen und Vorschlaghammer. Insgesamt sei Elbit dadurch ein Schaden von umgerechnet 1,15 Millionen Euro entstanden.
Während des Angriffs verletzte der anti-israelische Aktivist Samuel Corner zudem eine Polizistin am Rücken. Von der Polizei veröffentlichte Videoaufnahmen zeigen, wie er sie mit einem Vorschlaghammer schlägt. Die Beamtin erlitt eine Fraktur der Lendenwirbel.
Die sechs Angeklagten haben alle gegen sie erhobenen Anklagen zurückgewiesen. Corner gab zu, die Polizistin mit dem Vorschlaghammer geschlagen zu haben, leugnete aber, ihr damit ernsthaften Schaden zugefügt zu haben. Weiterhin sagte er, dass er seine Kameraden habe verteidigen wollen.
Nach dem Freispruch wegen schweren Einbruchs wurden fünf der sechs Mitglieder von „Palestine Action“ auf Kaution freigelassen. Indessen bleibt Samuel Corner weiter in Haft. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass sie eine Wiederaufnahme des Verfahrens prüfen werde. Das betreffe die Punkte, in denen die Geschworenen zu keinem Urteil gelangt sind.
Verbot von „Palestine Action“
Die Organisation „Palestine Action“ wurde im Juli 2025 verboten. Vor dem Einbruch in die Fabrik von Elbit organisierte sie Proteste und Blockaden gegen die Firma, um die „Infrastruktur des Krieges“ zu zerstören. Nach eigenen Angaben griff sie Firmen an, die in Verbindung zum israelischen Militär stehen.
Während des Verfahrens wies der Richter Jeremy Johnson die Geschworenen an, diesen Umstand für die Urteilsfindung nicht zu beachten. Laut der israelischen Nachrichtenseite „Times of Israel“ sagte er, dass der Fall aufgrund der Beweise betrachtet werden müsse und nicht „auf Basis dessen, was Sie oder jemand anderes über ,Palestine Action‘ oder den Gazakrieg denkt“.
Die Gruppe „Defend Our Juries“, die Proteste für „Palestine Action“ und die sechs Angeklagten organisierte, erklärte in einer Stellungnahme: „Diese Urteile widerlegen die falschen Anschuldigungen von Ministern, dass diese mutigen Aktivisten ‚gewalttätige Kriminelle‘ seien“.
Der „Board of Deputies of British Jews“ (Deputiertenausschuss britischer Juden) sprach hingegen von „verstörenden Urteilen“. Er forderte eine Wiederaufnahme des Verfahrens in den Anklagepunkten, in denen die Geschworenen zu keinem Urteil gelangt waren. „Es kann nicht sein, dass diejenigen, die schwere kriminelle Taten verüben, einschließlich gewalttätiger Übergriffe, sich den Konsequenzen ihrer Taten entziehen können.“ (mw)
16 Antworten
Komisches Geschworenengericht. Alles sauber da?
Ich vermute einmal, dass die Geschworenen schlicht und einfach – pardon – die Hosen voll hatten. Anders ist diese Justizkomödie nicht zu erklären.
Ich glaube Sie haben Recht. Mein Sicherheitsgefuehl wird immer geringer.
Unverständlich dieses Urteil, das Opfer wird einmal mehr zum Täter.
Ja, leider. Das ist als schwere Körperverletzung oder gar als Tötungsversuch durch Corner zu werten. Was da durch so einen Vorschlaghammer an kinetischer Energie freigesetzt wird, lässt sich doch gar nicht so dosieren, als dass kein ernsthafter Schaden, auch mit möglicher Todesfolge, zugefügt wird. Was für ein Unsinn.
Zum Schluß heißt es vielleicht noch, die Muskulatur der Polizistin wäre zu schwach gewesen.
Pro-Palästinensische Aktivisten der Terror-Organisation „Palestine Action“ freigesprochen.
Mutige Aktivisten? Nein, mutige Terroristen.
Das ist unsere Zukunft. Lügen, Verdrehen der Tatsachen, Böses rechtfertigen.
Angst vor denen, die sich ihre Welt erobern, untertan machen wollen.
Hausfriedensbruch? Freispruch? Ein Schaden von €1.15 mio? Freispruch? Körperverletzung mit einem Vorschlaghammer? Freispruch?
Was ist los in Britannien? Das ist keine Justiz, das ist eine Schmierenkomödie! In den USA wäre der Typ mit dem Hammer garantiert erschossen worden.
Oder muss ich mich freuen, dass die Täter nicht auch noch Geld erhalten für ihre „heroische“ Tat?
Das Urteil ist schlicht weg eine Katastrophe und erinnert manchmal an die straffreien Morde im Russland und der Zeit nach der Auflösung der ehemaligen Sowjetunion im Jahre 1991 bis zum Beginn der Putin-Ära im Jahr 1999. Ich habe die Situation aber nur über Fernsehbilder mitbekommen.
Solche Urteile festigen mein Urteil über das dämonenverseuchte Europa immer mehr.
Juden Europas, seid auf der Hut, hier ist übel sein für uns.
SHALOM
Jedenfalls ist dieses Urteil eine widerwärtige und antisemitische Schande, die Forderungen nach einer Wiederaufnahme des Verfahrens sind berechtigt. Ansonsten wird Großbritannien zu einem Schlaraffenland für billige judenfeindliche Zerstörungswut verkommen.
Es ist einfach nur noch zum Kotzen.
SHALOM
Es ist ein bitteres Urteil. Labour ist Israel-feindlich, und nun wird auch die britische Justiz zum Handlanger von anitisralischen Verbrechen. UK ist Israel-feindlich geworden, seit Labour regiert.
Wenn Justiz solche Urteile fällt, ist es mit Recht sprechen vorbei.
@Am Israel chai. Ja, Sachbeschädigung scheint auch in Deutschland zum Teil salonfähig geworden zu sein. Wenn daraus dann auch ein Angriff auf Personen wird, auch nicht ganz so schlimm, je nachdem wen es getroffen hat.
Möchte nicht wissen, wieviel ältere Menschen bei dem Stromausfall /Anschlag in Berlin durch die Kälte dauerhafte Schäden davongetragen haben oder nachträglich in Folge davon sterben. Interessiert doch keinen mehr.
„Selig, sind die da Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen“.
Was für eine Kluft.
Alles Gute und Gesundheit.
Ich schließe mich Lothar, Antonia, Maria, Micha (מיכה) an.
Echt total irrsinnig, was da bei Gericht abgeht.
@Chriss, schön von Dir zu hören. Vielleicht gab es ja sogar private Drohungen an die Geschworenen. Es wird uns keiner sagen. Wundern würde es mich jedenfalls nicht.