Ein Mitarbeiter der Naturparkbehörde trägt eine Gazelle, die durch die Umweltkatastrophe getötet wurde

Ein Mitarbeiter der Naturparkbehörde trägt eine Gazelle, die durch die Umweltkatastrophe getötet wurde

Folgen nach Umweltkatastrophe noch nicht abzusehen

Die Umweltkatastrophe Ende Juni in Südisrael gilt als besonders schwerwiegend. Möglicherweise kann aufgrund des schwer erreichbaren Geländes nicht das gesamte vergiftete Wasser abgepumpt werden. Die Folgen sind noch nicht abzusehen. Noch immer verenden Tiere qualvoll an Verätzungen, weil sie verseuchtes Wasser trinken.

BE'ER SCHEVA (inn) – Mehr als zwei Wochen nach der Umweltkatastrophe in der Judäischen Wüste sind noch immer Dutzende Helfer rund um die Uhr im Einsatz, um die Gegend von dem Giftwasser zu befreien. Umweltschützer befürchten, dass es nicht möglich sein wird, das gesamte verseuchte Abwasser abzupumpen.

Durch ein Leck in einem Schmutzwasserreservoir einer Phosphatfabrik waren mehr als 100.000 Kubikmeter säureverseuchtes Wasser in die Umgebung gelangt. In einer Entfernung von bis zu 25 Kilometern sterben Tiere und Pflanzen. Experten sprechen von einer der verheerendsten Umweltkatastrophen in Israel. Es werde Jahre dauern, bis sich die Natur wieder erholt habe. Das bei Wanderern beliebte Gebiet wurde zunächst für mindestens ein Jahr gesperrt.

Das Umweltschutzministerium hat unterdessen gegen den Düngemittelhersteller „Rotem Amfert Negev“ strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Die Firma darf das betroffene Schmutzwasserreservoir zudem bis zum Ende der Untersuchungen nicht mehr benutzen. Noch immer ist unklar, warum ein Teil der Beckenmauer eingestürzt ist. Wie die israelische Naturparkbehörde (NPA) mitteilte, kooperiert „Rotem Amfert Negev“ mit den Behörden und bezahlt die Säuberung des Gebietes.

Vom Aussterben bedrohte Tiere getötet

Der Umweltkatastrophe fielen bislang unter anderem Dutzende Füchse, Gazellen und zahlreiche Vögel zum Opfer. Auch acht der vom Aussterben bedrohten nubischen Steinböcke kamen ums Leben. Wie die Onlinezeitung „Times of Israel“ berichtet, lebten vor der Katastrophe nur noch 26 nubische Steinböcke im südlichen Teil der Judäischen Wüste. „Der Tod von acht Steinböcken dieser Population ist ein schwerer Schlag für die Steinbockpopulation in dieser Gegend und insgesamt“, sagte der Leiter für den südlichen Bezirk der NPA, Gilad Gabai.

Die Gegend ist von tiefen und engen Schluchten durchzogen, die nur zu Fuß und selbst dann noch schwer zu erreichen sind. Die Säuberungsarbeiten verzögern sich dadurch immer wieder. In der Zwischenzeit sterben weitere Tiere. Gabai geht davon aus, dass es allein noch zwei Monate dauern werde, bis das vergiftete Wasser aus den erreichbaren Gebieten entfernt ist.

Trinkwassertanks für Tiere

„Es wird lange dauern, bis wir das gesamte Ausmaß dieses Vorfalls verstehen“, erklärte unterdessen Oded Neser vom Umweltschutzministerium. In bis zu 25 Kilometern Entfernung rund um das Leck gebe es mehr als 1.000 vergiftete Wasseransammlungen. Diese bereiteten derzeit die größte Sorge, da sie in der Sommerhitze Anlaufstellen für die Tiere zum Trinken seien.

Das Ministerium habe Tanks mit sauberem Wasser aufgestellt und hoffe, dass die Tiere statt der verseuchten Wasserlöcher diese Quellen nutzten. Es sei nicht möglich, die Tiere durch Zäune vor dem verseuchten Gebiet zu schützen, da diese ihre festen Wanderrouten hätten, erklärt Eilon Adar vom Institut für Wasserforschung der Ben-Gurion-Universität im Negev.

Auch Schwermetalle im Wasser

Laut Adar enthält das säurehaltige Abwasser auch Schwermetalle. „Das Wasser wird von den Pflanzen aufgenommen und die Tiere fressen diese Pflanzen, das wird den Tieren ebenfalls schaden“, fügte der Professor hinzu. Die Katastrophe sei besonders schwerwiegend. Bei anderen Vorfällen hätten die Gegenden innerhalb weniger Wochen gesäubert werden können. Im aktuellen Fall werde es wohl aufgrund des unwegigen Geländes nicht möglich sein, das gesamte verseuchte Wasser zu entfernen. Man sei auf natürliche Fluten angewiesen, die das Gebiet zusätzlich reinigten, dies werde Jahre dauern.

Von: dn