Von Eilat nach Saudi-Arabien: ein Katzensprung, weiß ein jordanischer Reiseunternehmer

Von Eilat nach Saudi-Arabien: ein Katzensprung, weiß ein jordanischer Reiseunternehmer

Wüstenfreunde wollen Reisefreude wecken

Die Internationale Messe IMTM ist ein wichtiger Faktor für den Israeltourismus. Doch auch Israelis informieren sich dort über mögliche Reiseziele – im Ausland und im Inland.

TEL AVIV (inn) – Der Tourismus in Israel boomt und seit einigen Jahren brechen die Israelis fast monatlich ihre Rekorde. Der Erfolg im Tourismusgeschäft kommt nicht von ungefähr: „Trotz geringem Budget hat unser Ministerium eine Revolution in der Marketingpolitik in Gang gebracht und wir hoffen, dass sich dieser Trend auch 2020 fortsetzt“, zeigt sich Jariv Levin optimistisch. Der Likud-Politiker ist seit 2015 Tourismusminister. „Nach wie vor ist Israel ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt.“

Trotzdem will dieses Ziel promotet werden. Und dazu trägt unter anderem der „International Mediterranean Tourism Market“ (IMTM) bei. Die Messe fand in diesem Jahr zum 26. Mal statt. Levin zeigte sich bei der Eröffnung auf dem Tel Aviver Messegelände in der vergangenen Woche erfreut: „Es ist die größte Tourismusmesse, die wir in Israel je erlebt haben.“

Insgesamt zeigten 570 Aussteller aus mehr als 50 Ländern neue Angebote und Ziele für Besucher. Und auch Botschafter aus 23 Ländern besuchten die Messe. Trotz erschwerter Bedingungen wegen des Coronavirus meldeten die Veranstalter der zweitägigen Messe mehr als 14.000 Besucher.

Unter den Ausstellern präsentierten sich Fluggesellschaften und Hotels, Tourismusministerien und Stadtverwaltungen. Besucher waren Restaurant- und Pensionsbetreiber, Inhaber von Reiseagenturen und reisefreudige Israelis, sowie Blogger und Reiseführer. Der deutschsprachige Reiseführer Chaim erzählt: „Einerseits ist mir hier viel zu viel Getümmel. Andererseits bleibe ich durch das Angebot hier immer auf dem neuesten Stand.“ Seine Tochter nickt zustimmend: „Nach dem Armeedienst bereite ich mich zur Zeit auf eine längere Reise nach Indien vor. An Indiens Stand konnte ich mir viele Anregungen holen.“

Inspiration aus Marokko

In Vorträgen und Podiumsdiskussionen wurde diskutiert, wie sich das Problem der Besuchermassen in den großen Städten wie Jerusalem und Tel Aviv als Möglichkeit für periphere Gebiete wie die Negevwüste umwandeln ließe. „Jeder Reisende sucht doch heute das Besondere und will nicht nur das Standardprogramm absolvieren“, sagt Hadassa Jitzchak aus der Wüstenstadt Jerocham. Die junge Frau hat mehrere Monate in Marokko verbracht und in Marrakesch bei dem Künstler Ibrahim Zuak das Töpferhandwerk gelernt. „Als ich nach Israel zurückkam, habe ich Zuaks traditionelle Lehre mit moderner Technologie verbunden und stelle heute alte schöne marokkanische Kunst her, die für alle zugänglich ist.“

In dankbarer Erinnerung an ihren Lehrer hat die Töpferin ihr kleines Studio „Zuak“ genannt: „Dort gebe ich Kurse, welche die lokale Gesellschaft und die Wüsten-Umgebung mit einbinden. Durch meine Arbeit versuche ich, die verschiedenen Elemente zu verbinden: Orient und Okzident, Tradition und Moderne, Judentum und Islam. Ich bin überzeugt, dass aus all dem Schönheit entstehen kann.“ Mit ihrem Partner Avischai führt sie ein kleines Hostel, durch das „wir Besucher mit der Schönheit, den Menschen und der Kultur der Negevwüste bekanntmachen möchten“.

Neben der internationalen Zielgruppe ist der IMTM auch für den Binnentourismus wichtig. Und so wenden sich viele der Aussteller auch an ihre Landsleute. Die Wüstenstadt Arad zum Beispiel versucht, ihre Angebote für in- und ausländische Besucher zu vermarkten.

In einer Broschüre unter dem Namen „Fenster zur Wüste“ finden sich zahlreiche Angebote von einheimischen Musikern, Gästen, Töpfern und Gastgebern. Die Facebookseite ist zwar auf Hebräisch, Interessierte können die Mitglieder allerdings auch auf Englisch kontaktieren.

Ein begeisterter Jordanier

Die Wüste kennt auch Nyasi Schabaan. Zur IMTM ist er aus Jordanien angereist. Zusammen mit seinem Sohn leitet er dort eine Reiseagentur. „Ich bin als Beduine in Petra geboren. Ich war überzeugt, dass unser schöner Ort ein Weltwunder ist. Doch als ich das erste Mal nach Saudi-Arabien reiste, habe ich verstanden, dass Petra im Vergleich zu diesem riesigen schönen Land nur eine Miniatur ist.“

Schabaan ist offensichtlich begeistert: „Dadurch, dass Israelis künftig nun auch nach Saudi-Arabien fahren dürfen, erschließt sich für uns ein großer Markt. Ich arbeite gern und schon viele Jahre mit Israelis zusammen. Hoffentlich künftig nun auch in Saudi-Arabien. Von Eilat braucht man weniger als eine Stunde, und man ist schon an einem der schönsten Orte der Welt.“

Im Jahr 2019 sind 4,5 Millionen Touristen nach Israel gekommen. Und auch 2020 startete schon mit guten Zahlen: Im Januar kamen fast 309.000 Touristen nach Israel, das waren 8 Prozent mehr als im Januar 2019 und 20 Prozent mehr als im Januar 2018. Die Einnahmen, die Israel aus dem Tourismus in diesem Monat hatte, belaufen sich auf 1,5 Milliarden Schekel beziehungsweise gut 403 Millionen Euro.

Auf der Messe waren viele Aussteller aus Europa und Fernost vertreten. Israelis zeigten großes Interesse an diesen Reisezielen. Wer die vielen Angebote aus dem Ausland sieht, fragt sich unweigerlich, wo Israelis ihren Urlaub verbringen. Das Tourismusministerium hat in einer neuen Studie festgestellt: Unter Israelis, die ihre Reisen ins Ausland planen, ist das Portal booking.com die beliebteste Website. Und warum sollte ein Israeli es nicht auch zu Hause nutzen? Viele israelische Angebote sind jedenfalls auch dort vertreten.

Von: mh

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