Wirkt eigentlich recht ruhig: das Dorf Asun bei Kalkilia

Wirkt eigentlich recht ruhig: das Dorf Asun bei Kalkilia

Ein rundum verschwiegener Terroranschlag

Dass an diesem Wochenende wieder zwei Israelis Opfer eines antisemitischen Anschlags im Westjordanland wurden, hat hierzulande kaum ein Medium interessiert. Dabei dürfte dieser neuerliche Angriff auch der lokalen palästinensischen Wirtschaft schaden. Eine Beobachtung von Ulrich W. Sahm

Am Samstag sind ein Israeli und dessen Sohn Opfer eines antisemitischen Terroranschlags in dem arabischen Dorf Asun nahe des Übergangs zu Israel bei Kalkilia geworden. Die beiden stammen aus Ofakim bei Be'er Scheva und haben den Zahnarzt Amin Mansur aufgesucht. Eine Zahnbehandlung kostet in den besetzten Gebieten nur halb so viel wie in Israel.

Josef Peretz, 60, und sein Sohn Liber, 17, verließen gerade die Klinik und begaben sich zu ihrem Auto, als ein 15 Jahre alter Palästinenser aus Asun auf sie zuging und fragte, ob sie Juden seien. Als die beiden das bejahten, zückte er ein Messer und stach auf sie ein. Der Sohn versuchte seinen an der Hand verletzten Vater zu schützen und stürzte sich auf den Palästinenser. Der konnte so mehrfach in den Rücken des jungen Israeli stechen und ihn schwer verletzen.

Morddrohungen für Hilfeleistung

Der Arzt hörte offenbar die Geräusche auf der Straße, stürzte aus seiner Klinik heraus und konnte den 15-jährigen Palästinenser in die Flucht schlagen. Ohne seine Hilfe hätte die Messerattacke wohl ein schlimmeres Ende genommen. Die Verletzten wurden per Ambulanz ins Krankenhaus in Israel gebracht.

Inzwischen haben israelische Sicherheitskräfte den Vater des mutmaßlichen Messerstechers verhaftet. Der Täter stellte sich der palästinensischen Polizei. Gleichzeitig erreichten den Arzt Morddrohungen, weil er es gewagt habe, Israelis das Leben zu retten. In den sozialen Netzwerken wurde Mansur von arabischer Seite als „Retter der Siedler“ bezeichnet.

Derartiger Unmut wegen Hilfeleistung für Israelis ist ein bekanntes Phänomen. Ein Arzt aus Hebron, der ebenfalls Israelis nach einem Anschlag geholfen hatte, geriet unter Druck, so dass er nach Israel fliehen musste. Innenminister Arje Deri erteilte ihm eine Aufenthaltsgenehmigung in Israel.

Wirtschaftliche Einbußen befürchtet

Im Dorf Asun wurde indes Ablehnung gegen den Anschlag laut. Denn die dort lebenden Palästinenser sind wirtschaftlich völlig abhängig von den Kunden aus Israel. Arabische wie jüdische Israelis kommen in großen Zahlen in die arabischen Städte, weil die Zahnärzte dort so preiswert sind. Ebenso lassen sie dort günstig ihre Autos reparieren. Auf den Märkten locken Gemüse und andere Waren mit niedrigen Preisen.

Grundsätzlich warnen große rote Schilder israelische Bürger vor Besuchen in den palästinensischen Städten und einem Teil der Ortschaften – wegen akuter Lebensgefahr. Aber vor allem arabische Israelis kümmern sich nicht um diese Warnschilder.

Der Anschlag vom Samstag erhielt große Aufmerksamkeit in den israelischen Medien und könnte dazu führen, dass jetzt weniger Israelis in die arabischen Ortschaften zum Einkaufen fahren. Die Leidtragenden werden die palästinensischen Händler sein – ohne die „israelische Besatzung“ dafür verantwortlich machen zu können.

Keine mediale Aufmerksamkeit

Obgleich es sich hier eindeutig um einen Terroranschlag handelte und es zwei Verletzte gab, wurde der Vorfall in den deutschen Medien völlig ignoriert. Bei anderen Anschlägen berichten die deutschen Medien oft erst, wenn Israel „reagiert“ oder wenn bei einem Mordanschlag ein Palästinenser erschossen wird.

Andererseits mangelt es nicht an kritischen Berichten, wenn jüdische Extremisten Hauswände beschmieren, Autoreifen aufschlitzen oder christliche Priester in Jerusalem bespucken. Dabei werden Extremisten zumeist pauschal als „Siedler“ bezeichnet, selbst wenn deren Wohnort unbekannt ist.

Von: Ulrich W. Sahm

Sie können sich über Disqus, Facebook, Twitter oder Google+ anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen ein, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die unsachliche Formulierungen oder externe Links enthalten. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1.600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungs- bedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei der Christlichen Medieninitiative pro e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus