Ein palästinensischer Demonstrant mit seiner Steinschleuder an der Gaza-Grenze (Archivbild)

Ein palästinensischer Demonstrant mit seiner Steinschleuder an der Gaza-Grenze (Archivbild)

Nakba-Proteste ruhiger als vor einem Jahr

Bei den Gaza-Grenzausschreitungen zum Nakba-Tag hat es mehr als 60 verletzte Palästinenser gegeben. Im vergangenen Jahr mussten die Demonstranten allerdings viele Tote beklagen.

GAZA / JERUSALEM / RAMALLAH (inn) – Mehr als 60 Palästinenser sind Mittwochnachmittag bei Protesten am Gaza-Grenzzaun verletzt worden. Am Nakba-Tag entzündeten die Demonstranten auch diverse Feuer entlang der Grenze zu Israel. Laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“ waren es insgesamt rund 10.000 Palästinenser.

Sie zündeten bei ihrem Protest Reifen an, warfen Steine und Brandsätze auf das israelische Militär. Das wiederum antwortete mit Tränengas, Gummi-Geschossen und teils auch scharfer Munition. Im vergangenen Jahr wurden die gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den israelischen Soldaten deutlich härter geführt: Es starben damals mehr als 60 Palästinenser.

Hamas-Offiziere patrouillierten am Mittwoch an der Grenze, setzten Menschen in orangen Westen in regelmäßigen Abständen ein, um die Gewalt der Protestierenden zu organisieren. Diese schickten auch wieder Brandballons in den Süden Israels, wo mindestens neun Feuer auf Feldern ausbrachen. Die Hamas hatte die Schulen geschlossen, damit Kinder und Jugendliche an den Demonstrationen teilnehmen konnten.

Israel verstärkt Truppenstärke auch in Jerusalem

Israel hatte zusätzliche Scharfschützen und Truppen an die Grenze beordert. Vorsorglich hatte die israelische Grenzpolizei auch Hunderte weitere Einsatzkräfte in die Jerusalemer Altstadt, Ostjerusalem und an Übergänge von Israel ins Westjordanland verlegt, um auf Ausschreitungen reagieren zu können.

In Ramallah marschierten am Mittwoch Hunderte Palästinenser vom Grab des früheren Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Jasser Arafat, ins Stadtzentrum. Sie riefen dazu auf, palästinensische Flüchtlinge wieder nach Israel zurückkehren zu lassen.

Das Jahr 1948 hat sich mit der Staatsgründung Israels in das arabische Gedächtnis als die „Nakba“, die „Katastrophe“, eingeprägt. Neben der Existenz des jüdischen Staates soll dieser Begriff vor allem das Phänomen beschreiben, dass etwa 700.000 bis 750.000 Araber unmittelbar vor und nach der Staatsgründung Israels flohen und teilweise vertrieben wurden. Um die Katastrophe präsent zu halten, hat der 2004 verstorbene Palästinenserführer Jasser Arafat den 15. Mai als den Nakba-Tag eingeführt, der seither in vielen Ländern begangen wird.

Von: mm