Sacharia Baumel galt seit 1982 als verschollen

Sacharia Baumel galt seit 1982 als verschollen

Überreste des verschollenen Soldaten Baumel nach Israel gebracht

Es war eine Sensationsnachricht, die die Armee am Mittwoch verbreitete: Israel hat die sterblichen Überreste des Soldaten Sacharia Baumel wiedererlangt. Dieser war 1982 nach einem Kampfeinsatz verschollen.

TEL AVIV (inn) – Die Überreste des seit 37 Jahren verschollenen Soldaten Sacharia Baumel sind am Mittwoch nach Israel gebracht worden. Um 17:10 Uhr Ortszeit verbreitete die Armee diese Sensationsmeldung. Im pathologischen Institut Abu Kabir in Tel Aviv wurden die Überreste „einwandfrei identifiziert“. Gefunden wurden auch Stiefel des Soldaten und Teile seiner Uniform, alles mit namentlichen Kennzeichen.

Nach einem Panzergefecht gegen die Syrer waren am 11. Juni 1982, während des sogenannten Ersten Libanonkriegs, acht Panzer bei einem Rückzug des Bataillons ins Hintertreffen geraten. Die Syrer und palästinensische Terrorgruppen verwickelten sie in eine Schlacht. 20 Soldaten wurden getötet, 30 verletzt. Doch drei Soldaten galten seitdem als „verschollen“ – neben dem Panzerkommandeur Sacharia Baumel auch Zvi Feldman und Jehuda Katz. Jahrelang machten die Hinterbliebenen, darunter der Vater Jona Baumel, Druck auf die Armee, den verschollenen Soldaten ausfindig zu machen, um ihn in Israel gebührend begraben zu lassen.

1993 hatte der damalige Palästinenserführer Jasser Arafat dem israelischen Premierminister Jitzchak Rabin die halbe Hundemarke von Baumel übergeben. Spätestens seitdem war klar, dass die Palästinenser über Informationen zum Verbleib der Leiche verfügten.

Bislang wurde nicht veröffentlich, wo die Leiche gefunden wurde und wie sie von israelischen Agenten geborgen wurde. Die Armee gab lediglich an, dass der Militärgeheimdienst dafür vor etwa einem Monat die Operation „Bittersüßes Lied“ begonnen und vor wenigen Tagen beendet hat.

Hoffen auf Rückkehr

In Israel spielt das Leben der Soldaten eine im Vergleich zu anderen Ländern unüblich große Rolle. Grundsätzlich gelten verschollene Soldaten als lebend, solange deren Tod nicht einwandfrei festgestellt werden konnte. Und selbst dann bemüht sich die israelische Armee auch nach Jahrzehnten um die sterblichen Überreste, um diese den Nachkommen für ein ordentliches Begräbnis zu übergeben. Eine Schwester des bei der gleichen Schlacht verschollenen Jehuda Katz sagte im Rundfunk, dass sie immer noch ein „Fünkchen Hoffnung“ habe, ihren Bruder wiedersehen zu können. Im Radio wurde auch Chezi Schai interviewt, der zunächst als verschollen galt, aber dann lebendig in einem syrischen Gefängnis gefunden wurde. Schai kam im Mai 1985 im Rahmen eines Gefangenenaustauschs frei, ein weiterer Soldat bereits im Juni 1984.

Seit dem Libanonkrieg 1982 sind noch weitere Israelis verschollen, darunter der Flugnavigator Ron Arad. Dessen Flugzeug wurde im Oktober 1986 über dem Libanon abgeschossen. Ebenfalls als verschollen gilt Guy Hever; dessen Schicksal ist seit August 1997 unbekannt.

Bemühen um Tote und Verschollene

Wie wichtig die Verschollenen für den jüdischen Staat sind, zeigt der extrem hohe Preis, den Israel bereit ist, für deren Freigabe zu zahlen. So war bekannt, dass die islamistische Organisation Hamas den entführten Soldaten Gilad Schalit festhält. Für seine Rückkehr war Israel bereit, 1.027 rechtskräftig wegen Terroranschlägen verurteilte Palästinenser, darunter Massenmörder, auf freien Fuß zu setzen.

Dieses enorme Bemühen um Tote und Verschollene ist auch im jüdischen Glauben verankert. Nur wer ordentlich begraben wird, hat Aussicht, am Ende der Tage von den Toten wieder aufzuerstehen. Deshalb ist die Entrüstung vieler Juden über die Verbrennung der Opfer der Gaskammern so groß. Gemäß jüdischer Auffassung gilt das als doppelter Mord: an dem lebenden Menschen und dann an seiner Leiche, weil ihm so die Auferstehung vorenthalten wird.

Premierminister Benjamin Netanjahu sagte am Abend, dass die Wiedererlangung der Leiche von Sacharia Baumel ein Symbol für die Moral und Verpflichtung des Staates Israel für seine Soldaten sei. Netanjahu deutete an, dass die Rückgabe der Leiche „umfassende politische Verhandlungen“ vorausgegangen seien. Unklar bleibt, mit welchen Ländern Israel verhandelte. Es wurde jedoch spekuliert, dass die Russen da eine Rolle gespielt haben könnten.

Von: Ulrich W. Sahm

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