Guy Hever verschwand vor 20 Jahren

Guy Hever verschwand vor 20 Jahren

Im Einsatz verschollen: Guy Hever

Vor 20 Jahren ist der israelische Soldat Guy Hever im Golan verschwunden. Über die Jahre hinweg versuchten Armee und Regierung erfolglos, dessen Verbleib ausfindig zu machen.

JERUSALEM (inn) – Das Schicksal des israelischen Soldaten Guy Hever ist seit genau 20 Jahren unbekannt. Er gilt als „Missing in Action“, also „im Einsatz verschollen“. Der damals 20-Jährige wurde zuletzt am 17. August 1997 in Uniform und mit seiner Waffe auf den Golanhöhen gesehen, einen Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Seither fehlt von ihm jede Spur.

Israel geht davon aus, dass Syrer den Soldaten entführt haben. Die Armee hatte jedoch zunächst angenommen, Hever sei unerlaubt seiner Einheit fern geblieben. Ihm stand damals eine disziplinarische Anhörung bevor, weil er einem geselligen Beisammensein seiner Einheit ferngeblieben war. Das fügte sich in eine Reihe weiterer Verstöße gegen Vorschriften. Einmal musste er deswegen 21 Tage lang in Gewahrsam in seiner Armeebasis bleiben. Erst drei Jahre später erklärte Israel ihn für „Missing in Action“.

Dürftige Informationen

Die Informationen über seinen Verbleib, die bislang ans Tageslicht gekommen sind, laden mehr zur Spekulationen ein, als dass sie aufklären. Am Tag seines Verschwindens will eine Augenzeugin aus der Nähe der Kleinstadt Katzrin einen Mann gesehen haben, der auf die Personenbeschreibung passt. Er sei Richtung Syrien gegangen.

Im Jahr 2007 meldete sich die deutsche Judaistin Miriam Koinike zu Wort und behauptete, Hever in Syrien gesehen zu haben. Zwei Jahre zuvor sei sie in Aleppo inhaftiert und in Damaskus verhört worden. Beim Verhör sei ihr ein dünner, dunkelhäutiger Mann aufgefallen, der perfekt Hebräisch gesprochen habe. Als sie zwei Jahre später Bilder von Hever sah, wandte sie sich mit einem Brief an die Mutter Rina. „Mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent“ handele es sich bei dem Mann, den sie am 3. Mai 2005 um 22 Uhr in Damaskus gesehen habe, um Guy, schrieb sie.

Ebenfalls im Jahr 2007 behauptete eine syrische Organisation namens „Widerstandskomitees für die Befreiung der Golanhöhen“, einen israelischen Soldaten in Gefangenschaft zu haben. Sie bot an, diesen im Tausch gegen von Israel inhaftierte Drusen freizulassen. Aus dieser Episode wurde aber nichts und es bestehen Zweifel, ob es die Organisation überhaupt gibt.

Diplomatische Bemühungen

Nichtsdestotrotz geht auch der Staat Israel bei seinen Bemühungen um Guy von einer Gefangenschaft in Syrien aus. Im Jahr 2001 wandte sich der damalige Botschafter in Jordanien, David Dalon, an humanitäre Organisationen mit der Bitte, mit syrischen Behörden in Kontakt zu treten, um so Informationen zu erlangen.

Im Jahr 2009 verschärfte die israelische Regierung die Bemühungen. Russland wurde gebeten, der syrischen Regierung Interesse an Informationen über den Soldaten zu signalisieren. Der damals frisch gewählte Premier Benjamin Netanjahu traf sich auch mit der Mutter des Vermissten, Rina, und versprach, einen Sonderermittler einzusetzen.

Doch die Jahre der erfolglosen Suche hinterlassen Spuren. „Das ist schwerer als Trauer. Es ist etwas Ungelöstes“, sagte Rina Hever im Jahr 2012 der Onlinezeitung „Times of Israel“. Zudem glaube sie trotz anderweitiger Versicherungen nicht, dass Regierung und Armee mit letztem Einsatz der Sache nachgehen. Zugleich versichert sie: „Ich habe nicht den leisesten Zweifel, dass er noch am Leben ist.“

Wie auch immer das Engagement zu bewerten ist: Die offizielle Politik Israels ist es, keinen Soldaten zurückzulassen, ob er nun am Leben ist oder nicht. So führt die Armee jährlich mehrtägige Suchen durch in der Hoffnung, neue Hinweise zu finden. Zuletzt geschah dies Anfang November 2016 – wieder erfolglos.

Ungewöhnlicher Fall

Der Mangel an Informationen über das Verschwinden machen den Fall einzigartig. In Israel gelten noch vier weitere Soldaten als „Missing in Action“ – dort gingen allerdings Kampfhandlungen voraus: 1982 wurden während des Ersten Libanonkrieges Zacharia Baumel, Tzvi Feldman und Jehuda Katz nach Kämpfen nicht mehr gefunden und gelten daher als verschollen.

Vier Jahre später verschwand der Navigator Ron Arad nach einem Abschuss über dem Libanon. Israelische Einheiten retteten den Piloten des Fliegers, während die schiitische Miliz Amal den Navigator entführte. Zuletzt gab es Hoffnung auf neue Hinweise über dessen Verbleib. Im Fall Guy Hever bleiben neue Entwicklungen jedoch aus.

Von: df

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