Ein Geschoss aus dem Gazastreifen landete im Bereich eines Kindergartens

Ein Geschoss aus dem Gazastreifen landete im Bereich eines Kindergartens

Schlimmster Angriff auf Israel seit 2014

Es war ein böses Erwachen: Früh am Morgen beschossen Terroristen im Gazastreifen Israel mit dutzenden Mörsergranaten. Sogar das Grundstück eines Kindergartens wurde getroffen.

JERUSALEM (inn) – Am Dienstag ist es zum schlimmsten Mörserangriff auf Israel seit dem Gazakonflikt des Jahres 2014 gekommen. Insgesamt wurden ab etwa 7 Uhr Ortszeit Armeeangaben zufolge etwa 70 Mörsergranaten und Raketen in Richtung Israel gefeuert. Sie schlugen zum Teil in Ortschaften rund um den Gazastreifen oder in offenen Feldern ein. Ebenfalls zum ersten Mal seit 2014 flogen die Raketen mehr als 25 Kilometer in israelisches Gebiet.

In einem Fall explodierte eine Mörsergranate in einem Kindergarten in einer der Ortschaften. „Die Granate explodierte, ehe die Kinder kamen“, sagte der Leiter des Regionalrates vor Ort.

Die Terroristen beschädigten durch ihr eigenes Raketenfeuer zudem eine für den Gazastreifen wichtige Stromleitung. Dadurch ist die Stromversorgung in Teilen des Gazastreifens gestört. Nach Angaben der israelischen Energiebehörde werden die Reparaturarbeiten Tage in Anspruch nehmen. Energieminister Juval Steinitz erklärte, die Reparaturen würden erst beginnen, wenn die Lage wieder sicher ist.

Der Großteil der Geschosse wurde vom Raketenabwehrsystem „Eisenkuppel“ abgefangen. Die israelischen Bewohner rund um den Gazastreifen wurden trotz des ungewöhnlichen Beschusses zunächst aufgefordert, ihre Kinder in die Schulen zu schicken und mit dem „gewöhnlichen Leben“ fortzufahren. Besagter Kindergarten bot sein Programm für die Kinder an. Am Abend meldete ein Reporter jedoch, sämtliche Gärten und Spielplätze seien leer, da alle Kinder zuhause bleiben würden anstatt draußen zu spielen.

Unzählige Male ertönte im Laufe des Tages anstelle von Sirenen per Lautsprecher die Warnung „Rote Farbe“. Die Einwohner in der ganzen Region sind dann aufgefordert, innerhalb von 15 Sekunden die Sicherheitsräume oder Bunker aufzusuchen. Der Raketenalarm hielt an verschiedenen Ortschaften bis zum Abend an. Die Behörden wiesen die Bewohner am Nachmittag an, in der Nähe der Schutzräume zu bleiben.

Laut Medienberichten wurden fünf Israelis verletzt. Darüber hinaus erlitten etwa zehn Personen Panikattacken. Die Hilfsorganisation „United Hatzala“ rief die Anwohner auf, im Falle einer solchen Attacke die entsprechenden Krisenzentren aufzusuchen. Panikattacken sind nicht zu unterschätzen: Infolge der irakischen Raketenangriffe 1991 starben dutzende Israelis aufgrund der Aufregung, die die Angriffe mit sich brachten.

Israel nimmt Ziele ins Visier

Aus dem Gazastreifen hieß es, dass israelische Panzer auf Posten der Hamas geschossen hätten. Hinzu kommen Luftangriffe der Israelis auf Stellungen nahe Gaza-Stadt. Über Verletzte oder Tote wurde nichts bekannt. Weiter hieß es, dass die extremistische Gruppe „Islamischer Dschihad“ für den massiven Beschuss auf Israel verantwortlich gewesen sei. Gleichwohl hält Israel die Hamas als herrschende Partei im Gazastreifen für verantwortlich.

Die Armee teilte am Nachmittag mit, mehr als 30 Ziele im Gazastreifen angegriffen zu haben. Drei Soldaten wurden bei ihrem Einsatz verletzt. Zu den Zielen gehören ein Terrortunnel, Kommandoposten und Waffenlager. Die Ziele seien der Hamas und dem „Islamischen Dschihad“ zuzuordnen. Die Armee veröffentlichte ein Video vom Beschuss des Terrortunnels beim Übergang Kerem Schalom.

Angriff aus Rache

Nach Angaben aus dem Gazastreifen ist der Beschuss „Rache“ gewesen für Tote während der Protestmärsche an die Grenze Israels, die wegen Druck der Ägypter auf den Hamas-Chef Ismail Hanije am Wochenanfang per Befehl der Hamas fast völlig gestoppt wurden. In Gaza hieß es, dass mit den Granaten „lediglich israelische Militärstützpunkte“ beschossen worden seien. „Das widerspricht der Wirklichkeit, denn es wurden auch Wohnhäuser nahe der Grenze mit Maschinengewehrfeuer getroffen“, sagten israelische Reporter.

In Israel spekulierten verschiedene Sprecher und Experten, dass eine weitere, heftigere Reaktion Israels auf den Beschuss noch ausstehe. Gleichwohl seien weder die Hamas noch Israel an einer Eskalation interessiert, noch an einer umfassenden militärischen Auseinandersetzung wie im Sommer 2014.

Angriffe verurteilt

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte, Israel werde mit Macht zurückschlagen; Angriffe auf Israel kämen den Verantwortlichen teuer zu stehen. Verteidigungsminister Avigdor Lieberman kam mit Armeechef Gadi Eisenkot und weiteren Sicherheitsberatern zu einer Sondersitzung im Hauptquartier der Armee zusammen.

Verschiedene Akteure haben den Angriff auf Israel verurteilt. Der EU-Botschafter in Israel, Emanuele Giaufret, war der erste. „Ich kenne die Widerstandsfähigkeit in Südisrael, aber wahllose Angriffe sind absolut inakzeptabel und ohne Vorbehalt zu verurteilen.“ Die außenpolitische Sprecherin der EU, Maja Kocijancic, verurteilte den Beschuss durch die Palästinenser ebenfalls und forderte ein sofortiges Ende.

Der UN-Sonderbeauftragte für den Nahost-Friedensprozess, Nickolay Mladenov, nannte das wahllose Feuer auf Wohnorte „inakzeptabel“. Der Regionalleiter der Organisation „Human Rights Watch“, Omar Shakir, sprach von einem „Kriegsverbrechen“. „Es gibt niemals eine Rechtfertigung für Angriffe auf Zivilisten.“ Verurteilungen kamen ferner aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Irland, Kanada, Österreich, Tschechien und den USA.

Dieser Artikel wurde zuletzt um 19:58 Uhr aktualisiert.

Von: Ulrich W. Sahm/df

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google+ anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein beim Christlichen Medienverbund KEP e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus