Der „Nakba“-Tag erinnert Palästinenser an die „Katastrophe“ der israelischen Staatsgründung im Jahr 1948

Der „Nakba“-Tag erinnert Palästinenser an die „Katastrophe“ der israelischen Staatsgründung im Jahr 1948

Proteste am Grenzzaun vorerst beendet

Zum Tag der „Nakba“ erinnern Palästinenser an die „Katastrophe“ der israelischen Staatsgründung. Die Zahl der Teilnehmer am Massenprotest in Gaza lässt allerdings deutlich nach. Indes bezweifelt ein palästinensischer Arzt die Behauptung, ein Baby sei durch Tränengas gestorben.

GAZA / RAMALLAH (inn) – Mit deutlich weniger Teilnehmern haben die Palästinenser im Gazastreifen am Dienstag ihre Proteste am Grenzzaun fortgesetzt. Die israelische Armee sprach von etwa 4.000 Demonstranten – am Montag waren noch, organisiert von der Hamas, 40.000 Menschen auf die Sperranlage zumarschiert. Am Dienstagabend gegen 18 Uhr Ortszeit rief die Hamas alle Palästinenser auf, das Grenzgebiet zu verlassen. Bereits eine Stunde später war dort kein Demonstrant mehr zu sehen, schreibt die Tageszeitung „Yediot Aharonot“.

Auch bei den Protesten am Dienstag kam es zu Auseinandersetzungen mit Soldaten. Demonstranten warfen Steine und Brandbomben, Armeeangehörige reagierten mit Schüssen. Dabei wurden zwei Palästinenser getötet. Damit erhöhte sich die Zahl der Toten seit Montag nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza auf 62. Acht Minderjährige seien durch Schüsse ums Leben gekommen. Armeeangaben zufolge waren 24 der Getöteten Mitglieder der Hamas oder des Islamischen Dschihad.

Palästinensischer Arzt: Baby starb wohl nicht durch Tränengas

Zudem war die Rede von einem acht Monate alten Baby, Laila Ghandur, das Tränengas eingeatmet habe und daran gestorben sei. Ein palästinensischer Arzt in Gaza zog dies allerdings in Zweifel. Er sagte der Nachrichtenagentur AP, das kleine Mädchen sei schon vorher ernsthaft erkrankt gewesen. Die Familie gab laut der Onlinezeitung „Times of Israel“ an, in dem Durcheinander sei Laila von Verwandten an den Grenzzaun mitgenommen worden. Sie habe sich mit ihrer Großmutter nahe des Zaunes aufgehalten.

Indes begann die Armee am Mittwoch, sich mit zahlreichen Sprengsätzen zu befassen, die Palästinenser im Schutze der Massenproteste am Grenzzaun gelegt hatten. Das Militär veröffentlichte ein Video. Darin ist zu sehen, wie Soldaten drei Terroristen erschießen. Diese hatten Granaten, Messer, Zangen und Sprengsätze bei sich, mit denen sie teilweise schon die Truppen angegriffen hatten. Auf israelischer Seite wurde jedoch niemand verletzt. Ferner hätten Demonstranten mit scharfer Munition auf Soldaten geschossen, die Armee habe darauf mit Panzerfeuer reagiert. Weiter hieß es, insgesamt seien am Montag 150 Drachen mit Brandsätzen oder Sprengsätzen heruntergeholt worden. Einen kleinen Teil habe die Hamas abgeschossen, weil sie die Praxis ablehne, Branddrachen nach Israel zu schicken.

Waren am Montag noch rund 2.700 Palästinenser bei den Massenprotesten verletzt worden, so gab das Militär die Zahl der am Dienstag Verwundeten mit 160 an. Auch im Westjordanland veranstalteten Palästinenser an diesem Tag Kundgebungen. Anlass war der 70. Jahrestag der „Nakba“ – mit diesem arabischen Wort für „Katastrophe“ bezeichnen Palästinenser die israelische Staatsgründung. Um Mitternacht ertönten Sirenen in Städten wie Ramallah oder Nablus. Vereinzelt kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit israelischen Sicherheitskräften. Nach Angaben der Armee nahmen 1.300 Palästinenser an „gewaltsamen Randalen“ teil, unter anderem mit Steinen und Brandbomben. Der Palästinensische Rote Halbmond zählte 264 Verletzte, die allermeisten durch Tränengas. Auch ein Grenzpolizist und ein Soldat wurden verwundet.

Südafrikanischer Protest gegen Israel

Indes marschierten am Dienstag in Kapstadt Tausende Südafrikaner durch die Straßen und forderten ein Ende des Blutvergießens im Gazastreifen. Gemäß der Nachrichtenagentur WAFA nahmen an der Demonstration Politiker und religiöse Vertreter teil, unter ihnen Juden, Christen, Muslime und Hindus.

Die Massenproteste im Gazastreifen richten sich gegen die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem. Die Teilnehmer fordern ein Recht auf Rückkehr für Palästinenser an die Orte in Israel, aus denen ihre Vorfahren vor 70 Jahren vertrieben wurden. Der nächste Marsch sei für den 5. Juni geplant, gab der Leiter des Organisationskomitees, Chaled al-Batsch, bekannt. An diesem Tag jährt sich zum 51. Mal der Ausbruch des sechstägigen Krieges, in dem Israel den Gazastreifen, das Westjordanland, die Golanhöhen und Ostjerusalem eroberte.

Von: eh

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