Am Freitag und Samstag durften Muslime nicht in der Al-Aksa-Moschee beten

Am Freitag und Samstag durften Muslime nicht in der Al-Aksa-Moschee beten

Muslime beten außerhalb des Tempelbergs

Die Proteste gegen die israelischen Maßnahmen nach dem Anschlag in der Nähe des Tempelberges dauern an. Die Fatah ruft Palästinenser zum Zorn auf. Die Türkei wirft Israel Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

JERUSALEM (inn) – Zahlreiche Araber haben am Montag gegen die neuen Sicherheitsschleusen am Tempelberg protestiert. Die islamische Aufsichtsbehörde Wakf rief Muslime dazu auf, nicht durch die Metalldetektoren auf das Gelände zu gehen. Deshalb beteten viele in der Nähe des Löwentors zur Jerusalemer Altstadt. Israel hatte die Detektoren nach dem Anschlag aufgestellt, bei dem am Freitag zwei drusische Polizisten und drei arabisch-israelische Attentäter erschossen worden waren. Ferner wurden zusätzliche Überwachungskameras installiert.

Montagnacht eskalierten die Proteste im Ostjerusalemer Stadtteil Silwan. Palästinenser warfen Molotowcocktails und Felsbrocken auf israelische Sicherheitskräfte. Nach Angaben der Jerusalemer Polizei entstand ein Brand, der jedoch schnell gelöscht wurde. Ein Polizist erlitt leichte Verletzungen durch einen Stein. Auch im Viertel Issawija in Nordjerusalem und beim Löwentor gab es Protestaktionen. Laut der palästinensischen Rettungsorganisation Roter Davidstern wurden insgesamt etwa 50 Palästinenser durch Gummigeschosse und Schläge verletzt.

Der Generalsekretär der „Palästinensischen Nationalen Initiative“, Mustafa Barghuti, sagte der palästinensischen Nachrichtenagentur „Ma'an“, israelische Sicherheitskräfte hätten Beter angegriffen. Unter ihnen seien auch Frauen und Kinder. Die israelische Unterdrückung werde den Willen der Jerusalemer nicht brechen. Er rief alle Palästinenser zur Unterstützung auf. Muslimischen und arabischen Staaten riet er, Israel zu boykottieren, damit es die Aggression gegen Jerusalem und das Al-Aksa-Gelände beende. Der israelische Polizeisprecher Micky Rosenfeld teilte hingegen mit, Sicherheitskräfte hätten Beter am Löwentor fortgeschafft, weil diese die Straße blockierten.

Bennett: Detektoren auch in Mekka

Der israelische Bildungsminister Naftali Bennett bezeichnete die muslimische Reaktion auf die Sicherheitsschleusen als „Sturm im Wasserglas“. Auch jüdische Besucher der Klagemauer und muslimische Besucher der Kaaba in Mekka müssten Metalldetektoren durchqueren, sagte er laut der Onlinezeitung „Times of Israel“.

Premierminister Benjamin Netanjahu äußerte: „Ich verstehe, dass es Unstimmigkeiten bezüglich der Metalldetektoren gibt. Aber wir verstehen auch, dass wir uns in einem weiteren solchen Terrorangriff befinden können und diese Mittel nötig sind, einschließlich der Sicherheitskameras, die wir in dem Gebiet aufstellen wollen.“

Fatah fordert Protest beim Freitagsgebet

Die Fatah rief für Mittwoch zu einem „Tag des Zornes“ gegen die erhöhten israelischen Sicherheitsmaßnahmen in Ostjerusalem auf. Zudem forderte die Partei des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, Muslime sollten ihre Freitagsgebete an öffentlichen Plätzen in palästinensischen Städten abhalten, um israelische „terroristische Prozeduren“ in Ostjerusalem anzuprangern.

Nach dem Anschlag hatte Israel den Tempelberg zum ersten Mal seit Jahren für alle Besucher gesperrt. Auch die Altstadt wurde zumindest am Freitag abgeriegelt. Seit Sonntag dürfen Muslime den Tempelberg wieder betreten. Für Nichtmuslime wurde das Gelände am Montag wieder geöffnet. Allerdings dürfen sie dort gemäß einer Abmachung zwischen dem Wakf und Israel nicht beten. Der Eingang für Nichtmuslime an der Mughrabi-Rampe ist bereits seit langer Zeit mit einem Metalldetektor ausgestattet.

Unterdessen berichtete die in London ansässige Nachrichtenseite „Elaph", der saudische König Salam Bin Abdulasis al-Saud habe sich persönlich für die Öffnung des Tempelbergs eingesetzt. Er habe über das Weiße Haus in Washington eine Botschaft nach Jerusalem gesandt. Israel möge die Stätte so schnell wie möglich für muslimische Gläubige öffnen. Netanjahu habe geantwortet, dass er nicht die Absicht habe, den 50-jährigen Status quo zu ändern. Er habe offizielle saudische Vertreter eingeladen, den heiligen Komplex zu besuchen, um sich ein Bild von der Lage zu machen, hieß es laut der „Times of Israel“.

Türkei: Israel begeht Verbrechen gegen Menschlichkeit

Die Türkei wiederum kritisierte die israelische Maßnahme am Montag. Regierungssprecher Numan Kurtulmus sagte in Ankara nach einer Kabinettssitzung vor Journalisten, die Schließung des Tempelbergs sei „ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ein Verbrechen gegen die Religionsfreiheit. Aus Sicht der Menschenrechte ist es völlig inakzeptabel“. Kurtulmus ist auch stellvertretender Premierminister.

Von: eh

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