Im Beduinendorf Umm al-Hiran im südlichen Negev leben rund 700 Bewohner

Im Beduinendorf Umm al-Hiran im südlichen Negev leben rund 700 Bewohner

Zwei Tote bei Protesten in Beduinendorf

Eine schmerzliche Bilanz: Ein Polizist und ein Bewohner sind Mittwochmorgen bei einer Häuserabriss-Aktion im Beduinendorf Umm al-Hiran ums Leben gekommen. Zahlreiche Polizisten und Dorfbewohner wurden verletzt. Der Sicherheitsminister fürchtet um die Beziehungen zwischen Beduinen und dem israelischen Staat.

UMM AL-HIRAN (inn) – Ein Polizist und ein Demonstrant sind bei Protesten gegen den Abriss von Häusern im Beduinendorf Umm al-Hiran am Mittwoch gestorben. Wie die Onlinezeitung „Times of Israel“ berichtet, wurde der Polizist von einem Beduinen mit einem Auto überfahren. Der Fahrer des Wagens wurde von Sicherheitskräften erschossen. Der getötete Polizist war der 34-jährige Eres Levi. Nach Informationen der Polizei handelte es sich bei dem erschossenen Fahrer um Mussa Abu al-Kia'an.

Über Nacht war die Polizei in das südlich im Negev gelegene Dorf gekommen, um Häuser zu evakuieren, die zur Zerstörung vorgesehen waren. Gegen die Demonstranten setzten die Sicherheitskräfte am Mittwochmorgen Tränengas und Gummigeschosse ein. Sie hatten das Beduinendorf abgeriegelt, mussten sich aber mit Hunderten Bewohnern auseinandersetzen.

Ein Bewohner des Beduinendorfes, Raed Abu Dschihad, sagte dem staatlichen Rundfunk, dass die Rammaktion mit dem Auto kein geplanter Angriff gewesen sei. Die Polizei habe zuerst geschossen und wegen seiner Wunden habe der Mann den Wagen nicht mehr kontrollieren können. Die Polizei wiederum bezeichnete den Fahrer als Aktivisten der Islamischen Bewegung, der sein Fahrzeug beschleunigte, als er auf die Polizisten zufuhr.

Politiker der „Vereinigten Liste“ am Kopf verletzt

Es laufen Untersuchungen, ob die Person möglicherweise mit der Terrormiliz „Islamischer Staat“ in Verbindung stand. Die Angehörigen des erschossenen Fahrers stritten diese Anschuldigungen ab und sagten, Abu al-Kia'an sei Lehrer gewesen. „Das sind alles Lügen“, sagte dessen Bruder, der erläuterte, dass Abu Al-Kia'an aus dem Tumult heraus wollte, als die Polizei das Feuer auf den Wagen eröffnete.

Der Fraktionsvorsitzende des arabischen Parteienbündnisses „Vereinigte Liste“, Ajman Odeh, war bei der Abrissaktion vor Ort. Er ist bei den Auseinandersetzungen von einem Geschoss am Kopf getroffen worden. Zahlreiche Bewohner und Polizisten sind unterschiedlich schwer verletzt worden. Odeh und ein Polizist kamen zur Behandlung ins Soroka-Krankenhaus nach Be'er Scheva. Die in Haifa ansässige Hilfsorganisation „Adalah“ kritisierte das Vorgehen der Polizei scharf: „Wenn sie mit arabischen Bewohnern zu tun haben, sitzt der Finger der Polizei leicht am Abzug.“

Sicherheitsminister besorgt

Sicherheitsminister Gilad Erdan hofft laut dem Nachrichtensender „i24News“, dass die Gewalt bei der Auseinandersetzung kein Wendepunkt in den Beziehungen zwischen dem israelischen Staat und den Beduinen wird. Es sei eine schwierige Situation für die Polizeikräfte, aber auch den Staat Israel gewesen. Als Reaktion der Vorfälle kündigte der arabische Sektor in Israel für Donnerstag einen Generalstreik an. Schulen und öffentliche Einrichtungen bleiben geschlossen. Allerdings sollen die Schüler für zwei Stunden erscheinen, um Vorträge über den Abriss von Häusern zu hören, schreibt die Tageszeitung „Yediot Aharonot“.

Das Beduinendorf Umm al-Hiran ist seit längerem ein Spannungsgebiet, in dem es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Bürgern gekommen ist. Das Dorf besteht aus rund 700 Einwohnern eines Beduinenclans, der laut Eigenaussage 1948 von seiner ursprünglichen Ortschaft in den südlichen Negev verlegt wurde. Der israelische Staat hat die Beduinen geduldet, aber das Dorf nie offiziell anerkannt.

Das Beduinendorf soll jetzt durch ein jüdisches Dorf, das Hiran heißen soll, ersetzt werden. Dafür sind 2.400 Wohneinheiten geplant, die neuen Bewohner kämen aus der nahegelegenen Ortschaft Meitar. In der umstrittenen Regierungsentscheidung, den Beduinen-Clan zu verlegen, hatte der Staat den Bewohnern 800 Quadratmeter große Wohnmöglichkeiten in der Stadt Hura angeboten.

Hura ist im Jahr 1989 für die Aufnahme von Beduinen aus nicht anerkannten Dörfern errichtet worden. Das Gericht entschied, dass die Demolierung der Häuser nicht diskriminierend sei, weil die Beduinen die Möglichkeit hätten, in der geplanten Stadt Hiran zu leben, oder aber nach Hura ziehen könnten. Die Bewohner von Umm al-Hiran legten Widerspruch ein und zogen vor den Obersten Gerichtshof. Ihr Widerspruch wurde im Januar 2016 abgelehnt. In Israel leben mehr als 260.000 Beduinen, über die Hälfte in Armut und in nicht anerkannten Dörfern.

Von: mm

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